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Ein Hoch auf das @Handelsblatt – Selbstdemontage leicht gemacht

Das halbe deutschsprache Teilchen des Internet schreibt darüber. Das Handelsblatt demontiert sich gerade selbst. So etwas beantwortet man doch in Kennerkreisen mit einem Facepalm.

Captain Jean-Luc Picards berühmter Facepalm - verlinkt von facepalm.de
Captain Jean-Luc Picards berühmter Facepalm - verlinkt von facepalm.de

Nein, ich beginne diesen Artikel nicht mit einem Bild, das mutmaßlich vom Handelsblatt kommt. Die Frontseite – oder der Gewehrlauf – des neuesten Revolverblatts kann man oft genug sehen. Der Satz auf dem berühmten Facepalm-Bild von Jean-Luc Picard, Captain des Raumschiffes Enterprise aus Star Trek, lautet: An den Kopf schlagen, weil Ausdrücken, wie blöd das war, mit Worten einfach nicht funktioniert.

Das Handelsblatt hat heute eine ganz tolle Titelgeschichte. Das hat sich wahrscheinlich bei allen der Branche durchgesetzt. Und so kann sich das Wirtschaftsnachrichtenverbreitungsorgan von Gabor Steingart da nicht ausnehmen. Und die Titelgeschichte prangt mit 80 Meter großen Buchstaben überall, wo man das Handelsblatt halt handelt:

Mein K©pf gehört mir!

Es geht wie immer um die unsägliche Urheberrechtsdebatte. Und die treibt immer mehr eigenartige Blüten. Im Frühling ist aber auch alles möglich. Da zwängt das Handelsblatt erst Matthias Spielkamp wegen eines Artikels für das Medienorgan in einen Knebelvertrag, der seine Urheberrechte an seinem Text komplett an den Verlag überträgt. Und damit führt das Handelsblatt selbst das deutsche Urheberrecht ad absurdum.

Und nun stellt sich das tolle Organ hin und wettert, dass angeblich die Piraten das Urheberrecht abschaffen wollen und angeblich alles für lau haben wollen. Sie seien eine Enteignungspartei, schreibt Gabor Steingart, Herausgeber und Chefredakteur des Handelsblatts. Und mit dieser Alles-für-lau-Politik würden die Piraten wohl durch Deutschland in die Landtage marschieren.

Und so weiter und so fort. Ach ja, und alles zum Wohl der Urheber, dass man sich darüber aufregen muss. So die Haltung der Zeitung.

Angeblich würde nur Kunst und Kultur entstehen, wenn dafür bezahlt wird. Also die kunstvollen Graffitis in der City sind daher nichts wert, also auch keine Kunst. Mein Blog ist nach Auffassung des Handelsblatts also kein Werk, weil meine Leser für das Lesen meiner Artikel nicht bezahlen müssen. Die Wikipedia ist demnach also keine Enzyklopädie, weil man für das Wissen dort nicht bezahlen muss. Die Musik, die über das Portal Tonspion.de konstenfrei angeboten wird, ist also keine Kunst, weil die Musiker – die ja nach der Meinung des Pamphlets keine Künstler sind – dafür keinen Cent sehen wollen.

Eine eigenartige Auffassung der – nunja – Schreiberlinge. Autoren, Journalisten oder Redakteure kann man die Verfasser ja nicht nennen. Die Reaktionen ließen natürlich nicht lange auf sich warten.

Man vermutet nun, dass es hier um eine Kampagne á la „Das Imperium schlägt zurück“ geht. Und ja, man kann schon fast so etwas denken. Zum Substantiv Imperium gehört vom Wortstamm her auch Imperialist. Also der Herrscher. Und schon zählt man 1 und 1 zusammen und denkt sich: Die Verlage wollen ernst machen und tatsächlich die politische Debatte über das Urheberrecht (be)herrschen.

Das Handelsblatt zaubert einige Schöpfer hervor, die alle davon reden, was ihnen das Handelsblatt aufdoktriniert. Was sie davon unterm Strich haben werden, weiß keiner so genau. Und irgendwie vermutet man im Internet, dass eine größere Kampagne im Gange sein muss. Wer weiß, was Deutschlands Meinungsbildner Nummer 1, unser lieber Axel Springer Verlag, in Vorbereitung hat.

Man kann hier nur in aller Deutlichkeit sagen, dass hier niemand den Kopf von irgendwem haben will. Mal davon abgesehen, dass es bestimmt eine Fangprämie auf den Schädel von Gabor Steingart geben wird. Die Aktion (der Unsinn wurde nicht einmal Artikel sondern Aktion genannt) ist derartiger Unsinn. Und sicher sind einige auf den Unsinn hereingefallen. Das sind solche Leser, die auch auf Aprilscherze in der Bildzeitung hereinfallen.

Und darum können wir nun das Handelsblatt als Nachrichtenmedium endgültig abhaken. Das war eigentlich abzusehen, aber nun ist es amtlich. Darum greift euch vom Handelsblatt mal lieber an den Kopf, so lang ihr ihn noch habt. Falls ihr nicht wisst, wie das geht, hier nochmal Anschauungsmaterial:

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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