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Ein Amiga 1200 von Commodore ausgestellt auf der gamescom 2009 - By D-Kuru (Own work) [CC-BY-SA-3.0-at (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/at/deed.en)], via Wikimedia Commons Ein Amiga 1200 von Commodore ausgestellt auf der gamescom 2009 - By D-Kuru (Own work) [CC-BY-SA-3.0-at (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/at/deed.en)], via Wikimedia Commons

20 Jahre Ende des Commodore Amiga

Der Commodore Amiga war seiner Zeit weit voraus und stach lange Zeit die jetzt weit verbreiteten Systeme Windows und MacOS mühelos aus. Aber die Mutterfirma Commodore International sah es nicht ein, sich für die Zukunft zu rüsten, weshalb sie im Jahre 1994 liquidiert wurde und der klassische „Amiga“ ausstarb.

Der „Amiga“ konnte vieles zu der Zeit, womit sich Microsoft und Apple noch jahrelang schwer taten. Es war für die damalige Zeit das Innovativste, was man besitzen konnte. Und hätte man sich um die Zukunft gekümmert, man hätte sicher auch heute noch den Marktführern Paroli bieten können. 20 Jahre ist das Ende der Firma her, aber „Amiga“ gibt es dennoch weiterhin.

„16 Bit“, „Off!“, „Hardsequenzer“ und so weiter und so fort. Der Amiga hatte seine wahnsinnigen Stärken in der professionellen Musik-Produktion. Und vor allem Techno-Musiker hatten diesen Computer in der Mache. So kam es eben auch, dass die Macher der Soundtracks zu Computerspielen wie der heutigen „Assassin’s Creed“-Reihe aus der Amiga-Welt stammen.

Aber nicht nur in der Musik war „Amiga“ ein gern genommenes Gerät. Audiovisuelle Live-Performances, Video-Produktion, Echtzeitkommunikation – all das schaffte der Amiga schon 1992. Also zu einer Zeit, als IBM-basierte PCs gerade mehrfarbigen Text anzeigen konnten. Animationen in einer meiner Lieblingsserien, „Babylon 5“, wurden auf Amiga-Systemen erstellt und gerendert.

Ich besaß auch einen Amiga, einen Amiga 1200, wie auf dem Bild oben. Ich habe mit ihm Musik gemacht – wie die oben genannten Musiker. Und ich konnte mit ihm spielen, schreiben, zeichnen und all das. 2003 stellte der Computer nach etwa 10 Jahren seinen Dienst ein. Ich war todtraurig über den Verlust. Und ich kann seitdem auch keine Musik mehr machen. Es gibt keine ähnliche Software für Windows, die meine Zwecke erfüllen könnte.

Der Computer hatte seine Vorteile. Mit der damaligen „Workbench 3.0“ (die grafische Benutzeroberfläche von AmigaOS, dem Betriebssystem) konnte ich bereits Mitte der 90er Jahre das tun, was man bei Windows lange Zeit nicht konnte: Dateien von einem Ordnerfenster ins nächste ziehen. Das System war zum Multitasking fähig. Schon 1986 besaß das System eine RAM-Disk (ein virtueller, temporärer Datenträger im Arbeitsspeicher). Die sorgte dafür, dass Anwendungen sehr schnell unterwegs sein konnten. Inhalte von Disketten oder Festplatten wurden dahin geladen, was alles beschleunigte.

Natürlich hatte der Amiga auch seine Nachteile. So war dieses unmögliche Diskettenformat Blödsinn. Ich habe, als das „Ende“ damals nahte, den Datenbestand auf Disketten gespeichert, um ihn dann auf einem PC abzukippen. Tja, Windows kann mit 880-Kilobyte-DD-Disketten nichts anfangen, es hätte eben gern 1024 KB. Und dann war das Problem, dass die Bildschirmdarstellung bei aller Grafikleistung, Multitasking und Schnickschnack einfach nicht bürotauglich war. Und somit setzte sich der Amiga in dem Segment nie durch.

Aber das Ende von Commodore Amiga war hausgemacht. Commodore fuhr große Gewinne mit den Amiga-Modellen ein, investierte aber nie in die Zukunft. Und da sich Bürosoftware aufgrund der genannten Schwäche nie auf dem Amiga durchsetzte und im Büro-Alltag IBM-basierte PCs den Durchbruch feierten, hätte man gegensteuern müssen, was man aber nie tat. Und somit war das Ende absehbar.

Inzwischen ist Amiga noch eine Randerscheinung. Amiga wurde durch etliche Hände gereicht. Es gab auch mal einen „AmigaOne“, dessen Herstellung aber auch schon 2005 wieder am Ende war. Das war ein „PowerPC“, wie die iMACs von Apple. Aber auch das konnte sich nie durchsetzen. Es gab auch mobile Varianten des AmigaOS. Und somit ist die letzte Version von AmigaOS die Version 4.1 aus dem Jahr 2009.

Abgeleitet davon ist das so genannte MorphOS, das erst im vergangenen Sommer mit einer neuen Version erschienen ist. Etliche Grafik- und Multimedia-Programme nahmen ihre Anfänge auf dem Amiga. Man hätte so viel erreichen können, wenn man denn gewollt hätte. Versuche, die ursprüngliche „Ahnenreihe“ der Amiga-Computer wiederzubeleben, scheiterten. Und so ist MorphOS alles, was vom glorreichen Amiga übrig blieb. Unabhängig davon, dass der Editor VIM und überhaupt eine ganze Menge GNU-Werkzeuge mit ihm entwickelt wurden.

Aber diese Zeit ist vorbei. Ich hab meinen Amiga geliebt. Er war mehr als ein Arbeitsgerät für mich. Nicht umsonst hieß diese Reihe „Amiga“, was das spanische Wort für Freundin ist. MacOS und die MACs von Apple haben diese Stelle aber inzwischen eingenommen. Aber trotzdem war der Amiga seiner Zeit voraus. 20 Jahre ist das Ende jetzt her.

Bildquelle: Ein Amiga 1200 von Commodore ausgestellt auf der gamescom 2009 – By D-Kuru (Own work) [CC-BY-SA-3.0-at (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/at/deed.en)], via Wikimedia Commons

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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