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Parkendes Auto auf einem Radweg in Leipzig - (C) Mit freundlicher Genehmigung https://twitter.com/Valentin_Marcus Parkendes Auto auf einem Radweg in Leipzig - (C) Mit freundlicher Genehmigung https://twitter.com/Valentin_Marcus

Autofahrer und Radfahrer werden in Leipzig keine Freunde mehr

Ich halte die These, dass in Leipzig die Stadt zu klein ist, um Radfahrern und Autofahrern genügend Platz zu bieten. Sie werden keine Freunde mehr. Beide beanspruchen den zur Verfügung stehenden Platz für sich allein und sind heftig erbost, wenn die anderen sich wagen, den beanspruchten Platz für sich zu reklamieren. Der Verkehr in Leipzig ist eh mehr so ein Kriegsschauplatz. Die Scharmützel zwischen Autofahrern und Radfahrern kommen ja noch oben drauf. Und hier muss irgendwie etwas passieren.

Das Foto oben stammt von Twitter. Eigentlich wollte ich das Kennzeichen verfremden. Aber ich habe es mir dann doch geschenkt. Wie Sie sehen, steht hier ein Auto halb auf dem Radweg, halb auf dem Fußweg. Das Ganze findet an einer Filiale der Deutschen Post in Leipzig-Connewitz statt. Vor der Filiale gibt es keine Parkplätze. Dies hat historische Gründe. Und ich gebe zu, ich habe da auch schon geparkt, als ich noch in Connewitz gewohnt habe.

Im Laufe der Jahre ist es nicht nur so, dass man altert. Im Normalfall wird man auch schlauer. Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich dort hingestellt habe. Und ich würde wohl heutzutage zusehen, dass meine Lieferung nicht dort ans Postamt geliefert wird, wenn ich noch dort wohnen würde. Es ist einfach eine saublöde Filiale ohne Parkmöglichkeiten. Ganz in der Nähe befinden sich Packstationen. Also können Pakete dorthin geliefert werden.

Das zur Erklärung, wie es zu dem Wildparker kommen konnte. Sie sehen eine Radfahrerin auf dem Foto im Tweet, die das Auto umfahren muss. Von hinten kann ein Bus der Linie 70 oder eine Straßenbahn der Linie 9 bzw. eine Lawine von Autos von der nahen Abfahrt der Bundesstraße kommen. Das heißt, dass die Radfahrerin sich unnötig in Gefahr begibt. Das muss nicht sein. Parken auf dem Radweg ist immer doof. Man könnte sagen, dass es dort nicht anders geht. Aber auch woanders ist es so, dass Radwege zugestellt werden.

Viel schlimmer ist aber anderes. Es gibt sie, die Chaoten unter den Radfahrern. Ich habe darüber lang und breit geschrieben. Wenn Radfahrer mit Kopfhörern bewaffnet in Zweierreihe im Berufsverkehr in einer schmalen Straße zwischen den Autos in Richtung Ampel torkeln, fällt mir nicht mehr viel ein. Wird dann gehupt, weil das eine Verkehrsbehinderung ist, erfolgt schnell mal ein Tritt in Richtung hupendes Auto. Ich will nicht sagen, dass alle so sind. Aber diese Scharmützel tun dem Wohlbefinden nicht gut.

Vor allem bringen diese Scharmützel niemanden weiter. Da mögen Verkehrsteilnehmer noch so verhaltensoriginell sein, wie ich mal schrieb. Leipzig hat zwar eine riesige Fläche, wie ich neulich herausgefunden habe. Aber bebaut ist nicht alles, was auch ganz gut so ist. Unser Auewald ist nun einmal sensationell und soll es auch bleiben. Der für den Verkehr zur Verfügung stehende Platz muss sinnvoll genutzt werden, da führt kein Weg vorbei. Auch weil die Stadt Leipzig keine Ahnung hat, wie das Verkehrskonzept mal aussehen soll.

Vielleicht kommen wir ja weiter, wenn jeder ein wenig Rücksicht nimmt. Ein Radweg muss nicht zugeparkt werden. Radfahrer müssen nicht in halsbrecherischen Aktionen zwischen Autos umher kurven. Fußgänger können sicherlich eine Ampel benutzen, statt 5 Meter weiter zwischen den anderen Verkehrsteilnehmer herum zu turnen. Kreuzungen müssen von niemandem – auch nicht von Bus und Straßenbahn – zugestellt werden. Es ist eine Idealvorstellung. Aber wenn jeder ein wenig an andere denkt, wird Leipzig vielleicht ein wenig weniger Moloch.

Es ist doch niemandem damit gedient, auf sein Recht zu beharren. Fußgänger haben meistens mit Gedanken wie „Der hat doch Bremsen“ Unrecht. Zugestellte Kreuzungen behindern den Verkehrsfluss und Einsatzkräfte. Blockierte Radwege schüren unnötig Gefahren für Leib und Leben. Diese Liste kann man endlos fortsetzen. In der Fahrschule lernt man das vorausschauende Fahren. Das wird aber scheinbar direkt nach dem Erhalt des Führerscheins aus dem Gehirn gelöscht. Warum ist das so? Kann mir das jemand erklären?

Ja, Radfahrer und Autofahrer werden hier in dieser Stadt ganz bestimmt keine Freunde mehr. Wenn aber jeder auch mal durchatmet, werden vielleicht weniger Radfahrer umgefahren oder überhaupt gefährliche Situationen im Straßenverkehr provoziert. Jeder müsste dazu ein Stückchen beitragen. In dieser Stadt der betonierten Ellbogen sehe ich allerdings ein wenig schwarz. Leipzig, die an sich liebenswerte Stadt, büßt damit seine Liebenswürdigkeit ein. Schade eigentlich.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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