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NGT12 Straßenbahn der Linie 15 – By LostArtilleryMan (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons NGT12 Straßenbahn der Linie 15 – By LostArtilleryMan (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Leipzigs Öffentlicher Nahverkehr: Und wieder steigen die Preise

Die Leipziger Verkehrsbetriebe werden die Preise anheben. Und zwar um durchschnittlich 3,5 Prozent. Auch Sozial- und Schülertickets werden teurer. Das ist frech. Und es ist niemandem mehr zu vermitteln. Seit vielen Jahren kennen die Fahrpreise in Leipzig nur eine Richtung, nämlich die nach oben. Dazu kommen noch versteckte Preiserhöhungen, die frecherweise noch als Wohltat am Kunden verkauft werden. Mit diesem Gesamtpaket werben die Leipziger Verkehrsbetriebe damit, Autofahrer in Bus und Bahn zu bringen. Nein, danke.

Es gibt da so ein Sozialticket. Das Angebot startete im Jahr 2011 zu einem Monatspreis von 26 Euro. Mittlerweile kostet es stattliche 32 Euro. Aber wer denkt, dass hier nun ein Ende erreicht ist, sieht sich getäuscht. Denn ab dem 01. August kostet das Ticket dann 35 Euro. Und bei den Tickets für die Schüler ist es nicht anders. Darüber hinaus werden Tagestickets, Einzel-, Mehrfahrten- und Gruppen-Fahrscheine teurer. Eine Kurzstrecke mit 4 Haltestellen kostet dann künftig 1,90 Euro. Geht die Haltestellenverdichtung so weiter, werden die Tickets dann völlig unsinnig. Wen will man dann noch in den ÖPNV komplimentieren?

Leipzig verfügt über 13 Straßenbahnlinien und 61 Buslinien. Damit sind die Leipziger Verkehrsbetriebe als Tochter der Leipziger Gruppe Teil des Mitteldeutschen Verkehrsverbunds. Aber das ist nicht der einziger Verkehrsverbund im Freistaat Sachsen. Unzählige kleine und mittlere Verkehrsverbünde bedienen die Kundschaft. Teilweise überschneiden sich Verbünde und schaffen eine unsinnige Konkurrenzsituation, die nicht einmal kundenfreundlich ist, weil diese kein Mensch mehr versteht.

So gibt es in Sachsen den MDV, den VMT, den VVV, VMS, VVO und ZVON. Das sind einfach irgendwelche Gebietskörperschaften, die man eigentlich zusammenlegen könnte. Das macht man aber nicht, und so kommt das zustande, was derzeit in Sachsen zu beobachten ist. Denn die Landespolitik hat den Wust an Verkehrsverbünden und Verkehrsgesellschaften völlig aus dem Blick verloren. Und das färbt auch auf die Leipziger Stadtpolitik ab. So schafft man Probleme, die es sonst nicht gäbe.

Wenn ich oben von 13 Straßenbahnlinien schrieb, dann muss man einfach mal ins Bewusstsein rufen, dass das in Leipzig mal anders war. Es waren mal weit oberhalb von 20 Linien. Es wurden Linien wegrationalisiert, durch Busse ersetzt, verkürzt. Es fahren auch schon lang keine Straßenbahnen mehr in der Nacht. Es hieß mal, dass das aus Umweltschutzgründen erfolgt. Stattdessen donnern Dieselbusse durch die Nacht und kurven stundenlang das Straßenbahn-Netz entlang. Es ist einfach nur ein Trauerspiel. Und immer wieder diese Preiserhöhungen.

Na klar, ich habe bisher die Busse außen vor gelassen. Der Plan, den da die LVB verfolgen, ist ja nicht ganz verkehrt. Aufgrund der Stadtentwicklung verbinden Straßenbahnen den Stadtkern mit allen möglichen Ortsteilen. Klar, die LVB sind der Meinung, dass eingemeindete Orte nicht dazu gehören. Die LVB betreiben darüber hinaus fünf Buslinien als Metrobus-Linien (60, 65, 70, 80 und 90), die als Tangentialverkehr die Straßenbahnlinien queren. Und insgesamt gibt es 36 Buslinien und 9 bzw. 10 Nachtbus-Linien. Was ich von denen halte, habe ich oben geschrieben.

Das Problem ist, dass in den teilweise sehr schmalen Straßen Leipzigs die Busse einfach mal mit im Verkehr stecken bleiben. Sie fahren ein Stück weit eine Straße wie die Straßenbahn, die in Leipzig generell Vorfahrt hat. Und durch diese Vorfahrt ist aller Verkehr – auch der der Busse – nachrangig. Verkehrsprobleme in diesem Moloch kann man nicht ewig so vor sich herschieben. Und wenn ich sehe, dass im dicht besiedelten Stadtteil Grünau am Sonntag noch dazu auf eine Straßenbahnlinie zugunsten eines Busses im Ringverkehr verzichtet wird, weiß ich wirklich nicht, was ich dazu sagen soll.

Meiner Meinung nach ist bei den LVB ziemlich viel gewollt und nicht gekonnt. Das liegt aber daran, weil die Verkehrsinfrastruktur in Leipzig eher schwierig ist. Vielerorts fahren die Straßenbahnen nach wie vor in Schrittgeschwindigkeit und blockieren somit den Verkehr, weil die Straßen und Schienen schlicht nicht saniert sind. Da wurden unzählige Kilometer einfach mal sich selbst überlassen und wittern vor sich hin. Dass hier die Sanierung nicht schneller vorwärts geht, liegt meiner Ansicht nach an einer Landespolitik, die vollkommen blind für solche Probleme ist.

Der Öffentliche Nahverkehr ist steuerlich völlig unterfinanziert. Und deshalb steigen immer wieder die Preise. Es wird immer mehr von den LVB erwartet, ohne dass auf der Einnahmenseite mehr Geld fließt. Es gibt einfach nicht mehr Geld vom Bundesland. Daran zeigt sich, wie egal der Landespolitik der Öffentliche Nahverkehr ist. Die Stadt Dresden hat das aber irgendwie anders geregelt, weshalb man wohl auch der Leipziger Stadtverwaltung vors Schienbein treten darf. Was machen andere besser, was in Leipzig schief läuft?

Hätte man darauf verzichten sollen, Linien zurück zu bauen? Es gab zum Beispiel früher mal eine Linie 17 nach Böhlitz-Ehrenberg und eine Linie 27 nach Leipzig-Leutzsch. Sonst waren die Linien gleich. Sie gabelten sich in Leutzsch. Die 27 hat man eingestellt, die 17 in Linie 7 umbenannt und umgelegt, und zur ehemaligen Endstelle kurvt nun ein Kleinbus. Ob solche Albernheiten wirklich zukunftsweisend sind, kann ich nicht beurteilen. Ich hätte allerdings meine Zweifel. Vor allem aber habe ich meine Zweifel, dass eine Straßenbahn umweltschädigender sein soll als ein dieselbetriebener Bus.

Ich wäre dafür, dass die Finanzierung des Öffentlichen Nahverkehrs auf neue Füße gestellt wird. Es muss doch möglich sein, mit einer Art Chipkarte oder etwas in der Art (meinetwegen auch über die App EasyGO) alle Bürger der Stadt (also die Menschen, die hier gemeldet sind) am Öffentlichen Nahverkehr teilhaben zu lassen. Abgerechnet wird über die Anzahl Haltestellen, die effektiv gefahren werden. Die Chipkarte oder die App buchen sich automatisch in das Fahrzeug ein und beim Aussteigen wieder aus.

Jetzt darf man natürlich nicht hergehen und sagen: 1,90 wird die Kurzstrecke mit einer Strecke von 4 Haltestellen kosten, also berechnen wir künftig pro Haltestelle 50 Cent. Es muss ein fairer Preis sein. Und pro eingenommenen Euro zahlt die Stadt einen Euro drauf und das Land auch. Ich wette, dass damit der Nahverkehr sinnvoller genutzt wird. Denn jeder hat so eine Chipkarte und kann das Alles nutzen. Vermutlich wird es aber nicht etwa heißen, dass so ein Modell „fahrscheinlos“ ist. Man wird Ausflüchte suchen, die da nach „Lust auf Gratis-Fahren?“ klingen. Und das bringt ja niemanden weiter.

So lang das aber so eine Situation wie jetzt ist, wird die Sorge immer mitschwingen, wann denn der Öffentliche Nahverkehr in Leipzig unbezahlbar wird. Und das kann es nicht sein. Ebenso wenig, wie es sich die LVB einfallen ließen, innerhalb von 2 Jahren das Kinder-Einzelticket um 20% teurer zu machen. So lang Stadträte und Landesregierung die Augen geschlossen halten, wird sich hierbei nichts ändern. Und das kann niemand wollen, oder?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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