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#CharlieHebdo – Anschlag auf die Meinungsfreiheit

Ja, die Überschrift ist plakativ. Aber was heute in Paris beim Satiremagazin Charlie Hebdo passierte, war genau das, wie ich es nannte. Charlie Hebdo ist für Frankreich in etwa das, was in Deutschland Magazine wie „Der Postillon“ oder „Titanic“ sind. Nur eben um einiges bissiger, kompromissloser, direkter.

Charlie Hebdo ist für die französische Medienlandschaft unheimlich wichtig, auch wenn die Auflage vergleichsweise gering ist. Und für die Franzosen selbst ist das Magazin Kult. Oder sollte ich besser sagen: War? Denn auf Charlie Hebdo wurde ein Anschlag verübt, der seines Gleichen sucht.

Ich wollte heute nichts mehr schreiben. Aber nachdem heute lange Zeit über Twitter darüber erzählt wurde, habe ich auf die deutschen Abendnachrichten gewartet. Und das hatte mich schwer beeindruckt, sodass ich mich dann doch aufgerafft habe. Denn auf das Magazin wurde ein augenscheinlich islamistischer Anschlag verübt. Dabei kamen 10 Mitarbeiter des Magazins und 2 Polizisten ums Leben. Die Täter sind auf der Flucht, und halb Frankreich sucht nach ihnen.

Was da passiert ist, ist ein gemeiner Anschlag auf die Meinungsfreiheit. Charlie Hebdo geriet immer wieder ins Fadenkreuz. Man druckte die umstrittenen Mohammed-Karikaturen ab, man warf mit Karikaturen zur katholischen Kirche um sich, man legte sich mit so ziemlich jedem an. Immer wieder war der Islam das Thema der Karikaturen. Das darf man ja eigentlich machen. Oder darf man das nicht? Fragen wir uns einfach mal, wie weit die Meinungsfreiheit gehen darf.

Nein, man darf seine Meinung äußern. In Deutschland ist es doch so, dass ich meine Meinung äußern darf, so lang ich niemanden beleidige, zu keinen Straftaten anstifte und so etwas. Aber ich darf auch kritisch sein. Sehr kritisch. Ich muss dann aber damit rechnen, dass mir das irgendwann mal auf die Füße fällt.

Mir ist das so gegangen, als ich kritisch über Abhörpraktiken der Geheimdienste mit deutscher Technologie geschrieben hatte. Mir wurde das dahingehend zum Verhängnis, dass ich immer wieder Brute Force Attacken auf diesem Blog feststellte und das Spam-Aufkommen merklich anstieg. So war das eben auch, als ich immer wieder über Russland geschrieben hatte. Es können Zufälle sein. Aber ich glaube nicht an Zufälle.

Aber das ist alles nichts im Vergleich zu Charlie Hebdo. Ich habe das nur angeführt, weil ich das mit dem Satiremagazin vergleichen wollte, um die Dimensionen mal ans Licht zu holen. Wie gesagt: Charlie Hebdo hatte bitterböse, kritische Satire über Religion etc. geliefert. Und ganz plötzlich schießen Vermummte in der Redaktion um sich und brüllen „allah u akhbar“ und verschwinden wieder.

Nun meldeten sofort die Nachrichtenagenturen einen islamistischen Anschlag. Aber je später der Tag wurde, desto nachdenklicher wurden die deutschen Medien. Im „Brennpunkt“ auf der ARD hieß es vorhin, dass man ja gar nicht wissen kann, ob es ein islamistischer Hintergrund war. Genauso gut könne es ein Anschlag von Trittbrettfahrern gewesen sein, der die antimuslimische Stimmung in Frankreich weiter anheizen sollte.

Und der Meinung bin ich auch. Ich meine, stellen Sie sich einfach mal vor, dass in Deutschland auf ein Magazin ein solcher Anschlag verübt wird. Auch mit dem Ausruf, dass Allah groß ist. Man würde ja hier sofort einen Aufruhr der PEGIDA haben. Das wäre Wasser auf die Mühlen der Islam-Kritiker. Mal abgesehen davon, dass der extreme und militante Islamismus nichts mit dem Islam an sich zu tun hat.

Jedenfalls ist das ein böswilliger Anschlag auf die Meinungsfreiheit. Jetzt könnte es sein, dass so etwas Schule macht und kritische Blogs und Webseiten Gefahr laufen, dass ähnliches passiert. Nein, ich bin sicher nicht wichtig genug. Aber ich kann mir vorstellen, dass das einige als nicht allzu blöde Idee ansehen, so etwas in der Art auf andere Seiten und Magazine loszulassen.

Ich weiß nicht, das ist eine ganz blöde Stimmung, die da aus Frankreich herübergeschwappt ist. Es ist Wasser auf die Mühlen von fremdenfeindlichen Organisationen. Es darf aber nicht zu einer Spaltung der Gesellschaft führen. Erst recht darf es nicht dazu führen, dass man nicht mehr seine Meinung sagt. Man sollte Missstände weiterhin anprangern. Und man darf sich nicht einschüchtern lassen. Denn dann haben die politischen Gegner gewonnen und die Meinungsfreiheit verloren.

Der Anschlag auf Charlie Hebdo zeigt, dass der Terror jederzeit überall auf jedes Ziel zuschlagen kann. Und er kann jede Fratze annehmen, die gerade passt. Das macht die Sache nicht einfacher, mit der Situation umzugehen. Aber verunsichern lassen sollte sich niemand dadurch. Kein Blogger, kein Journalist, kein Magazin.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

6 Gedanken zu „#CharlieHebdo – Anschlag auf die Meinungsfreiheit

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