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Streik - (C) niekverlaan CC0 via pixabay.de Streik - (C) niekverlaan CC0 via pixabay.de

Streik – Leute, wir müssen reden

Medien veröffentlichen bedrohliche Überschriften, Streikende rufen wütend in Kameras, und der Kunde steht im Regen. Wir müssen darüber reden. Denn irgendwie nervt es nur noch, was man da so liest. Ich werde auf Erzeugnisse diverser Verlage nicht verweisen, weil mir das zu viel Geschrei ist, aber ich werde wohl hier und da mal einen Link setzen.

Erziehung muss uns wertvoll sein

Seit 11 Tagen streiken in Mitteldeutschland die Erzieher aus Hort und Kita. Seit dem 08. Mai gibt es die simple Forderung der Erzieher: Wenn ihr Kommunen qualitativ hochwertige Arbeit in der Kindererziehung haben wollt, dann bezahlt uns auch ordentlich und stellt genügend Leute dafür ein. Was macht da die Riege der kommunalen Arbeitgeber? Nichts. Die tun so, als könnten sie das aussitzen. Mittlerweile geht das an die Substanz. Denn viele Eltern wissen nun allmählich nicht mehr, wie sie das Ganze schaukeln sollen. Schließlich muss man ja so ganz nebenbei auch mal arbeiten.

Jetzt sind rund 3000 Erzieher vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig aufmarschiert, um dort für eine bessere Bezahlung zu demonstrieren. Die zuständige Gewerkschaft Ver.Di erwartet ein verhandlungsfähiges Angebot der kommunalen Arbeitgeber. Die Forderung der Erzieher lautet 10% im Durchschnitt mehr Gehalt. Und hier muss man sich doch irgendwie einigen können. Letztlich schreien doch alle rum:

Kinder sind unser größtes Kapital. Kinder sind unsere Zukunft.

Dann bitte, investiert auch in die Zukunft. Es wird sowieso niemandem etwas anderes übrig bleiben, will man als Gesellschaft im Konkurrenzkampf um die beste Bildung und Erziehung mithalten. Da muss mal irgendwer über seinen Schatten springen. Als Eltern hat man da nämlich wirklich zu rudern, wie man ein Schulkind, das für den Hort angemeldet ist, ohne Hort betreuen kann.

Kein Verkehr auf Deutschlands Schienen

Haltet bloß euren Rand, ihr Medien! Wenn ich das schon lese! GDL-Chef Weselsky soll irre sein, die gesamte Streikerei soll eine einzige Sauerei sein, die GDL stürzt Deutschland ins Chaos. Und so weiter und so fort. Nein, so ganz stimmt das nicht. Aber es lassen sich gut die Wutbürger mobilisieren, die werbefinanzierte Artikel aufrufen und dann ihren eigenen geistigen Durchfall dazu in die sozialen Netzwerke kübeln.

Sicher kann man das so sehen, dass die GDL die Deutsche Bahn erpresst. Das Problem ist aber, wie ich es sehr oft las: Die Konkurrenz-Gewerkschaft EVG soll der Deutschen Bahn lieber sein, weil die EVG wohl irgendwie williger ist als die GDL. Will heißen: Die EVG sei käuflich. Ich kann und will das nicht beurteilen. Aber wenn das so wäre, wäre es richtig, dass die GDL fordert, die Deutsche Bahn soll mit ihr einen eigenen Tarifvertrag aushandeln und keinen EVG-Vertrag auf die GDL ausweiten.

Stillstand soll wohl auch nicht sein. Denn es sollen ja Züge fahren. Ja, ein gewisser Teil weniger. Aber ganz ist Deutschland nicht aufgeschmissen. Zumal Speditionen, Fernbus-Linien und Fahrgemeinschaften durch die GDL-Streikwellen immer wieder gewaltig Mehrgeschäft haben. Das darf man aber gern verschweigen.

Jedenfalls muss es doch auch hier wie bei den Erziehern möglich sein, dass sich beide Parteien einigen. Der Eindruck, die Deutsche Bahn wolle eine Tarifeinigung aussitzen, bis die Tarifeinheit gesetzlich gilt, kann falsch sein. Aber er kann genauso gut zutreffen. Und das wäre Mist. Damit würde man die eigene Verhandlungsunwilligkeit über die Buckel der Fahrgäste kübeln.

Einigt euch

Den Arbeitgebern kann man eigentlich nur mitgeben, dass es Gründe gibt, warum Arbeitnehmer unzufrieden sind. Die wollen nicht immer nur den Arbeitgebern das Geld aus der Tasche ziehen. Und bei den Ansprüchen, die an Erzieher und Lokführer und dergleichen gestellt werden, rechtfertigen einen fairen Umgang. Und den Medien sollte man das Schreiben verbieten, wenn „Sauerei“ und so etwas in den Überschriften vorkommt.

Den Kunden – also den Passagieren, den Kindern und ihren Eltern – kann man nur hoffen, dass es bald vorbei ist. Ich hoffe das auch für mich selbst. Nicht, weil ich vorhabe, Zug zu fahren. Sondern weil ich Vater bin und meine Tochter ihre Gruppen nachmittags im Hort vermisst und ich gern wieder spannende Geschichten erzählt bekommen will.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 Gedanken zu „Streik – Leute, wir müssen reden

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