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Schreibstift - (C) ResoneTIC via pixabay Schreibstift - (C) ResoneTIC via pixabay

Blogger, die keine eigenen Blogs mehr haben

Blogs sind etwas spezielles. Gut gemacht, wachsen die zu einer Marke. Leser identifizieren sich mit dem Blog und kommen gern wieder zurück. Dazu muss aber auch der jeweilige Blog richtig gepflegt werden. Keine Frage, einen Blog zu betreiben, kostet Zeit, Nerven und – bei selbst gehosteten Blogs – auch noch Geld. Ein Blog ist untrennbar mit finanziellem, redaktionellem und technischem Aufwand verbunden. Oftmals wissen es Blogger, die frisch anfangen, gar nicht, worauf sie sich einlassen. Manchem ist das dann zu viel Arbeit. Und die machen dann etwas anderes.

Man kann ja Blogs auf vielen Plattformen betreiben. Es gibt da die eigene Lösung, bei der ich mir einen Hoster suche und dort eine Webseite einrichte. Es gibt fremd gehostete Blogs, zum Beispiel bei Google (Blogspot.de), bei WordPress (wordpress.com), sonstwo. Man kann aber auch einen Blog bei Webseiten wie „Medium“ betreiben. Dort bekommt man sozusagen ein Verzeichnis und kann sich dort austoben.

Was allen Plattformen gemein ist, ist die Tatsache, dass man sich eher wenig um die Technik kümmern muss. Das spart – je nachdem, wie viel technischen Schnickschnack man sich in seinen selbst gehosteten Blog geschippt hat – teils enorm viel Zeit. Und mancher will sich damit einfach nicht mehr herumschlagen, denn man will ja eigentlich nur bloggen. Das ist verständlich, keine Frage. Und wie ich bereits schrieb, ein selbst gehosteter Blog kostet eben auch Geld.

Ein eigener Blog bietet aber auch das, was Dinge wie Medium wahrscheinlich nie bieten können, nämlich Individualität, eigene Domain, Einbindung von Analyse-Werkzeugen und derartiges. Bei Medium sieht jeder Artikel irgendwie gleich aus, wie man hier und hier sieht. Wenn das Ganze Teil des Konzepts von Medium sein soll, wäre ich etwas irritiert. Soweit ich gesehen habe, ist Medium werbefrei. Es gibt einen kostenlosen und einen Premium-Bereich. Und all das läuft recht problemlos ab.

Ich weiß aber beim besten Willen nicht, was ich von Medium halten soll. In ziemlich genau 3 Monaten feiert mein Blog 7 Jahre Bestehen. In dieser Zeit habe ich solche Plattformen schon mal sterben sehen, nicht zuletzt blog.de oder so. Es gibt derlei Spielereien. Medium sehe ich als skeptisch an, was meine Individualität betrifft. Und ernsthaft: Medium greift sich zwar nicht die Rechte an den Texten. Aber die Plattform vermarktet das Ganze und bietet Möglichkeiten zum Einbetten. Ich glaube, hier hat der Nutzer recht wenig Mitspracherecht.

Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Wer nur „mal eben“ etwas schreiben will, für den ist Medium durchaus geeignet. Wer es aber individuell haben will, wird immer zu einem selbst gehosteten Blog greifen. Und wer mir da jetzt damit kommt, dass das Bloggen bei einem selbst gehosteten WordPress einfach nur teuer ist, lügt sich da in die Tasche. Mein Blog kostet mich so um die 6 Euro im Monat. Die hole ich locker mit Werbung wieder rein. Und vielleicht demnächst (auch) mit Autoren-Einnahmen.

Nein, man kann weder etwas selbst gehostetes, noch etwas fremd gehostetes, noch Dinge wie Medium verteufeln. Aber mir wäre es nichts. So viel Verwaltungsarbeit habe ich mit WordPress nun auch wieder nicht, und die Kosten fressen mir auch nicht die Haare vom Kopf. Sicher, WordPress ist nicht ideal. Das ist aber Medium auch nicht. Und wenn es den Twitter-Gründern mal zu doof wird, schließen die Medium wieder. Dieser Gefahr möchte ich mich nicht aussetzen.

Ich stehe der ganzen Entwicklung skeptisch gegenüber. Ich vertrete eher die Meinung, dass Blogger zurück in die Blogs gehören. Aber wer sich eben nicht damit auseinandersetzen will, dem kann man nicht absprechen, dass es auch wertvoll sein kann, sich auf Plattformen wie Medium zu produzieren. Ganz auf den eigenen Blog zu verzichten, wird wahrscheinlich nicht jeder. Blogger ohne eigenen Blog sind dann ja keine Blogger mehr. Oder sehe ich das falsch?

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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