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Inhalt: Vom Sinn und Unsinn - (C) Geralt Altmann CC0 via Pixabay.de Inhalt: Vom Sinn und Unsinn - (C) Geralt Altmann CC0 via Pixabay.de

Schreiberlinge in den Parallelwelten

Jeder Autor, Redakteur, Blogger und SEO-Mensch kennt die Phrase vom Content, der King ist. Das mag auch stimmen. Aber es gibt zu viele, die parallel schreiben. Ich nehme mich da nicht aus. Mir passiert es auch oft, dass ich mal ein Thema habe, was woanders schon ähnlich behandelt wurde. Warum soll das auch nicht so sein? Aber es fehlt irgendwie dann die Exklusivität. Man kann dagegen kaum etwas machen. Wenn man schlicht übersieht, dass das Thema schon behandelt wurde, ist das Pech. Aber es gibt auch die Parallelwelten, in denen sich manche Schreiberlinge befinden. Und darüber müssen wir reden.

„He, Chefredakteur von Zeitung XYZ, das habt ihr doch von Zeitung ABC abgeschrieben.“
„Tut mir leid, davon ist mir nichts bekannt.“
„Aber es steht doch fast wortgleich bei euch und wurde nur 2 Stunden später veröffentlicht.“
„Dazu kann ich nichts sagen, andere Publikationen betrachten wir als nicht existent.“

So oder so ähnlich ist es schon manches Mal passiert. Man liest irgendeinen Artikel auf Webseite A. Um weitere Informationen zu erhalten, ruft man einen entsprechenden Artikel von Webseite B auf. Die beiden Artikel unterscheiden sich nur in Nuancen. Das ist mir persönlich schon oft so ergangen. Spricht man aber die Teams an, kennt Webseite A nicht mal Webseite B oder bezichtigt diese, von A abgekupfert zu haben. Das ist ein ganz komisches Phänomen. Beide Webseiten existieren, folgen sich aber nicht gegenseitig in den sozialen Netzwerken. Folglich gibt es sie für die anderen nicht.

Das ist aber kein Phänomen, das die Medien für sich gepachtet haben. Bei Blogs ist das auch so. Ich hatte ja mal über Technik-Blogs so etwas geschrieben. Und wenn ich so die sozialen Netzwerke beobachte, wo ich diese Blogs abonniert habe, habe ich oft genug festgestellt, dass sie Artikel mit sehr ähnlichem Inhalt und Artikelbild haben, die dann nur zu leicht anderen Uhrzeiten erschienen. Spricht man dann Technik-Blogger darauf an, reagieren die dann gar gereizt und sprechen – oh, Überraschung – dem anderen Blog die Existenz ab. Ich weiß nicht, was das soll.

Ich nehme aber an, dass da Schreiberlinge um sich herum eine Filterblase gestrickt haben. Die folgen alle in ihrem Ressort den gleichen Quellen, aber keineswegs „der direkten Konkurrenz“. Und da die sich nicht in der Filterblase befindet, existiert sie auch nicht. Und so kommt es, dass sich bei einzelnen Themengebieten die Inhalte irgendwie ähnlich lesen. Und ehrlich: Das nervt und langweilt. Und weil es so langweilt, wenn eine ganze Horde Schreiberlinge mit ähnlichen Worten den gleichen Sachverhalt schildert, habe ich mich aus dem Einerlei herausgelöst.

Ob das nun sinnvoll oder unsinnig ist, wenn so viele Webseiten im gleichen Ressort fast gleiche Artikel gebären, kann ich nicht sagen. Ich würde mich aber freuen, wenn ich zu einem Thema, das ich auf Webseite A gelesen habe, auf Webseite B mit Verweis auf A weiterführende Informationen finden würde. Es gibt da einen ganzen Sack voller Webseiten, die das hervorragend machen. Aber wenn Blogs aus dem gleichen Ressort irgendwelchen SEO-optimierten Kram mit den gleichen Mitteln machen, weil sie das im gleichen E-Book gelesen haben, wirken die Artikel nun mal wie eine Blaupause voneinander.

Auch an mir nimmt man sich ein Beispiel. Da gibt es Leute, die ähnliche Artikel zusammen zimmern, wie ich sie habe. Aber die kommen gar nicht auf die Idee und nennen mich als Quelle. Geschweige denn, sie bieten weiterführende Informationen oder einen Link zum Original. Und das ist auch das, was man gern immer wieder kritisieren darf. Da regen sich Blogger über „Quelle: Internet“ auf, machen aber unterm Strich nichts anderes.

Ich kenne Blogger, denen ich mal empfohlen habe, irgendwie was anders zu machen. Es ist nun einmal so, dass jeder seine eigene Meinung hat – oder haben sollte. Und wenn man schon beobachtet, dass es zu sehr aufreibt, seine eigene Ecke in den „Technik-News“ zu finden, dann muss man sich unterm Strich sagen: Dann mach ich es halt anders und kommentiere News. Mit meiner Meinung und aus meinem Blickwinkel. Nun ja, diese Blogger sind im Moment nicht so richtig aktiv. Aber ich weiß, dass man sich da nach und nach etwas einfallen lässt.

Und das ist es, was ich meine: Man muss doch, wenn man sich schon „Autor“ und „Urheber“ schimpfen will, auch ein Mindestmaß an Eigenständigkeit haben. Es können gern immer gleiche Themen sein, dann doch aber bitte aus der eigenen Perspektive. Und um die Diskussion voran zu treiben, bitte auch mit korrekten Quellenangaben. Die Zeit, das Rad neu zu erfinden, ist ja offensichtlich vorbei. Also muss man sehen, dass man sich auf seine eigene Art und Weise abhebt. Und man muss auch kleine Öffnungen in die Membran der eigenen Filterblase ritzen, um nicht ganz die Umwelt aus den Augen zu verlieren.

Dazu müssen sich aber Redakteure, Journalisten, Blogger und all die anderen Schreiberlinge auch etwas trauen. Mal aus den festgefahrenen Strukturen ausbrechen. Über den Tellerrand schauen. Mir gelingt das auch nicht immer. Aber ich versuche es wenigstens. Und mir bekommt das gut. Ich möchte nicht wissen, wie viele andere Autoren sich zu sehr aufreiben. Also macht euer Ding, aber macht es besser bisher.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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