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Polizeiruf 110 – Familiensache – Schwieriges Thema

Gestern Abend habe ich die Parallel-Krimiserie zum Tatort, den aus dem Osten geerbten „Polizeiruf 110“, gesehen. Der spielte in Rostock. Und ich muss sagen, der war richtig gut. Es ging um ein schwieriges Thema, das brillant umgesetzt war. Der Polizeiruf hinterließ bei mir ein beklemmendes Gefühl. Es ist das erste Mal, dass ich über diese Krimiserie schreibe. Aber das muss bei dem gestern Abend in der ARD gezeigten Film einfach mal sein.

Die Folge 346 der Krimiserie spielte in Rostock. Regie führte der Deutsch-Ire Eoin Moore, der mit dem Schauspieler des Bösewichtes, Andreas Schmidt, schon des öfteren zusammengearbeitet hatte. „Familiensache“ behandelt eine Familientragödie, bei der nach der Trennung der Vater, gespielt von Schmidt, der Familie eine heile Welt vorspielt und nach und nach seine Frau, eins der beiden Kinder und auch Nichtmitglieder des Haushalts tötet. Andreas Schmidt schafft es dabei, eine düstere Abgrundtiefe zu erzeugen, sodass sich das beklemmende Gefühl automatisch einstellt.

Der Vater sucht dann noch seinen Sohn, der mit dem neuen Partner der Mutter an der Ostsee-Küste beim Kiting war. Er verletzt dann den neuen Partner und flüchtet vor Passanten mit seinem Sohn in eine Werkhalle. Dem verängstigten Jungen erzählt er, dass er bald wieder mit den restlichen Familienmitgliedern zusammensein wird. Und das vor dem Hintergrund, dass die ja tot sind. Dort wird er von der Polizei gestellt und auch verletzt. Damit ist die Hauptgeschichte zu Ende.

Nebenher hat Kommissar Bukow, gespielt von einem guten Charly Hübner, noch mit doppeltem persönlichen Verrat zu kämpfen. Seine Frau hatte eine Affäre. Und dann ausgerechnet mit einem Kollegen aus dem Kommissariat. Um die Familie zu retten, dreht er aber nicht selbst durch. Eine Situation wie bei der Hauptgeschichte ist undenkbar. Aber er macht eine sagenhafte Ansage. Er will ja erreichen, dass seine Frau bei ihm bleiben möchte. Und dafür wird er kämpfen. Er verzeiht seiner Frau mit dem grandiosen Ausspruch „Jeder parkt einmal in der falschen Garage“.

Zuvor stellt er allerdings seinen Kollegen Volker zur Rede mit dem Ausspruch „Das fühlt sich gerade seltsam an“. Und da fühle ich mich an die Bundeswehr-Zeit erinnert. Polizeidienst ist ja ansatzweise vergleichbar. Bei der Bundeswehr gab es zu meiner Zeit einen Ehrenkodex. Es wurde – wenn ich mich richtig erinnere – sogar disziplinarisch bestraft, wenn ein Kamerad die Partnerin eines anderen Kameraden ausgespannt hatte. Und demzufolge verlor Volker auch jegliche Achtung im Team rund um Bukow.

Natürlich glänzte der Polizeiruf durch markige Sprüche von Bukow und Kollegen. Aber die traurige Geschichte rund um Arne Kreuz, der nach und nach seine ganze Familie tötete, hinterließ die Erkenntnis, dass man durch Gewalt keine Probleme löst. Der Polizeiruf 110 verarbeitete das Thema Verlassenwerden und Besitzverlustangst grandios. Man darf sich da aber keiner Sensationsgeilheit hingeben. Die Fälle, die derart ausufern, wie es im Film dargestellt wurde, kommen äußerst selten vor.

Ich habe ja auch eine Trennung hinter mir. Ich weiß, wie man sich fühlt, wenn die Familie auseinander bricht. Aber der Weg, so eine Tat zu verüben, wäre unendlich weit gewesen. Ich denke, da muss auch schon vorher das eine oder andere psychische Problem vorliegen, ohne dass ich das näher definieren möchte. Im Film ist davon die Rede, dass Arne Kreuz eine Therapie machen soll. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass unter bestimmten Voraussetzungen nur ein Schritt dann fehlen könnte, bis man zu so einer Tat fähig ist.

„Familiensache“ war ein sehenswerter Film. Damit ist die Serie Polizeiruf 110 auch in der Riege der Filme gelandet, bei denen man sich etwas traut. Eine Zusammenfassung des Films können Sie dazu in der Wikipedia nachlesen. Und eine Weile lang können Sie den „Polizeiruf 110: Familiensache“ in der ARD-Mediathek nachschauen.

Bildquelle: Polizei – (C) FotoHiero  / pixelio.de

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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