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Braindump Technology - (C) jejimenezlc CC0 via Pixabay.de Braindump Technology - (C) jejimenezlc CC0 via Pixabay.de

Braindump – Facebook-Posts direkt aus dem Gehirn

Facebook arbeitet wohl derzeit daran, eine Technologie zu etablieren, mit der es möglich sein soll, Facebook-Posts direkt aus dem Gehirn abzusetzen. Und wenn wir vielleicht all das Geschwurbel rund um „Jetzt lesen DIE DA unser Gehirn aus“ beiseite lassen und mal ein paar Takte darüber nachdenken, zu welchem Fazit kommen wir, wenn wir das so lesen? Machen wir uns einfach mal ein paar Gedanken. Klar, es klingt abenteuerlich. Aber was ist abseits der „Ergreifung der Weltherrschaft“ sonst noch?

100 Worte pro Minute soll mit dieser Technologie erreicht werden, um aus Gedanken einen Post bei Facebook zu erstellen. Mithilfe von Sensoren, neuronalen Netzen und all diesen Dingen soll es möglich sein, solche Posts direkt aus den Gedanken heraus zu fabrizieren. Hokuspokus? Vielleicht, aber Facebook forscht wohl wirklich daran, wie Facebook-Managern Regina Dugan auf der Entwicklerkonferenz F8 kundtat. Das kann uns jetzt beängstigen, aber es ist einfach nur ein logischer Schritt weiter in eine vernetzte Welt.

Allerdings ist das Alles noch Musik aus einer weit entfernten Zukunft. Elektroden im Kopf zu befestigen, lässt sich ja nun wirklich nicht als Produkt verkaufen. Und Sensoren, die genauestens messen, was da im Hirn vor sich geht, lassen sich unmöglich finanzieren. Mal abgesehen davon, dass die Technologie, die da Dugan vorschwebt, erst noch erfunden werden muss. Und es müsste ja auch sichergestellt werden, dass man als Anwender selbst entscheiden muss, was man freigibt und was nicht.

Facebook beruft sich darauf, dass auch der Riese nicht das Recht darauf hätte, wahllos die Gedanken zu scannen und daraus Posts automatisch zu erstellen. Aber logischerweise hat Facebook daran finanzielles Interesse, die Gedanken auszuwerten. Denn ob jemand einen Kaufwunsch hat oder nicht, lässt sich ja dann vermarkten. Und ob ein Krankheitsbild oder Mordgelüste oder so vorliegen, lässt sich dann ja auch feststellen und entsprechend kanalisieren. Ich weiß nicht, ob mir das so gut gefällt.

Neuronale Netze werden ja derzeit schon benutzt, um das Leben von Behinderten zu erleichtern. Und wenn wir uns an Stephen Hawking erinnern, der aufgrund seiner Erkrankung nicht mehr sprechen kann und deshalb über eine hoch komplexe Software, die seine Gedanken auswertet, mit der Außenwelt kommuniziert, dann kann das auch gute Seiten haben. Einzig, dass Facebook da die Finger im Spiel hat, dürfte für große Verunsicherung sorgen. Denn Facebook ist nun einmal ein börsennotiertes Unternehmen mit Gewinnabsicht.

Abseits der ganzen Gedanken-Verkaufsabsichten, die man Facebook unterstellen kann, sollten wir dann aber auch an die vielen schwerstbehinderten Menschen denken. Es ist nun einmal so, dass Kommunikation ein immens wichtiger Bestandteil der Teilhabe ist. Und wenn Menschen miteinander kommunizieren, fühlen sie sich gebraucht. Wenn jemand seine Gliedmaßen nicht mehr bewegen kann und auch nicht reden kann, was dann? Wenn dieser jemand dazu in der Lage ist, muss er doch wenigstens seine Gedanken mitteilen können.

Ich will Facebook hier bei weitem nicht als heiligen Samariter hinstellen, da das der Konzern nicht ist und nicht sein will. Diese Technologie ist auch nicht brandneu, weil daran etliche Forschungsinstitute seit Jahren arbeiten. Sonst wäre eine Kommunikation mit Stephen Hawking auch nicht möglich. Das Einsatzgebiet für diese Technologie ist sehr begrenzt, weil eben Implantate ins Gehirn eingesetzt werden müssen. Und das ist das Neue an der Sache, was es eben noch nicht gibt.

Es wird noch Jahre dauern. Ob diese Technologie überhaupt eine Marktreife erreichen wird, steht völlig in den Sternen. Sie würde aber eben schwerstkranken Menschen ermöglichen, am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Was immer man Facebook auch zurecht vorwerfen kann, so ein „Braindump“ kann dann nicht ganz so schlecht sein. Und abseits von Behinderungen könnte das Ganze auch der Völkerverständigung dienen, da man sich in anderen Sprachen ausdrücken könnte, ohne sie zu lernen.

Aber wie gesagt: Das macht Facebook nicht allein. Und wenn man nun behauptet, Facebook würde die Gedanken aller Nutzer zu Geld machen wollen, kann das zwar sein, aber mal ehrlich: Wie viele Nutzer von Facebook würden sich dafür ohne Not unters Messer legen wollen? Ich denke, hier können wir die Kirche im Dorf lassen. Einigen wir uns darauf, dass es eine gute Sache ist, dass jemand überhaupt an so etwas forscht, unabhängig davon, ob das jemals auf den Markt kommt.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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