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Tristesse am Bahnhof - (C) Claus Weisweiler / pixelio.de Tristesse am Bahnhof - (C) Claus Weisweiler / pixelio.de

Streik der GDL – Wenn manches dann zu weit geht

Also das geht nun wirklich zu weit. Man muss GDL-Chef Klaus Weselsky nicht gut finden. Aber dass er nun Sorge um seine Privatsphäre hat, geht entschieden zu weit. Manche Medien müssen eben auf Teufel komm raus die Sensationsgeilheit der Wutbürger befriedigen. Für Zeitungskäufe, für Klickzahlen, für das eigene Ego.

Die Medien titeln vielerorts „So lebt Deutschlands Rambo-Gewerkschafter“. Oder ähnlich. Gezeigt wird dann ein Hauseingang eines sanierten Altbaus. Beschrieben wird, wie das Klingelschild aussieht, wie der Briefkasten aussieht und all das. Die BILD hat die Telefonnummer von Weselsky veröffentlicht. Und ununterbrochen soll wohl irgendwer versuchen, bei den Weselskys anzurufen. Und das lustige Springer-Blatt ruft dazu auch noch auf. Der Anwalt des GDL-Chefs hält dies für eindeutig unzulässig. Irgendwo soll auch irgendein Schmierfink die Anschrift von Weselsky veröffentlicht haben.

Damit haben der Axel-Springer-Verlag und der Hubert-Burda-Verlag – also BILD und FOCUS – zur Lynchjustiz aufgerufen. Soweit ich weiß, ist das eine schwere Straftat und sollte verfolgt werden. Ich nehme an, entsprechende Rechtsmittel wurden bereits eingelegt. Das würde Weselsky aber auch nicht weiterhelfen. Denn durch diese Veröffentlichung sind ja erst einmal die Privatsphäre und ggf. sogar die Gesundheit von ihm und seiner Familie in Gefahr.

So sehr ich den Unmut der Betroffenen verstehe, den sie über die GDL und deren Chef haben, so sehr verachte ich solche so genannten Verlage. Das hat nichts mit Journalismus zu tun, denn Journalisten rufen nicht einfach zu solchen Dingen auf. Und da können sich jetzt die Verlage hinstellen, wie sie wollen, es bleibt eine verachtenswerte Tat. Denn ihnen muss ja klar sein, was dann der deutsche Wutbürger macht, oder?

Da stellt sich die ernst gemeinte Frage: Kai Diekmann von der BILD ist ja verantwortlich für allerlei unterirdische Veröffentlichungen dieses Wurstblatts. Wenn sich da nun eine Horde Leute belästigt fühlen würde, dürfte er sich nicht wundern. Aber wie würde er reagieren, wenn seine private Telefonnummer und Anschrift veröffentlicht werden würden? Würde er sich das gefallen lassen?

Wie gesagt, man kann das gut und gern kritisieren, was Weselsky samt seiner GDL da tun. Das habe ich ja auch kritisiert. Man kann sich aber durchaus auch mal neben dem ganzen Mob, der sich da aufgebaut hat, etwas differenzierter mit den Hintergründen des Bahnstreiks beschäftigen. Jedenfalls hat kein so genanntes Medien-Angebot wie die beiden so genannten Medien-Unternehmen das Recht, den Wutbürger anzustacheln, seine Wut bis in das Privatleben des GDL-Chefs schwappen zu lassen. Das ist unterirdisch und geht schlicht weg zu weit.

Bildquelle: Tristesse am Bahnhof – (C) Claus Weisweiler / pixelio.de

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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