Skip to main content
Eine Schreibmaschine - (C) mikilnarayani CC0 via Pixabay.de Eine Schreibmaschine - (C) mikilnarayani CC0 via Pixabay.de

Grüße vom Blogwart an den Journalisten

Kann mir der Journalist bitte erklären, was ein Blogwart ist? Dieser Begriff macht ja gerade schön die Runde, sodass man das fragen muss. Vielleicht ist dem ehrbaren Journalisten nur nichts besseres eingefallen, um seine Arbeit zu rechtfertigen und die Arbeit von Bloggern lächerlich zu machen. Wer weiß schon, was einem Journalisten so einfällt, wenn er an seiner Schreibmaschine sitzt und das zehnte Mal neu anfängt, weil er sich vertippt hat.

Jetzt mal im Ernst

Es gibt tolle Journalisten. Die opfern jede Menge Herzblut in ihre Reportagen, in ihre Berichte. Und oftmals ist das auch gefährlich, was die tun. Und es gibt tolle Blogger, die mit viel Herzblut ihre Artikel und Reportagen schreiben und sich damit auch in Gefahr begeben. Moment, das klingt doch irgendwie ähnlich, oder?

Beide Gruppen von Schreiberlingen werden bezahlt. Die einen entweder pro Artikel oder mit festem Gehalt, die anderen je nachdem mit Werbeeinnahmen, Spenden oder womit auch immer. Beide könnten sich ergänzen. Jawohl. Aber viele Journalisten nehmen Blogger nach wie vor nicht ernst und können sich nicht vorstellen, auf „so etwas“ aufmerksam zu werden. Und Blogger nehmen Journalisten nicht ernst, die meinen, etwas besseres zu sein.

Das wird wohl noch ein Weile dauern, bis die Medien erkennen, dass die Informationsvielfalt eigentlich von Bloggern mit gestaltet wird. Dass die Blogger keineswegs schlechter sind als Journalisten. Aber so lang das so ist wie jetzt, glossiert gern mal ein Herausgeber einer Tageszeitung über unterernährte Blogger, was an sich schon Unfug ist. Damit macht Bertold Kohler die Welt nicht unbedingt besser, er macht sie sich nur, wie sie ihm gefällt.

Der Blogwart an den Schreibknecht

Da ist doch wohl nicht euer Ernst, ihr Journalisten. Wie gesagt, es gibt viele tolle Schreiberlinge unter Journalisten und Bloggern. Nennen wir beide Gruppen doch einfach Publizisten. Denn wir publizieren doch alle. Und so unterschiedlich sind Journalisten und Blogger nicht. Deshalb können wir gern den Begriff Publizisten hernehmen. Wieso aber ordnen sich so viele Journalisten immernoch höher als Blogger ein? Weil Journalismus ein Studienfach ist? Wie viele Technik-Blogger haben wohl ein technisches Studium hinter sich? Wie viele Sport-Blogger waren an einer Sporthochschule? Aber was weiß ich denn schon? Ich bin doch nur der dumme, unterernährte Blogwart.

So lang einige – oder viele – Journalisten die Blogger einfach nur auslachen, so lang stellen Blogger diesen Journalisten eben lieber eine Schreibmaschine hin. Es gibt Ausnahmen. Es gibt Journalisten, die aktiv mit Bloggern zusammenarbeiten. Es gibt bloggende Journalisten. Es gibt Blogger mit erfolgreich abgeschlossenem Journalismus-Studium. All das gibt es. Und viele traditionelle Medien führen nebenher noch Blogs. Warum kann die Frankfurter Allgemeine Zeitung – oder vielmehr deren Herausgeber – das nicht einfach akzeptieren?

Man könnte so viele Synergien freisetzen, wenn man nicht so verbohrt wäre. Es nimmt ja niemand irgendwem etwas weg. Oder glauben das etwa immernoch die traditionellen Medien? Dann hat die Frankfurter Allgemeine also Angst vor den kleinen, unbedeutenden, unterernährten Blogwarten. Na dann Prost Mahlzeit.

Verteilen Sie diese Erkenntnis doch einfach wie 0 andere auch

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 Gedanken zu „Grüße vom Blogwart an den Journalisten

  1. Deinem Artikel ist nichts hinzuzufügen. Super geschrieben!

    Es ist wirklich schade, dass es hier so schwer mit einem „miteinander“ ist (Ausnahmen bestätigen die Regel).
    Zwei „Gruppen“, die im Grunde das gleiche machen, sollten sich akzeptieren können. Wahrscheinlich kann auch die eine „Gruppe“ von der anderen etwas lernen und umgekehrt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.