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PEGIDA ist nicht das Volk

Wir sind das Volk – Kennen Sie diesen Ruf? In der DDR damals skandiert, um auf Missstände aufmerksam zu machen, wird der Ruf missbraucht. Also derzeit zumindest. Man kommt jetzt auf die Idee, der Politik und den Medien irgendwas unterzujubeln. Und es gibt seltsame offene Briefe bezüglich der Neujahrsansprache von Bundeskanzlerin Merkel. Es wird immer absurder, was man so sieht.

Nein, PEGIDA ist nicht das Volk. PEGIDA zeigt einen Querschnitt durch die Bevölkerung. Und ein Teil dieses Querschnitts ist nicht an einer wirklichen Lösung der Diskrepanzen in Sachen Zuwanderung und Flüchtlinge interessiert. Wie groß der Teil ist, wird niemand wirklich sagen können. Aber man kann auf der einen Seite den Popanz größer machen, als er ist. Und auf der anderen Seite kann man diesen Teil kleiner reden.

Derzeit liest man von einem offenen Brief an Kanzlerin Merkel, in dem die Rede von sozialen Problemen ist. Da werden Rentner aufgezählt, die bis zum Umfallen arbeiten oder Flaschen sammeln, weil die Rente nicht reicht. Und das wird dann in den gleichen Topf geworfen, in dem schon die Sorge vor einer ominösen Islamisierung eines Abendlandes vor sich hin kocht.

Nein, ich möchte das nicht ins Lächerliche ziehen. Denn der oben beschriebene Teil kann durchaus für Angst und Schrecken sorgen. Einerseits sorgt man dafür, dass die Sorge unter den Bürgern tatsächlich wächst, dass Gewalt, Kriminalisierung und Überfremdung ansteigen. Und andererseits schafft man es, dass sich Bürger dieses Landes, weil sie zwar Deutsche sind aber etwas anders aussehen, ihrer Haut nicht mehr sicher sind.

Das ist Deutschland zu Beginn des Jahres 2015. Der beschriebene kleine Teil von PEGIDA instrumentalisiert die Bewegung für eigene Zwecke. So richtig man den einen oder anderen Aspekt vielleicht findet, so gefährlich ist die Entwicklung. Von politischer Seite her sagt man immernoch, dass das Demokratie-Verständnis größer ist, als die PEGIDA-Verantwortlichen glauben. Aber ich stelle eben fest, dass Politik und PEGIDA nicht miteinander reden. Man macht ja nicht einmal den Versuch einer Debatte. Beide „Seiten“ erzählen von der jeweils anderen von „DENEN DA“.

Nein, die meisten Leute, die bei PEGIDA mitlaufen, sind keine Rechten, keine Nazis. Das glaube ich schon. Wer aber Wut hat – worauf auch immer – und dieser Wut Raum geben möchte, ist schnell empfänglich für Parolen. Und nachdem die Organisatoren erzählen, PEGIDA selbst sei nicht rechts zu verorten, muss das ja alles eine gute Sache sein und müssen die Parolen richtig sein. Und abseits davon werden Leute beschimpft und bedroht.

Vordergründig soll auf Missstände hingewiesen werden. Das wäre ja gut und richtig. Aber eigentlich geht es dem beschriebenen Teil darum, die Angst vor dem schwarzen Mann zu schüren. Wirkliche Lösungen sind meiner Ansicht nach nicht erwünscht. Man will sich der ausländischen „Plage“ lieber entledigen. Klar, man äußert das nicht so direkt. Aber so in diese Richtung geht es. Und deshalb hält man es für legitim, anders aussehende Leute zu dämonisieren und zu bedrohen.

So kann das in Deutschland nicht laufen. Die Entwicklung ist gefährlich. Man schaut erschrocken durch Europa, welche Entwicklungen da in Sachen Asyl- und Zuwanderungspolitik dort genommen werden. Und ganz plötzlich hat man das Gleiche in Deutschland. Vernunft hat schon lang verloren. Auf jeder Seite.

Ich meine, man würde sich ja vielleicht auch mit PEGIDA weiter beschäftigen. Natürlich. Manche Dinge sind ja wirklich diskussionswürdig. Und es ist ja auch tatsächlich so, dass Aspekte, die da die Bewegung auf den Tisch legt, nicht gänzlich falsch sind. Aber äußert man das öffentlich, steht man als derjenige, der das tut, gleich in einer rechten Ecke. Das kann nicht das Ziel sein.

Ich habe einige Dinge gelesen, die da beschreiben, dass PEGIDA und deren Ableger Angst und Schrecken verbreiten. Es gibt auch Äußerungen, dass es vor 75, 80 Jahren auch erst Wutbürger waren – wie PEGIDA – und dann daraus die Nationalsozialisten entstanden. Deshalb kann ich es verstehen, dass man als derjenige, der mal einen Aspekt der Bewegung richtig fand, dafür kritisiert wird. Es darf eben nur nicht dazu kommen, dass jeder, der PEGIDA nicht als Nazis beschimpft, gleich in eine rechte Ecke gestellt wird.

PEGIDA ist eine schwierige Thematik. Es ist nicht einfach zu behandeln. Denn die Sache ist nicht mit „links“ oder „rechts“ zu beantworten. Daher sind auch offene Briefe an PEGIDA nachvollziehbar. Man muss sie nicht richtig finden. Aber wenn man weder das Eine noch das Andere richtig findet, dann sollte man vielleicht dafür werben, dass mal alle Seiten vernünftig miteinander reden. Oder was meinen Sie?

Bildquelle: Foto einer PEGIDA-Veranstaltung – (CC BY-SA 3.0 DE) – by indymedia.org

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 Gedanken zu „PEGIDA ist nicht das Volk

  1. Ich vermisse , dass seit Wochen die Medien sich stark mit Pegida aber kaum noch mit der Ursache des Flüchtlingsstromes befassen. Syrien, IS-Staat.!! Solange dort massive Menschenfeindlichkeit herrscht, bleibt das Problem (Flüchtlige) bestehen.
    Woher aber haben die das Geld für Waffen und wer verdient sich das Geld damit.
    Wer kauft denen das Öl ab !!
    Hintermänner !!
    Machtgeilheit regigiöser Fanatiker.
    Die Frauen und Kinder (Männer) dort, die flüchten müssen, sind genausolche Mensche wie unsere Eltern, Großeltern 1945 aus Schlesien.
    Ursache sind die Machthaber.
    Und die haben Angst. Da und dort.
    Ausbaden muß es der kleine Mann . Da und dort.

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