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Ruhepol: Der Schweriner See Ruhepol: Der Schweriner See

Von Work-Life-Balance, Ruhepolen und Todo-Listen

Time is cash, time is money – Haben Sie diesen Gassenhauer auch im Ohr, wenn Ihnen jemand was erzählen will, wie man produktiver sein kann? Soll ich Ihnen mal dazu meine Meinung erzählen? Das ist großer Blödsinn und sollte ganz schnell vergessen werden. Wer sich seinen Tag so einteilt, dass möglichst viele Dinge rein passen, wundert sich am Ende des Tages vielleicht, dass gar nichts geworden ist. Was der Fehler ist: Wir versuchen, möglichst effizient zu sein. Die Frage ist: Ist dies überhaupt zu schaffen?

Der 72-Stunden-Tag

„Wenn ich den Termin um 11 etwas verkürze, schaffe ich die Präsentation um 12, aber um halb 1 muss ich wieder in eine Telefonkonferenz und habe um 3 ein Meeting“ oder so etwas in der Art. Kennen Sie das? Man hetzt sich durch den Tag, nur um alle möglichen Aufgaben zu erledigen. Nebenbei will man auch noch für Familie und Hobby Zeit finden und sich auch mit Freunden treffen. Man sagt sich, dass mit ein bisschen intelligentem Zeit-Management alles zu schaffen ist. Aber am Ende wird man immer wieder eines besseren belehrt.

Wir bearbeiten im Büro unsere Emails, tauschen uns über die Messenger dieser Welt mit unseren Freunden und Bekannten aus, verfolgen, was in den sozialen Netzwerken gerade abgeht und können niemals abschalten. Der Mensch hat es einfach in großen Teilen verlernt. Selbst abends sind wir für alle Welt noch erreichbar. Wir – damit nehme ich mich nicht aus. Und irgendwie macht sich dann auch im Bett Unbehagen breit, weil man unter Umständen noch irgendwas hätte schaffen können. Der Tag muss bei vielen 48 oder 72 Stunden haben, nicht nur 24.

Was erreichen wir denn damit? Nichts. Wieso denken wir dann, dass wir damit auch nur irgendeine Anerkennung gewinnen? Ich gehöre der Generation an, deren Eltern immer gesagt hat: Mach nur eine Sache, aber mach sie richtig. Alles vergessen? Wie gesagt, ich nehme mich da nicht aus. Ich habe auch immer mehrere Tabs im Browser offen, prüfe die sozialen Netzwerke, die Emails und sonstwas, während ich eigentlich andere Sachen machen will. Vielleicht ist es mal wieder an der Zeit, dass ich den Stecker ziehe.

Todo oder not Todo

Das Ding mit der Work-Life-Balance ist nur insofern richtig, wenn es jeder einzelne Mensch schafft, sich nur auf eine einzelne Sache zu konzentrieren. Wer im Büro wichtige Aufgaben zu erledigen hat, sucht sich davon DIE EINE heraus, die am wichtigsten erscheint. Diese eine Aufgabe muss mit Anstand erledigt werden, erst dann kann wieder etwas neues angefangen werden. Sie denken, das hat etwas mit Todo-Listen zu tun? Nein, ganz und gar nicht. Es hat einfach etwas damit zu tun, dass der Mensch nun einmal anders nicht wirklich gut arbeiten kann.

A propos Todo-Listen. Wenn ich immer höre, dass jemand sagt, dass etwas auf irgendeiner Todo-Liste steht, denke ich mir, dass das irgendwie aufgeplustertes Geschwafel ist. Eine Todo-Liste mahnt mich doch zur Eile an, weil ich pausenlos sehe, wie viel noch anliegt. Und wie das bei solchen Listen ist, es wird ja immer mehr. Wenn also jemand sagt, dass irgendwas auf der Todo-Liste steht, will dieser jemand eigentlich nichts anderes sagen, als dass zu viel auf dem eigenen Schreibtisch liegt und nichts fertig wird. Wird behauptet, etwas stünde auf einer Todo-Liste, ist das nur eine Ausrede dafür, dass irgendwas noch immer nicht fertig ist.

Die eine Sache

Glänzen wir nicht mehr mit irgendwelchen ausgesprochenen Vorhaben. Tun wir es einfach. Dann wird die blöde Todo-Liste kürzer, und für Familie, Freunde, Hobbies bleibt mehr Zeit. Und das Beste ist: Der Schlaf und das Liebesleben werden auch besser. Niemand muss irgendwas von Work-Life-Balance propagieren. Die ist selbstverständlich. Nein, was wir tun müssen, ist das Leben so zu gestalten, dass die Dinge gemacht werden, die jeweils DIE EINE SACHE sind. Oder wie ich las:

Wir balancieren gleichzeitig 27 Teller und hoffen, dass keiner runterfällt. Wir haben 27 Prioritäten – und dann fragen wir uns, warum wir nichts schaffen.
Wenn du wirklich etwas erreichen willst, dann musst du die anderen 26 Teller fallen lassen und dich auf einen konzentrieren. Ja, das ist extrem, aber es ist auch produktiv.

Die Konsequenz?

Beim Bloggen bedeutet es doch, dass die Tabs im Browser einfach mal zu bleiben, so lang man sie nicht für die Recherche zum Blogartikel benötigt. Es bedeutet auch, dass das Smartphone auch gern mal allein vor sich hin vibrieren kann. Und es bedeutet, dass Emails als nicht-Echtzeit-Kommunikationsmittel einfach mal zu warten haben.

Im Berufsleben heißt das doch, dass niemand mehrere Dokumente bearbeiten und gleichzeitig Kunden zufrieden stellen kann. Hier muss alles in irgendeiner Form sinnvoll gestaltet werden. Und es heißt auch, dass der Chef auch mal ein freundliches, aber bestimmtes „Nein“ zu hören bekommt. Und Feierabend ist Feierabend ist Feierabend und nichts anderes.

Im Privaten geht es doch auch nur so. Ich kann doch kein Buch lesen und mich auf dessen Inhalt konzentrieren, wenn gleichzeitig der Fernseher läuft. Und wenn Kinder im Haushalt leben, brauchen die natürlich auch ihre Aufmerksamkeit. Aber jeder einzelne Mensch muss auch darauf bedacht sein, selbst nicht zu kurz zu kommen.

Der eine Teller ist nicht verhandelbar

Darum ist es nicht verhandelbar, dass man immer nur einen Teller balanciert. Denn dann können wirklich Kunststücke vollführt werden. Die 26 anderen überlassen wir anderen. Nur so funktioniert das so, dass alle etwas davon haben. Und dann ist es auch so, dass jeder sinnvoll seinen Ruhepol nutzen kann. Entschleunigung ist immer so ein großes Stichwort. Aber es geht ja noch weiter. Wer die Todo-Liste als seine Religion ansieht, wird wohl irgendwann auch mal vom Glauben abfallen.

Bedenken wir, was wirklich wichtig ist. Irgendwer hat mal erzählt, dass man auf sein Leben Acht geben soll, denn man hat nur eins. Bei all den Burnout-Patienten ist das nicht von der Hand zu weisen. Greifen wir uns also immer nur eine Aufgabe und versuchen gar nicht erst, in einem 24-Stunden-Tag 25 Stunden unterzubringen. Nutzen wir die Ruhepole, die wir haben. Und hören wir auf mit dem albernen Geschwätz, dass Zeit Geld ist. Dann nämlich wäre der Mensch auch nur eine Ressource. Und das kann niemand wollen, oder?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 Gedanken zu „Von Work-Life-Balance, Ruhepolen und Todo-Listen

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