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Google - (C) Simon via pixabay.de Google - (C) Simon via pixabay.de

Accelerated Mobile Pages – Am Tropf von Google

Deine Seite muss schneller werden, du musst AMP machen, damit Google das gut findet und dich möglichst hoch „ranken“ lässt. Nee, muss ich sicher nicht. Ich muss mich gar nicht so sehr nach Google richten, was dem Suchmaschinen-Riesen so gefällt. Und deshalb muss ich auch um Himmels Willen keine Accelerated Mobile Pages einführen. So, wie ich auch keine Facebook Instant Articles und all das einführen muss. AMP – wie Accelerated Mobile Pages abgekürzt werden – halte ich für eine ausgemachte Frechheit von Google. Und ich erzähle auch mal warum.

Was haben die von Google uns Webseiten-Betreibern nicht alles erzählt! Man würde wohl enorm davon profitieren, wenn man diese enorm reduzierten Webseiten-Versionen für Mobilgeräte einführt. Wenn Sie irgendeine Seite, die das anbietet, auf dem Android-Handy öffnen, wird Ihnen ein Balken angezeigt, der Ihnen eine „für Mobilgeräte optimierte“ Seite anbietet. Damit kommen Sie dann zur AMP-Ausgabe. Und ich weiß nicht so richtig, wie schlecht das am Ende ist.

Denn am Ende muss man irgendwas auf der eigenen Seite von Google einbinden. Und der ganze Inhalt wird im Google-Universum angezeigt. Mit anderen Worten: Ohne AMP haben Artikel von mir immer die Adresse www.henning-uhle.eu/… – und: Mit AMP haben wir dann www.google.com/amp/… oder so. Dem Nutzer wird suggeriert, er befindet sich auf der Seite des Verlages oder des Bloggers oder so, stattdessen hat er Google nie verlassen. Unterm Strich stiehlt damit Google Inhalte. Aber von den Schreiberlingen gewollt, da sie ja ein Script von Google eingebunden haben.

Meine Seite wird mobil schon reduziert angezeigt. Es gibt eine mobile Version meiner Seite. Die ist nicht so stark reduziert, wie es Google machen würde. Dafür bin ich aber sicher, dass sich Google nicht die ganzen Inhalte saugt. Und ich hänge nicht am Tropf von Google. Ich halte das für immens wichtig. Inzwischen ist das mit den Adressen (siehe weiter oben) ein wenig abgemildert. Aber es ist in meinen Augen weiterhin ziemlich dreist. Die Nutzer verbleiben dennoch im Google-Universum.

Google hat mit AMP unzähligen Webseiten-Betreibern ein Werkzeug an die Hand gegeben, das sich auf den ersten Blick wie ein Segen anhört: Mit AMP werden Webseiten für Suchmaschinen optimiert reduziert verarbeitet, und sie sind in der Tat schneller und werden damit schneller gefunden. Aber das Ganze ist auch eine große Gefahr. Google macht ja nichts, wovon der Konzern nichts hat. Mit AMP werden Webseiten-Betreiber noch enger an Google gebunden. Mehr noch: Google greift sich die Inhalte einfach, nachdem Webseiten-Betreiber das Script eingebaut haben.

Accelerated Mobile Pages als Ganzes wird gern als Trojanisches Pferd angesehen, als Danaergeschenk. Und wenn man sich mit dem Thema etwas mehr auseinandersetzt, kommt man als Webseiten-Betreiber in der Tat selbst auf eine solche Idee. Wie sich Google der Inhalte von Webseiten bemächtigt, über die der Konzern eigentlich rechtlich gesehen keine Hoheit hat, sieht man derzeit an der unsäglichen Google Bildersuche. Als Internetnutzer kommt man nämlich gar nicht mehr auf die Idee, die Webseite zu laden, von der Google das Bild hat. Das ist frech. Und es ist eine Urheberrechtsverletzung.

Aber warum sollte man sich darüber aufregen? Webseiten-Betreiber haben das Alles selbst gewollt. Die Webseiten werden und wurden immer voller, sodass sie inzwischen länger zum Laden brauchen, als Webseiten vor 10, 15 Jahren, als DSL als Wunderwerk der Technik galt. Aber was für ein Witz: Jetzt soll ich seit einem Jahr noch ein Script zusätzlich einbauen, damit Google eine stark reduzierte Version meiner Seite ausliefern kann. Ich habe da einen Knoten in den Gedanken. Aber am Ende zählt für mich mein mulmiges Gefühl, das ich habe, wenn ich über AMP nachdenke.

AMP steht ja in Konkurrenz zu den Facebook Instant Articles und Apple News. Bei allen ist zu sehen, dass reduzierte Inhalte ausgeliefert werden und die Nutzer die App, in der sie angezeigt werden, nicht mehr verlassen müssen. Der Unterschied ist, dass man bei Instant Articles und bei News Inhalte hingibt, bei AMP greift einfach mal Google zu. Aber insgesamt ist es so, dass die Anbieter – Google, Facebook, Apple – die Hoheit über alles haben. Und sorry, das gefällt mir überhaupt nicht. Unabhängig davon, dass es in der Tat ein Segen für alle Internetnutzer mit Mobilgeräten ist. Für Webseiten-Betreiber ist es eine Katastrophe.

Ich schrieb ja gestern darüber, dass ich nicht extra Inhalte für andere Plattformen anfertigen werde. Und ich hatte das auch ausführlich begründet. Wenn ich so darüber nachdenke, dann ist ja AMP, Facebook Instant Articles, Apple News und all der Kram ganz genau so zu sehen. Am Ende bleibt der Segen für die Nutzer als Mehrarbeit bei wenig Nutzen für die Webseiten-Betreiber hängen. Deshalb werde ich mich nicht mit AMP beschäftigen. Mag Google das sehen, wie es will. Aber ich hänge mich nicht an den Tropf von einem einzigen Konzern.

Deshalb musste ich auch eine weitere Entscheidung treffen. Gestern wies mein bisheriges Notebook einen scheinbar irreparablen Fehler auf. Mancher wird sich erinnern: Das war dieses Notebook. Ich habe mal geschaut: Im Prinzip würde ein Chromebook für meine Zwecke ausreichen. Aber damit würde ich mich unnütz Google ausliefern. Das ist für mich ein größeres Problem noch, als es Windows 10 jemals für mich darstellen könnte. Bis ich etwas neues habe, tut es erstmal ein einigermaßen schwaches Ausweich-Gerät.

Und wenn ich schon so denke, dann ich es doch nachvollziehbar, dass ich mich nicht so sehr Konzernen ausliefern werde. Dass gerade Verlage, die Google über das Leistungsschutzrecht für Presseverlage einbremsen wollten, sich nun Google mit AMP-Seiten ausliefern, wird wohl als Treppenwitz in die Annalen eingehen. Aber das können sie gern ohne mich machen. Ich denke, man hat nichts davon, AMP auf-Teufel-komm-raus zu benutzen. Zumal es ja mit anderen Dingen schon Abhilfe gibt, wie RSS, dem Google Kiosk und so etwas. Nur: Da bin ich Chef, nicht Google.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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