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Edward Snowden bei der Verleihung des Sam Adams Award am 11. Oktober 2013 - von https://www.youtube.com/user/TheWikiLeaksChannel [CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Der aufrechte Mr. Snowden

Sag mal, lieber NDR, warum gibt es eigentlich kein vollständiges Original-Videomaterial zu dem, was gestern veröffentlicht wurde? Sag mal, lieber NDR, warum stelzt du auf rechtlichen Ausflüchten daher, wenn es darum geht, am Snowden-Interview möglichst viele Völker teilhaben zu lassen, weil es auch viele Völker betrifft? Sag mal, liebe ARD, ging die Exklusiv-Ausstrahlung des denkwürdigen Interviews nicht noch später? Sag mal, liebe ARD, wieso versteckst du Edward Snowden?

Gestern Abend wurde in der ARD um kurz nach 23 Uhr ein Interview mit Edward Snowden ausgestrahlt, das Tage vorher aufgenommen wurde. Es ist immens wichtig, dass jeder versteht, was in Sachen Geheimdienst abläuft. Aber die ARD bietet dieses Interview nur innerhalb Deutschlands an (auch in der Mediathek offenbar) und hat es gestern vorgezogen, vorher den Tatort, den Jauch und die Tagesthemen auszustrahlen. Man kann schon denken, dass man Snowden verstecken will. Nur wieso?

„Der Bundesnachrichtendienst aus Deutschland steigt mit der NSA ins Bett“ – so ähnlich lautet eine seiner Aussagen, auf die deutsche Medien gern verweisen. Was ziemlich krass klingt, ist aber sehr treffend. BND, NSA und sehr wahrscheinlich auch GCHQ und die anderen nutzen gleiche Technologien, um die Menschen auszuspionieren. Man sagt zwar, wenn ein Deutscher mit einem Deutschen kommunizieren würde (was man anhand von Verbindungsdaten feststellen würde), dann würde man jedes Abhören unterlassen. Aber das ist doch schlichtweg nicht wahr. Snowden meinte, dass die immer weiter machen würden, denn man könnte ja irgendetwas strafbares verpassen.

So sieht es nämlich aus. Egal, was man macht, ob nun Online-Banking, Geld abheben, telefonieren, SMS schreiben, Whatsapp nutzen, mit dem Festnetz telefonieren, im Internet surfen etc, alles wird überwacht. Und wie geht das? Es ist nun einmal so, dass man überall seine Spuren hinterlässt, egal was man tut. Snowden hat sehr eindrucksvoll ein Beispiel geliefert.

Man setzt auch weiterhin auf politische Spionage. Wann das angefangen hat, ist nicht wirklich klar. Jedenfalls wurden schon etliche Staatschefs ausspioniert. Angela Merkel ist da bei weitem nicht die einzige Person. Aber man kann ja trotzdem auf den Schlamm hauen und sagen, dass jetzt Schluss ist. Und natürlich halten sich die Geheimdienste daran. Und jetzt denken wir noch einmal ernsthaft darüber nach und stellen fest: Nein, das wird nicht aufhören. So lang der Präsident der Vereinigten Staaten – zurzeit Barack Hussein Obama II – nicht sagt, dass die NSA ihr Tun lassen soll, werden die immer weiter machen.

So ist das auch mit der Wirtschaftsspionage. Es geht ja nicht nur darum, dass man sich einen wirtschaftlichen Vorteil holt, das man schneller mit Produkten ist, dass man technische Raffinessen einfach mal so klaut. Stellen Sie sich einmal vor, dass bei Siemens spioniert wurde. Sie wissen schon, dass Siemens mit den Atomanlagen im Iran zu tun hat. Und die wurden ja beeinflusst mit dem Virus Stuxnet, bei dem die NSA die Finger im Spiel hatte. Man könnte da noch einige weitere Gedanken äußern, aber ich denke, Sie wissen, was ich meine.

Snowden hat als aufrechter Mann ein Interview gegeben. Es war zwar nicht gesetzlich einwandfrei, was er gemacht hat, aber es war trotzdem richtig. Nicht alles ist nämlich richtig, was gesetzlich einwandfrei ist. Und dieses Video wird niemand außerhalb Deutschlands zu Gesicht bekommen. Dieses Video wird niemals in voller Länge und ohne Übersetzung zu sehen sein. Warum, das weiß die ARD und die darin befindliche Anstalt NDR ganz allein.

Es ist schon etwas merkwürdig, wie mit dem Interview umgegangen wird. Deshalb erzählt uns Journalist Tobias Gillen auch von einer „verschenkten Chance“. Deshalb hinterfragt auch das Medienmagazin DWDL die gestrige Ausstrahlung.

Noch ist das Interview in der Mediathek der ARD zu sehen, aber weiß, wie lange noch.

Mongos Weiheiten erzählt uns davon, dass es nicht wirklich viel neues von Snowden gab. Klar, er hat ja alles, was er weiß, an Journalisten, die weltweit verstreut sind, weitergegeben und sich damit aus dem Schussfeld begeben. Genau aus diesem Grund wäre die Originalfassung so bedeutend gewesen. Denn es geht nicht immer nur darum, was man sagt, sondern im Falle von Snowden auch, wie man etwas sagt.

Christian Gera schreibt im Freizeitcafé, dass es richtig ist, dass Snowden aufklärt. Denn schließlich will Deutschland keine Aufklärung, sondern eine transatlantische Brücke. Und schon schließt sich wieder der Kreis. Denn ich bin nach wie vor der Meinung, dass bei dieser ganzen Datenabsaugerei das Transatlantische Freihandelsabkommen eine Rolle spielt.

Und deshalb muss die Frage gestattet sein: Warum ging Snowden vor einem halben Jahr genau diesen Weg, wo doch die Verhandlungen zum Transtlantischen Freihandelsabkommen (TAFTA, TTIP) hinter meterdicken Wänden, in abhörsicheren Räumen und unter Ausschluss jeglicher Öffentlichkeit stattfinden? Ich bin der Meinung, dass die wirkliche Snowden-Bombe irgendwie noch platzen wird.

Bildquelle: Edward Snowden bei der Verleihung des Sam Adams Award am 11. Oktober 2013 – von https://www.youtube.com/user/TheWikiLeaksChannel [CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

3 Gedanken zu „Der aufrechte Mr. Snowden

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