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Facebook Instant Articles oder offene und freie Information?

Facebook bietet Medien die Möglichkeit, Artikel in einem eigenen Bereich zu verfassen und Werbung zu vermarkten. Win-Win, aber der Leser? Es wird förmlich nur noch darüber geredet und geschrieben, welche Vorteile es für die Unternehmen bringt, Artikel eigens bei Facebook zu verfassen, dort zu publizieren und die Werbegelder einzustreichen. Was aber bringt das Ganze für die Leser und für deren freie Meinungsbildung? Wird die beeinflusst?

Ich sehe es nach wie vor skeptisch, was da mit Instant Articles gemacht wird. Ich halte es nach wie vor für sehr gefährlich, wenn ein Leser das soziale Netzwerk nicht mehr verlassen muss, um irgendwo einen Artikel in den Medien zu lesen. Denn dieses Internet, was der Nutzer in Facebook sieht, ist immernoch nur geborgt. Auch ist es so, dass sich Facebook vorbehalten könnte, jederzeit irgendwas mit Instant Articles zu veranstalten, bis hin zum Einstellen. Wenn das also mal wieder beendet wird, sind doch dann die Artikel der Medien weg. Oder wie ist das denn sonst mit dem geistigen Eigentum und derartigem?

Da wird darüber gejubelt, dass nun die Medien wie bekloppt ihre Artikel direkt hinter der Anmeldemaske von Facebook schreiben. Denn sie profitieren ja von der Reichweite von Facebook. Die Milchmädchen-Rechnung, die da aufgemacht wird, lautet: Wenn ich einen Artikel bei Facebook teile, erhalte ich mehr Besucher als ohne. Wenn ich also einen Artikel gleich bei Facebook schreibe, erhalte ich dann noch mehr Besucher. So oder so ähnlich lesen sich die ganzen Jubelschreie, die es zu Instant Articles zu lesen gibt.

Und Werbegelder gehen den Medien auch nicht verloren. Sie können entweder selbst Werbeplätze in den Artikeln vermarkten und die Einnahmen komplett behalten, oder sie können Facebook vermarkten lassen und geben dafür 30% ab. Also alles schick und schön, oder? Aber hat denn nur einer mal darüber nachgedacht, was das für den eigentlichen Nutzer bedeutet? Ob es Facebook und die Medien nun glauben oder nicht, nicht jeder möchte bei Facebook angemeldet sein. Und somit können auch nicht alle die Möglichkeit erhalten, diese Instant Articles zu lesen. Mal abgesehen davon, dass Facebook und nicht der Verlag XYZ der Hausherr ist, der die Hausordnung bestimmt.

Aber das Ganze geht ja noch weiter. Medien tun sich ja im Allgemeinen schwer, nach extern zu verlinken. Was aber würde passieren, wenn ein Instant Article von Verlag XYZ bei Facebook quasi-publiziert wird? Genau, der wird erst recht keine Links zu echten, externen Publikationen enthalten. Und das schränkt die Meinungsbildung meiner Ansicht nach genauso ein wie die Tatsache, dass ein Artikel dort wohl ohne Facebook-Zugang nicht aufgerufen werden kann. Aber die Medien werden sich ganz gewaltig darüber freuen.

Ein kleiner Seitenhieb fällt mir da noch zusätzlich ein. Kann mir irgendwer erzählen, wieso sich die deutschen Verlage – allen voran Axel Springer mit der BILD und der WELT – gegen die Anrisstexte bei Google News gewehrt haben und nun bei Facebook publizieren? Ich meine, es geht mich ja nichts an, aber dem einen Internet-Giganten führt man einen Veitstanz vor, dem anderen wirft man die Inhalte bereitwillig hin. Das verstehe ich irgendwie nicht so richtig. Es kann da eigentlich nur um die Werbegelder gehen.

Ich werde aber weiterhin hier schreiben. Hier fummelt mir kein Facebook dazwischen und baut an Algorithmen herum und trifft Entscheidungen, auf die ich keinen Einfluss habe. Oder wie Johann Wolfgang von Goethe in „Faust I“ schrieb:

Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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