Japan, die Erdplatten und eine ungewisse Atomgeschichte

Diese Grafik stammt aus der Wikipedia

Am 11. März 2011 um 14.45 Uhr Ortszeit bebte in Japan die Erde. Mit einem Wert von 8,9 auf der Richterskala handelte es sich um eines der stärksten, je gemessenen Erdbeben. Die Auswirkungen sind noch nicht annäherend abzuschätzen. Fest steht aber, dass sie gigantisch sein werden.

Ich möchte hier jetzt keine Analyse darüber betreiben, wie sich alles abgespielt hat. Ich möchte zusammentragen, welche möglichen Auswirkungen das Beben haben könnte.

Diese Grafik stammt aus der WikipediaRechts sehen Sie eine grobe Grafik des so genannten „Sendai Earthquake“ aus der Wikipedia. Wenn man auf das Bild klickt, wird es vergrößert dargestellt, wie alle Bilder in meinem Blog. Der große orange Bereich war das Zentrum des Bebens. Das so genannte Epizentrum lag rund 370 km nordöstlich von Tokio (rosa dargestellt).

Laut Medienangaben dauerte das gesamte Hauptbeben ca. 1 Stunde, was eine gewaltige Zeitspanne für ein Erdbeben ist. Normalerweise, so hört man immer wieder von Experten, dauern Erdbeben einige Minuten.

Mit 8,9 war es das fünftschwerste Erdbeben, das je gemessen wurde. Stärker waren das Chile-Beben 1960 (9,5), das Große Alaska-Beben 1964 (9,2), Das Weihnachtsbeben von Sumatra 2004 (9,1) und das Kamtschatka-Beben 1950 (9,0).

Durch die starken Erschütterungen wurde ein gewaltiger Tsunami mit mehreren Metern Höhe ausgelöst, der schwere Verwüstungen bis weit ins Festland anrichtete. Der Tsunami raste ungebremst auch in die andere Richtung, nämlich einmal quer in alle Richtungen über den Pazifik. Allerdings waren die Auswirkungen in Kalifornien oder Südamerika gering gegenüber weggespülten Häusern oder verwüsteten Städten in Japan.

Japan ist seit ewigen Zeiten ein geologisch instabiles Gebiet. Der Grund ist auf der nebenstehenden Grafik zu sehen. Im japanischen Gebiet stoßen die Pazifische Platte, die Nordamerikanische Platte, die Eurasische Platte und die Philippinische Platte aneinander. Und diese Platten erzeugen immer wieder Reibungen, die sich dann in Erdbeben äußern.

Das so genannte Sendai-Beben hatte eine so große Intensität, dass sich die Erdachse verschoben hat. Die Achse der Erdrotation ist nach Berechnungen italienischer Forscher seit der Katastrophe um rund zehn Zentimeter verschoben. Ähnlich starke Auswirkungen auf die Erdachse hatte bisher nur das größte jemals gemessene Beben in Chile. Die messbaren Auswirkungen sind, dass durch die Verschiebung die Erde einen Drall bekommen hat und sich dadurch schneller dreht. Dies verkürzt den Tag um einige millionstel Sekunden. Außerdem konnte per GPS gemessen werden, dass die japanische Hauptinsel Honshu ihre Position um 2,4 Meter verschoben hat. Das alles teilte Kenneth Hudnut von der US-Geologiebehörde dem Fernsehsender CNN am Samstag mit.

Meiner Ansicht nach muss das alles keine direkten Folgen haben, aber es kann. Die veränderte Erdneigung könnte das Klima beeinflussen und damit die Ernten. Biorhythmen kommen durcheinander, Gezeiten ändern sich. Wer weiß… Dies ist vermutlich alles Spekulation.

Was keine Spekulation ist: Neben dem gigantischen Tsunami, der laut Satellitenbilder ca. 5 Kilometer ins Land marschiert ist, hat Japan auch ein gehöriges atomares Problem. Das Kernkraftwerk Fukushima I, direkt am Ozean gelegen, sollte diesen Monat abgeschaltet werden. Dazu ist es aber nicht mehr gekommen, da durch das Erdbeben das Gebäude eingestürzt ist. Nur der eigentliche Reaktor blieb erhalten. Infolge des Tsunamis wurden die Notstromaggregate angehalten, weshalb für die Blöcke 1, 2 und 3 keine ausreichende Kühlung mehr gewährleistet war, um die Nachzerfallswärme abzuführen. Aufgrund dieser Situation kam es fast zum GAU, nämlich zur Kernschmelze. Zum ersten Mal in der Geschichte Japans musste Regierungschef Naoto Kan den atomaren Notstand ausrufen. Im Umkreis von zehn Kilometern um das Kraftwerk herum wurde die Bevölkerung aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Bereits wenige Stunden nach dem Erdbeben und dem Tsunami wurde eine massiv erhöhte Radioaktivität gemessen. Cäsium war aus dem Meiler getreten.

Die Anlagen wurden dann mit Meerwasser versorgt, um sie herunterkühlen zu können. Offenbar war diese Aktion erfolgreich, denn gegen 22 Uhr meldete die IAEA, dass eine verringerte Radioaktivität gemessen wurde.

Ob allerdings die drohende Kernschmelze abgewendet werden konnte, steht noch nicht fest. Ich vermute, dass das noch knapp gelingen wird. Ergebnisse wird man aber erst morgen sehen.

Natürlich hat Fukushima die Diskussion über Kernkraft an sich neu entfacht. Allerdings hilft sie derzeit den Betroffenen nicht weiter. Natürlich muss Atomkraft als Brückentechnologie durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Aber nun sofort wieder in blinden Aktionismus auszubrechen und alle Meiler abschalten zu wollen, ist der falsche Ansatz. Erneuerbare Energien sind zwar die Zukunft, aber sie können eben Kernkraft noch nicht ersetzen.

Was lehrt uns das Erdbeben? Nichts ist sicher. Die deutsche Wirtschaft zum Beispiel ist in enger Kooperation mit Japan verflochten. Sie wird auch durch diese Katastrophe beeinflusst. Also wird Deutschland auch die Folgen zu spüren bekommen, und sei Japan noch so weit weg. Die Folgen werden wirtschaftlicher und meteorologischer Natur sein. Wie stark, wird uns die Zukunft zeigen.

Über Henning Uhle
Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

9 Kommentare

  1. Henning Uhle | Japan, die Erdplatten und eine ungewisse Atomgeschichte13. März 2011 um 05:14

    […] hier den Originalbeitrag weiterlesen: 15 – Henning Uhle | Japan, die Erdplatten und eine ungewisse Atomgeschichte […]

    Antworten
  2. Wenn wir das so in Deutschland verfolgen, was in Japan passiert, dann kommt mir das so vor wie ein unwirklicher Taum. Der Atommeiler Fukushima 1 droht zu überhitzen, auch in Anlage 3 ist das Kühlsystem ausgefallen. Falls mehr Radioaktivität entweicht, wären ganze Regionen verseucht. Der erste Gedanke ist, alles AKWs abschalte. Aber dann, woher bekommen wir unsere Energie? Ich glaube wir sind energiepolitisch in einer Sackgasse.

    Antworten
  3. test at Transblog14. März 2011 um 09:01

    […] verheerende Sundai-Beben hat nicht nur Japans Hauptinsel Honshu um geologisch erstaunliche zweieinhab Meter verschoben. In seiner Folge hat sich auch die Trennlinie verschoben zwischen Kernenergie-Befürwortern und […]

    Antworten
  4. […] verheerende Sundai-Beben hat nicht nur Japans Hauptinsel Honshu um geologisch erstaunliche zweieinhab Meter verschoben. In seiner Folge hat sich auch die Trennlinie verschoben zwischen Kernenergie-Befürwortern und […]

    Antworten
  5. Und da denkt man wirklich mal drüber nach ,
    wie leicht sowas geschieht . Ich war selber erst vor einem
    Jahr in Japan [Tokyo] und wollte bis vor kurzem nochmal
    hinfahren , weil es echt sehenswert war , und nun ?
    wer hat es sehen kommen ? Niemand .
    Tausende Tote. Auch wenn wir jetzt denken , dass wir in
    einer absoluten Sicherheit leben , dann sollte man vielleicht drüber
    nachdenken , dass diese Menschen auch ganz plötzlich davon überrascht worden .
    Merkel will ja jetzt Sicherheitskontrollen veranstalten bezüglich unserer
    Atomkraftwerke.
    Aber ich hoffe wirklich nur das Beste für die Japaner
    es war schon zu viel Verlust , als sie noch ertragen können.
    Chantal,[13 Jahre]

    Antworten
  6. Bei unseren Recherchen haben wir unterschiedliche Zahlen gefunden – je nach Quelle halt.
    Die Erdachse hat sich zwischen 10 und 15 cm verschoben. Mehr Infos (inklusive Quellen) hier: http://www.h-age.net/aktuelles/459-hauruck-aktion-erdachse-durch-erdbeben-in-japan-verschoben.html

    Antworten
  7. […] meinem letzten Beitrag über die japanische Katastrophe ist einiges […]

    Antworten
  8. […] dem Zeitpunkt nicht abschätzbar. Trotzdem hatte man weiter auf Kernkraft gesetzt. Erst durch die Fukushima-Katastrophe kam es zu einem Umdenken. Aber nach wie vor sind kritische Meiler am Netz und in Betrieb. Selbst, […]

    Antworten
  9. […] Tage ist es 30 Jahre her, dass es den schlimmen Störfall in Tschernobyl gab. Und Fukushima ist ja auch nicht ewig her. Atomkraftwerke sind ein wichtiger Energiezweig. Keine Frage. Aber die Störfälle! Wenn es zu […]

    Antworten

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.