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Wiener Schnitzel mit Pommes Frites - (C) Hans CC0 via Pixabay.de Wiener Schnitzel mit Pommes Frites - (C) Hans CC0 via Pixabay.de

Hakenkreuzschnitzel

Es ist unglaublich. Erst wird Jan Böhmermann durch die Türkei gejagt. Nun ist die „Heute Show“ durch Österreich dran. Wo sind wir hingekommen? Geht sowas denn? Einerseits muss man sich fragen, ob denn Satire wirklich alles darf. Andererseits ist aber auch die Frage erlaubt, wo denn die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit und die Redefreiheit enden. Manches ist geschmacklos, manches ist witzig. Und die Kritik daran darf man sich durchaus mal ernsthaft anschauen.

Die „Heute Show“ hat den Wahlerfolg der FPÖ in Österreich mit einem Schnitzel in Hakenkreuz-Form kommentiert. Dazu schrieb die Satire-Sendung: „Österreicher wählen eben so, wie sie es vom Schnitzel kennen: Möglichst flach und schön braun.“ – Entschuldigung, lieber Oliver Welke, aber das geht schon etwas zu weit. So viel zu weit, wie es eben auch viel zu weit geht, ALLE Einwohner des deutschen Bundeslandes Sachsen als „Rechts“, „Nazis“, „Ausländerfeinde“ oder wie auch immer zu betiteln.

Nein, das macht man einfach nicht. So wenig, wie alle Sachsen so eingestuft werden können, so wenig kann man das von den Österreichern behaupten. Insofern ist die „Heute-Show“ für meine Begriffe viel zu weit gegangen. Insofern darf sich die Sendung nicht wundern, wenn hier Konsequenzen kommen. Ein Jura-Student hat die Sendung verklagt. Dummerweise ist er ein ehemaliges Mitglied der nationalkonservativen Partei, die ähnlich angesiedelt ist wie die AFD in Deutschland.

Das ist schon eine Beleidigung. Laut Wikipedia sagt man der FPÖ nach, eine gewisse Nähe zum Rechtsextremismus zu haben. Aber ist deshalb ganz Österreich rechtsradikal? Der österreichische Student beruft sich auf den deutschen Paragraphen 103, der gemeinhin als „Majestätsbeleidigung“ und dergleichen bekannt ist. Der soll ja abgeschafft werden, weil er überholt ist. Aber noch gilt er, und deshalb muss er auch angewendet werden. Wenn man sich auf ihn beruft und mit ihm jemanden verklagt oder anzeigt.

Aber wie auch immer: Damit wird die Redefreiheit und so beschnitten. Daher ist der Paragraph auch unnötig. Aber andererseits darf sich auch eine „Heute-Show“ nicht alles erlauben. Trotzdem könnte die Sendung mit einem blauen Auge davon kommen. Denn der FPÖ-Spitzenkandidat zum österreichischen Bundespräsidenten wird nicht direkt verunglimpft, und somit soll kein Verstoß gegen die Menschenwürde vorliegen. Also alles in Ordnung? Mag sein, aber es bleibt ein fader Beigeschmack.

Natürlich kann man das kritisieren, dass Europa immer weiter nach rechts abdriftet. Das kann keine gute Entwicklung sein. Wenn ich in den sozialen Netzwerken lese, dass jemand ein „Nazi“ sein soll, wenn er die Hilfe und die Unterstützung für Flüchtlinge – und sei es nur die Art und Weise – auch nur ansatzweise kritisiert, läuft aber ebenso viel schief. Am Ende muss man sich fragen, ob wir das wirklich so wollen, was da derzeit passiert.

Die „Heute-Show“ ist zu weit gegangen. Die Österreicher sind sicherlich froh, nicht mehr allzu sehr mit dem „Monster von Braunau“ in Verbindung gebracht zu werden. Und wer sich die österreichische Fußball-Nationalmannschaft anschaut, dann kann man mit Fug und Recht behaupten, dass Österreich integrativer ist, als es die Kritik der „Heute-Show“ vermuten lässt. Und der freie Wählerwille war nun einmal eine starke FPÖ. Aber unterm Strich ist so viel doch gar nicht passiert.

Na gut, die FPÖ ist in Österreich etabliert. Das ist sie aber seit vielen, vielen Jahren. Insofern kann man schon sagen, dass in Österreich ein nationalkonservatives Spektrum existiert. Warum auch nicht? Deshalb sind die Österreicher noch lange keine Nazis. Aber am Ende wurde eben auch bescheinigt, dass das Hakenkreuzschnitzel durchaus als Satire durchgeht. Wie gut oder schlecht man das Alles auch immer finden mag. Die „Heute-Show“ hat Glück gehabt, aber damit ist das Thema auch schon durch.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

4 Gedanken zu „Hakenkreuzschnitzel

  1. Du schreibst, was Satire nicht darf. Was darf sie denn dann, und wer entscheidet, was verboten/unterlassen werden sollte?

    Wer sagt denn mit der erwähnten Aussage, dass das alle betrifft, und nicht eher in die Richtung geht „wem der Schuh passt, wird ihn sich anziehen?“

    1. Ich gehe ja mit, dass die Sache mit dem Schuh schon stimmt. Trotzdem denke ich, dass Satire als hohe Kunst (Ich schätze Satire sehr) irgendwo oberhalb der Gürtellinie bleiben sollte. Und ich habe den Eindruck, als wollen verschiedene Satiriker gerade die Höhe dieser Gürtellinie ausloten.
      Natürlich muss Satire Grenzen einreißen, aber ich weiß nicht, ob man deshalb per Gießkannenprinzip einfach eine ganze Schar an Menschen beleidigen darf. Und es war nun einmal die Rede von den „Österreichern“, also von allen. So, wie gemeinhin von „den Sachsen“ die Rede ist und nicht von einem Teil derer. Das finde ich nicht gut.

      1. Also sollten Satiriker bzw. Satire zukünftig einen Frage-Antwort-Katalog an die Hand bekommen, was unter der Gürtellinie ist? Wer sollte festzurren, was unter derselbigen ist?

        Stichwort „beleidigte Leberwurst“, wie schnell ist der eine beleidigt, der andere hat eine hohe Frustrationslatte…

        Würde das nicht iwann in „Kuschelsatire“ enden? Bloss nicht anecken, könnte ja unter die Gürtellinie gehen?

  2. Ich denke, dass Problem ist derzeit, dass man immer „lauter, schneller, weiter“ sein muss, als die anderen. In der heutigen Zeit ist es nicht leicht Aufmerksamkeit zu erwecken und dafür ist den meisten mittlerweile fast jedes Mittel recht. Dank des Internets kann so gut wie jeder sich seine 15 Minuten Ruhm erarbeiten. Dies schafft man aber nicht, in dem man über die Bundespräsidentenwahl in Österreich sagt: „Mei, interessante Wahl“, oder über Erdogan sagt: „Über seine Ansichten könnte man mal Small Talk führen.“

    Das gleiche ist bei YouTube. Um dort aufzufallen, muss man immer mehr Mist machen, immer „krassere“ Sachen, ansonsten geht man in der Masse unter.

    So ist es jetzt auch bei den Comedians/Satirikern. Extra 3 hat mit seinem Beitrag und der Antwort aus der Türkei einen Maßstab gesetzt und das konnte Böhmermann nicht akzeptieren. Oliver Welke fand das lustig und haut auch ein Ding raus, dass nicht unbedingt sein muss.

    Welke war mal lustig, aber mittlerweile wirkt das ganze eher krampfhaft lustig und deswegen schaue ich es mir nur noch selten an.

    Vielleicht würde ein neues Satirikergesicht dem deutschen Fernsehen gut tun. Einer, der nicht immer gleich die Grenzen ausloten oder überschreiten möchte. Kann es nicht auch sehr gute Satire geben, die nicht über das Ziel hinausschießt?

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