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Leipzig, Neues Rathaus - By Appaloosa (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons Leipzig, Neues Rathaus - By Appaloosa (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

Straßenkrieg in Leipzig – Der Oberbürgermeister weiß nichts

Was wusste Oberbürgermeister Burkhard Jung tatsächlich im Vorfeld der schweren Krawalle im Süden der Stadt Leipzig? Seinem Reden nach nichts. Seinem Reden nach wurde er nicht informiert. Und es war der Stadtverwaltung und demnach auch dem Oberbürgermeister auch nicht bekannt, dass es zu gewaltigen Ausschreitungen kommen konnte, wenn man rechte Demonstranten auf Connewitz los lässt. Wie kommt’s? Schaut die Stadtverwaltung nicht aus dem Fenster? Das muss denen doch jemand gesagt haben.

Im Vorfeld der am Samstag stattgefundenen Demonstration unter Federführung der NPD hat jeder, der auch nur einen Hauch Sinn für diese Stadt hat, davor gewarnt, beide Gesinnungen aufeinander loszulassen. Niemand hat daran geglaubt, dass das friedlich ablaufen könnte. Wenn die Stadtverwaltung der Stadt Leipzig auch nur ein bisschen Sinn für die von ihr verwaltete Stadt hätte, dann wäre ihr eingefallen, dass das, was am Samstag ablief, vorprogrammiert war.

Ich verstehe das nicht. Beim Fußball trennt man ja auch bei Spielen die Fangruppen. Oder glaubt irgendwer ernsthaft daran, dass man die Fangruppierungen von Dynamo Dresden und Energie Cottbus beim „Ostknaller“ gemeinsam daher trotten lässt? Es gibt einfach Sachen, die der gesunde Menschenverstand ablehnt, auch ohne dass man genaue Kenntnis von einer Situation hat. Warum hat das niemand am Samstag für notwendig erachtet?

Jedenfalls stellt sich nun der Oberbürgermeister hin und schiebt die Schuld von der Stadtverwaltung auf den Inlandsgeheimdienst. Ernsthaft? Das meint Jung nicht ernst, oder? Bei ihm weiß man ja manchmal nicht. Ich meine, mal abgesehen davon, dass die Linken – oder eben auch Autonomen – nicht einfach einen ganzen Stadtteil okkupieren dürfen, so ist es doch so, dass es durch einen einfachen Blick aus dem Fenster klar gewesen wäre, was da passieren würde, wenn man die Rechten in den von Linken okkupierten Stadtteil Connewitz marschieren lässt.

Wir haben uns in einer privaten Runde über den Straßenkrieg vom Samstag unterhalten. Wir sind überein gekommen, dass die Stadt Leipzig die extremen Autonomen in Connewitz um die 20, 25 Jahre gehätschelt hat und deshalb der Linksextremismus so stark werden konnte. Und die These halte ich auch. Denn ich weiß noch, wie das war: Zu Silvester randalieren immer Autonome am Connewitzer Kreuz und beschädigen Supermarkt, Bank und Co. Und die Stadtverwaltung sagt dazu, dass das unbescholtene Bürger sind. So war das zumindest jahrelang.

Vielleicht hätte zu dieser Zeit mal jemand von der Stadtverwaltung wenigstens über sein Sektglas an Silvester nach Connewitz schauen sollen. Sich jetzt als ahnungslos hinzustellen, sorgt dafür, dass sich Stadtverwaltung und Oberbürgermeister lächerlich machen. Die vermuten vielleicht auch noch in den schweren Ausschreitungen eine politische Aussage. Aber welche Aussage steht dahinter, wenn Idioten Schaufensterscheiben einwerfen?

Liebe Stadtverwaltung, lieber Oberbürgermeister, euch war bekannt, was da am 12. Dezember ansteht. Nicht ohne Grund waren unzählige Polizisten und so in Leipzig zusammengezogen worden. Ihr müsst also etwas gewusst haben. Mindestens der Polizeipräsident und eigentlich auch der sächsische Innenminister. Ihr könnt jetzt nicht so tun, als wart ihr ahnungslos. Nicht vor dem Hintergrund der Connewitzer Geschichte der letzten 25 Jahre und auch nicht vor dem Hintergrund der angeforderten Hundertschaften. Das glaubt euch doch niemand, oder?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

5 Gedanken zu „Straßenkrieg in Leipzig – Der Oberbürgermeister weiß nichts

  1. Eine völlig falsche Einschätzung. Sie geht davon aus, dass Stadt und OB Einfluss auf das haben, was dort geschieht. Haben sie nicht. Jeder kann Demonstrationen anmelden, wann und wo er will. Die Stadt als Versammlungsbehörde kann das nur unter sehr engen Auflagen verlegen oder sogar verbieten. Mit polizeilichem Notstand, der ein verbot rechtfertigt, konnte nicht argumentiert werden. Mit der Zusammenlegung der drei Routen hat die Stadt alles getan, was sie tun konnte. Ich habe mich lange, auch zu anderen Anlässen, mit PolPräs Merbitz unterhalten. Auch die Polizei hat getan, was nach Lageeinschätzung möglich war. Wenn man überhaupzt einen Schuldigen suchen will, dann die irren Kriminellen, die unter dem Deckmantel politischen Protestes Menschen verletzen und Sachen zerstören. das heutige Interview von Polizeisprecher Andreas Loepki in der LVZ-Online drückt dies sehr deutlich aus.

  2. War irgendeiner der hier schreibenden Personen in der Nähe des Geschehens um gegen die NPD Flagge zu zeigen?
    Mir scheint das nicht, denn was im Artikel schon falsch dargestellt wurde, ist im Kommentar dazu noch viel verzerrter dargestellt worden.
    Wenn die Gewaltbereiten daheim geblieben wären, dann wäre zuerst einmal keine Polizei da gewesen.
    Und eine Demo zu verbieten, bei der die Veranstalter sagen, sie kommen, um Connewitz in Schutt und Asche zu legen (O-Ton), kann ich auch nicht wirklich glauben.
    Hier und in der Stadtverwaltung scheinen einige auf dem rechten Auge blind zu sein!

  3. Ich war vor Ort, als ich durch Connewitz fahren musste. Da war das Gröbste vorbei. Die Mülltonnen brannten noch und all das. Es mag sein, dass ich das Eine oder andere nicht ganz richtig dargestellt habe. Das ist aber auch nicht meine Aufgabe, das wäre Aufgabe der Presse. Ich kommentiere geschehenes aus meiner Sicht, ich schreibe keine Nachrichten.
    Die Stadtverwaltung ist – was Gewalt und Co. betrifft – auf allen möglichen Augen blind. Ich habe die Ankündigungen gelesen, dass unter der Flagge der „Offensive für Deutschland“ und der „NPD“ zu Gewalt und Randalen aufgerufen wurde. Unter der Flagge der „Antifa“ wurde aber gleichwohl zu Gewalt aufgerufen. Das war alles öffentlich in den sozialen Netzwerken zu lesen. Deshalb ist es nicht ehrlich von der Stadtverwaltung, dass man von nichts gewusst haben will.
    Die Routen hätten nie und nimmer dort entlang führen dürfen, wo sie entlang führten. Kundgebungen und dergleichen schön und gut, aber ausgerechnet dort? Meine Einschätzung geht freilich davon aus, dass die Stadtverwaltung Einfluss darauf hat, welche Sicherheitsrisiken von der Stadt abgewendet werden müssen. Und was am Samstag stattfand und lange und äußerst deutlich angekündigt wurde, hat die Sicherheit gefährdet. Hier hätte im Vorfeld eingegriffen werden müssen. Wenn man aber so tut, als ob man von nichts gewusst hat, wäre natürlich jeglicher Eingriff unglaubwürdig gewesen. Aber ist das jetzt glaubwürdiger?

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