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Das ZDF, ein Hemd und meine schmerzende Stirn

Das ZDF hat sich in den letzten Jahren gewaltig gewandelt. Statt Fernsehen für eingeschlafene Füße haben wir da jetzt eine Sendeanstalt, die hochprofessionell arbeitet, gute Inhalte liefert und sich selbst nicht zu ernst nimmt. Die Sendergruppe hat auch einige sehr spannende Moderatoren. Unter anderem eben auch Jochen Breyer. Und der stand jetzt mal im Fokus. Mir schmerzt jetzt noch die Stirn vor lauter dagegen hauen.

Es gab mal wieder ein „Gate“. Das Internet tobt ja gern wegen derlei Dinge, die irgendwie nicht in den Kram passen. Und so kam es zu einem – aufpassen, es wird lächerlich – „Brauhemd-Gate“. Ja, Sie haben richtig gelesen. Das Internet hat sich über ein braunes Hemd aufgeregt. Und zwar eins, was man bei Jochen Breyer am Leib gesehen haben will. Zwischenzeitlich dachte ich schon, man wolle den an sich sehr guten Moderator und Journalisten als Adolf Hitler persönlich hinstellen. Was war passiert?

Dieser Tage wurde selbstverständlich der Hooligan-Aufmarsch am vergangenen Wochenende in Nordrhein-Westfalen thematisiert. Und es gab wohl eine Einstellung im Morgenmagazin des ZDF, die Jochen Breyer, der an diesem Morgen nach Angabe des Senders ein olivgrünes Hemd trug, neben einem Schnappschuss der Demo zeigte. Und dort wirkte das Hemd nicht olivgrün, sondern braun. Man hätte mit flüchtigem Blick fast denken können, der drahtige Blondschopf hätte ein Hemd der Wehrmacht angehabt.

Das ist natürlich Blödsinn. Und selbst wenn es braun gewesen wäre, was wäre so schlimm gewesen? Lasst doch Moderatoren tragen, was sie wollen, so lang es nicht anstößig ist. Aber Zuschauer müssen tatsächlich an einem Hemd Anstoß genommen haben. Man nimmt aber gewöhnlich keinen Anstoß an Moderatorinnen, die derart enge Hosen tragen, dass man gleich übers Fernsehen eine Unterleibsuntersuchung machen kann. Was soll das?

Ich plädiere dafür, dass es künftig keine braunen Möbel mehr gibt, dass Solarien aufgrund der Braunfärbung der Haut der Besucher verboten werden, dass Verdauungsendprodukte vor dem Ausstoß gefärbt werden müssen. Leute, das geht entschieden zu weit.

Ja, im Fernsehen wirkte das Hemd tatsächlich braun. Aber man tat ja so, als müsste man eine Staatsaffäre daraus machen. Wütende Zuschauer beschimpften das ZDF, dass es sich um die größte Beleidigung der Fernsehgeschichte handelte. Und ich fordere jetzt den FC St. Pauli auf, sich neue Farben zu suchen. Nun ja.

Aber das ZDF konnte bei dem – Achtung – Braunhemd-Gate auch gar nichts richtig machen. Da haben sie sich über Facebook aufgrund der wütenden Ausbrüche der Zuschauer entschuldigt. Und genau für diese Entschuldigung wurden sie auch noch beschimpft. Sorry, aber was soll das? Ja, der Deutsche ist nun einmal der typische Wutbürger, der hinter seiner Tastatur diskutiert und debattiert. Aber was bitteschön hätte das ZDF denn machen sollen?

Breyer hat sich nicht falsch verhalten. Und er ist ein guter Journalist. Beliebt noch dazu. Hätte ihn sein Arbeitgeber direkt nach den ersten Meldungen von Zuschauern aus dem Morgenmagazin entfernen sollen, das Arbeitsverhältnis augenblicklich beenden sollen und so etwas? Wegen eines olivgrünen Hemdes, das aufgrund der Beleuchtung und der Bildübertragung beim Zuschauer braun ankam?

Sie können sich gar nicht vorstellen, wie sehr mir die Stirn wehtut, weil ich mir dagegen geklatscht habe. In diesem STERN-Artikel – und sonstwo anders – ist der angebliche Fauxpas von Breyer (der – wenn überhaupt – dann wohl einer des ZDF war) zu bewundern. Und Michael Klein kritisiert bestenfalls die Überkorrektheit in Sachen politischer Korrektheit in deutschen Medien. Er sieht die Farbe braun diskriminiert. Und das ist eigentlich das Schlimme an der Sache.

Deutschland 2014, kannst du wirklich nichts besseres und wichtigeres machen, als dich über braune Hemden, die olivgrün sind, aufzuregen?

Bildquelle: Sendezentrum I des ZDFs in Mainz – Tobo777 at the German language Wikipedia [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], from Wikimedia Commons

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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