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Mumbai Lounge – Die süße Schärfe Indiens mitten in Leipzig

„Indisch? Ich weiß nicht“, sagte sie. Sie wissen ja, diverse fremde Küchen müssen einem erst einmal näher gebracht werden. Indische Küche ist auch so. Wir wollten gestern Abend in der Innenstadt von Leipzig einfach mal exotisch essen gehen. Essen gehen wollten wir eh, aber nach deutscher oder italienischer Küche stand uns nicht der Sinn. Also musste es etwas anderes sein. Und so landeten wir mitten in Leipzig in der Nikolaistraße, sozusagen das „Little Bombay“ Leipzigs. Und wir haben es genossen.

Nein, das ist kein Werbeartikel. Wir waren nur richtig begeistert von der „Mumbai Lounge“. Ich kannte ja schon gute indische Küche, meine Freundin hatte aber nicht so die gute Erfahrung damit gemacht. Das sollte sich bei ihr ändern. Ich weiß ja, dass indische Küche ein Festival für den Gaumen ist. Aber was wir in der kleinen Lounge erlebt haben, übertraf meine Vorstellungen. Irgendwo habe ich bei solchen Erlebnissen immer mal etwas von „Geschmacksorgasmus“ gelesen. Und das trifft es.

Wenn man so die Nikolaistraße in Leipzig entlang geht, stößt man auf einige indische Restaurants. Hier und da steht ein Turban-Mann davor und möchte einen in den Tempel hinein komplimentieren. Aber wir wollten nicht so richtig mitten auf der Straße im Freisitz sitzen. Wir stellten uns schon ein wenig mehr Intimität beim Essen vor. Mehr so durch Zufall sah ich ein unscheinbares Schild von dem Restaurant, was uns so grenzenlos begeistert hatte.

Ich meine, meine Freundin hatte sich ja endlich ein Herz gefasst und sich zu indischer Küche überreden lassen, da sollte es schon etwas besonderes sein. Und das war es. Die „Mumbai Lounge“ befindet sich im Innenhof. Ganz unscheinbar. Wie wir erfuhren, war der Hausbesitzer dabei, das ganze Grünzeug zu beschneiden, weshalb Baugerüste im Hof standen. Und Grünzeug rankte sich auch am Sichtschutz hoch. Alles war leise, es duftete nach Curry und Safran. Und wir fanden Platz.

Die Bedienung war jung, freundlich und sehr leise, fast schon entspannt und demütig. Ich trank zum ersten Mal in meinem Leben indisches Bier. Das ist irgendwie süffiger und trüber als das Alltagspils. Wir probierten auch Namkin-Lassi, ein indisches Joghurt-Getränk mit Salz und Kreuzkümmel, das die Schärfe neutralisieren sollte. Und ja, das funktioniert tatsächlich. Und wir bestellten bei der wohltuend ruhigen Bedienung. Wir begannen mit einer Vorsuppe und endeten in einem phänomenalen Hauptgang, der uns erschlug.

Als Vorsuppe entschieden wir uns für „Murgh Shorba“ (eine indische Hühnersuppe) und „Daal Shorba“ (eine rote Linsensuppe). Damit hatten sie uns schon, die Teufel. Das war alles gut gewürzt und brannte im Hals. Aber nicht unangenehm. Es war ein völlig außergewöhnliches Geschmackserlebnis. Als Hauptgang hatten wir „Dahi wala Goscht“ (cremiges Lammcurry mit Joghurt-Kokos-Soße und Nüssen) mit Mumbai-Reis und „Goa Mashli“ (Zanderrfilet mit Ingwer, Minze und Mango Chutney) mit Bombay-Kartoffeln.

Zwei Worte: Meine Fresse! Ein Lamm so auf den Punkt hinzubekommen, ist eine große Kunst. Meine Freundin weiß das, sie isst gern Lamm. Und der Fisch war so gebraten, dass eine dünne Schicht noch glasig war. Beides war saftig, frisch und saulecker. Und die ganze Sache dabei, die Soßen und all das, brachten eben ein Geschmackserlebnis, das man mit Sauerkraut und Rostern nicht hinbekommt. Die Soße zum Fisch war zuerst süß, aber mit dem zweiten Blick schoss die Schärfe die Kehle hinunter. Das kann man eigentlich nicht mit Worten beschreiben.

Die „Mumbai Lounge“ ist nicht gleich von der Straße aus zu erkennen. Das hat das Restaurant auch nicht nötig. Die haben größtenteils Stammgäste und waren mal von den Bewertungen die Nummer 1 in Leipzig. Aber es herrscht ein harter Kampf zwischen den vielen indischen Restaurants, wodurch auch falsche Bewertungen zustande kommen. Aber die sind durch nichts zu rechtfertigen. Das Personal ist freundlich, aber nicht aufdringlich, die Speisen frisch, äußerst lecker zubereitet und dadurch auch etwas teurer.

Es mag sein, dass man 5 Meter weiter in der Nikolaistraße bei der Konkurrenz größere Portionen für weniger Geld bekommt. Aber darauf kommt es ja gar nicht an. Die „Mumbai Lounge“ hat uns knüppeldick satt bekommen, und wir haben uns bestens aufgehoben gefühlt. Es ist keine Massenabfertigung wie 5 Meter weiter, das Restaurant kennt die Tierzüchter persönlich, und das macht dann auch den Preis aus. Aber wenn man gut essen gehen will, ist der Preis nicht der wichtigste Aspekt. Hier und da werden wir sicher wieder mal dort einkehren und uns von der süßen Schärfe Indiens verzaubern lassen.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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