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Der Schreiberling - free picture by kakisky via morguefile.com Der Schreiberling - free picture by kakisky via morguefile.com

Unsere Blogs sollen schöner werden – Quo vadis, deutsche Blogosphäre?

Blogs waren mal das, was man als Pioniere im Wilden Westen bezeichnen würde. Der Wilde Westen war aber nicht irgendwo dort, wo man Texas nun verortet. Sondern der Wilde Westen ist das Internet. Aber mittlerweile sind die Pioniere von den Konservativen eingeholt worden, und die Konservativen – meint: die „alten“ Medien – haben aufgeholt und die Pioniere – meint: die Blogs – teilweise überholt. Und nun?

Wolfgang Michal, freier Journalist für verschiedenste Publikationen, stellte gestern bei carta.info die wichtige Frage: „Braucht es uns noch?“ – Mit „uns“ meinte er die Blogs. Denn die großen Medienkonzerne haben in Sachen Online-Journalismus gewaltig aufgeholt und die Blogs damit wieder an den Rand gedrängt. Der Artikel klingt ein wenig wie ein Abgesang auf die deutschen Blogs. „Geht sterben“ skandiert er. „Der Wandel ist geschafft“ formuliert er.

Ich habe den Artikel gestern kommentiert. Das werden Sie sehen, wenn Sie den Artikel bis zu den Kommentaren lesen. Aber ich möchte jetzt gern ein wenig zum Thema ausholen. Ich weiß selbst noch nicht, wie umfangreich ich das jetzt fabriziere. Schauen wir einfach mal.

Es ist ja so, dass die Medien eine große Armada an Journalisten und Redakteuren haben. Zudem werden sie mit allerlei Pressemitteilungen und Agenturmeldungen versorgt. Jeder Journalist hat seine Informanten und geheimen Quellen. Denken Sie, dass ein Blogger wie ich auf solche Ressourcen zurückgreifen kann? Die Antwort ist natürlich „Nein“.

Also kann man sagen, dass ein Blogger doch wieder nur der Schreiberling im stillen Kämmerlein ist. Soll er mal machen, aber dann soll er nicht die Nutzer im Internet nerven. Ganz genau so liest sich der Artikel von Wolfgang Michal. Das greift aber zu kurz. Denn wie oft habe ich es schon gesehen, dass Blogs einfach mal schneller und dynamischer als die „alten“ Medien sind! Aber auch da haben die Medien aufgeholt.

Aber Medien können eben nach wie vor folgendes nicht: Sie können keine Meinung transportieren. Sie können nicht spezialisiert zu einem Thema schreiben. Sie können so vieles nicht. Darum wäre meine Meinung, dass man doch vielleicht zwischen Medien und Blogs besser zusammenarbeiten sollte. Ich hatte diesbezüglich bereits ein Angebot aus der Medienstadt Leipzig vorliegen. Nachdem ich mein Interesse bekundet hatte, herrscht allerdings Schweigen im Walde.

Was wäre denn so schlimm, wenn Blogs und – nun ja – Zeitungen ein wenig zusammenarbeiten würden? Hier und da funktioniert das ja. Wenn ich mir überlege, dass die „große“ Leipziger Volkszeitung hier und da Bezug nimmt auf die „kleinen“ Blogs, dann läuft nicht allzu viel falsch. Zwar macht das die Zeitung hauptsächlich über Twitter, und auch das ist ausbaufähig. Aber es ist eben ein Anfang.

Besser wäre es natürlich, wenn die Zeitungen auch Blogs in ihren Publikationen nennen und verlinken würden. Hierzu hatte die Leipziger Volkszeitung auch mal eine schöne Liste von Leipziger Bloggern. Auch ein Anfang. Auch das ZDF, der Tagesspiegel, Spiegel Online und dergleichen hatten so etwas schon. Aber bei den ganzen Nachrichtenwellen der Zeitungen und Medien geht so etwas dann eben unter.

Und da eben die Medien ihre riesige Armada an (freien) Mitarbeitern losschicken können, können sie natürlich ganz anders berichten als Blogs. Speziell in meinem Fall ist das aber nicht sonderlich schlimm, da ich meinen Blog niemals als „Presseerzeugnis“ bezeichnen würde, obwohl man als Blogger so eingetütet wird. Ich sehe mich einfach nur als Kommentator. Und hier könnte Potential für Blogs liegen.

Blogs werden immer ihre Berechtigung haben. Zu glauben, dass man einfach nur mit einfachstem Webdesign – also eher ohne Design – und nerdigen Texten Leute halten kann, ist aber falsch. Man muss die Leute begeistern durch die Meinung, die man kund tut. Man muss spannende Inhalte haben. Man muss auf die Reaktionen der Leser eingehen. Und nicht zuletzt muss das Aussehen passen. Das miefige, altbackene Aussehen mancher Blogs wird sich bald überholt haben. Und wenn Blogger so arrogant sind, dass sie nicht auf Kommentare reagieren, werden diese auch irgendwann abgemeldet sein.

Ein Blog muss interessant bleiben. Und den Medien muss immer wieder der Spiegel vorgehalten werden. Denn vieles können sie nun einmal immer noch nicht. Es gibt keinen Königsweg für die Blogs der Zukunft. Aber den Kopf in den Sand stecken sollte niemand. Dann eben doch lieber die Ärmel hoch krempeln und renovieren.

Und sind wir mal ehrlich: Viele Debatten im Internet werden ja durch Blogs ins Leben gerufen. Den Medien bleibt da meist nichts weiter übrig, als hinterher zu hecheln. Wenn dann noch die Blogs mit Meinungen und Einschätzungen daher kommen und deren Webseiten gut bedienbar sind, dann sind sie weiterhin elementarer Bestandteil der Informationsbeschaffung im Internet.

„Geht sterben“ ist daher nicht richtig. Zumal es ja auch unzählige Blogs gibt, die bestimmte Themen betreuen, die den Medien ziemlich egal sind. Sollen die etwa auch alle sterben gehen? Mal lieber nicht, oder?

Bildquelle: Der Schreiberling – free picture by kakisky via morguefile.com

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

6 Gedanken zu „Unsere Blogs sollen schöner werden – Quo vadis, deutsche Blogosphäre?

  1. Vorab, ich lese viel mehr in Blogs als auf den Verlagsseiten. Es kommt aber darauf an was für Info ich haben will.

    Sind es Nachrichten über Weltgeschehen, verlasse ich mich auf die Journalisten und die Medienhäuser die im Grunde das Recherchehandwerk verstehen sollten.

    Was ein Blog liefern kann und die Tagespresse nur schwerlich bietet sind Dinge wie: „Was ist aus dieser oder jener Sache geworden“, also das dran bleiben an einem Thema.

    Auch, wie du erwähnst, die Meinung und der Klartext bleibt dem Blog vorbehalten. Ein Blog ist halt nicht so abhängig von Anzeigenverkäufen wie Medienhäuser.

    Was mich als Blogger stört ist dass häufig ein Link zu einem Verlagsartikel nach einem halben Jahr nicht mehr funktioniert. Daher verlinke ich lieber Blogs.

    1. Hallo Roland,

      ich denke, man braucht einen guten Quellenmix, um gut informiert zu sein. Das geht bei mir ganz gut als Mischung aus „alten“ Medien und Blogs. Und es stimmt: Den „zweiten Ball“ wie beim Fußball können Blogs sehr gut aufnehmen. Das habe ich ganz unterschlagen.

      Ja, das große Plus an einem Blog ist die Unabhängigkeit. Das kann eine Zeitung niemals, weil eben immer irgendein Verlag und dementsprechend auch Investoren dahinter stehen.

      Mich stört das auch mit den Angeboten, die dann nicht mehr verfügbar sind. Ich verlinke daher auch lieber Blogs. Aber oftmals geht es ohne die dicken Brummer halt nicht.

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