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Warum ich keinen Technik Blog betreibe

Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Irgendwie gibt es gerade unter den Technik Bloggern ein heftiges Stühlerücken, was ich so bemerke. Leute verlassen Technik Blogs, solche Blogs werden verkauft oder geschlossen, und wieder anderen fehlt es derzeit an Zeit und Inspiration. Technik ist ja so ein aufreibendes Geschäft, das hält niemand auf ewig durch, der nicht wirklich ein Freak ist.

Ich hatte hier im Blog mal eine Zeit, in der ich über einen Haufen Technik-Gedöns geschrieben habe. Jeder Husten, den ein Hersteller von sich gegeben hat, habe ich weiter gebellt. Aber ich habe recht schnell gemerkt, dass mich das nicht zufrieden stellt. Ich wollte mehr. Deshalb habe ich ja auch meinen Bauchladen. Und das habe ich ja auch schon öfter ausgeführt. Das möchte ich nun auch dabei belassen.

Aber ich stelle fest, Technik Blogs, die einfach nur nachbellen, was sonstwer schon ins Internet gerülpst hat, sind einfach mal Webseiten ohne Zielgruppe geworden. Die Leute haben doch heute Ansprüche. Die wollen nicht mehr überall lesen, wie geil und toll das neue Samsung Dingens ist. Nein, die wollen vielleicht auch mal irgendwas kritisches lesen. Sonst heißt es nicht mehr nur „gleichgeschaltete Systemmedien“, sondern auch „gleichgeschaltete Blogs“. Und darauf kann ja nun wirklich niemand Lust haben.

Da gibt es Blogs, die einfach mal auf Zahlen schielen. Nein, keine SEO-Buden oder sowas. Technik Blogs! Die haben sich von irgendeinem Vermarkter oder Verlag oder einem Anbieter Honig ums Maul schmieren lassen, auf dass sie Geld mit dem Bloggen verdienen. Und dann stimmen die Zahlen nicht mehr. Was passiert dann? Die Blogs werden verkauft oder gar geschlossen. Bums, aus, Ende. So geschieht es bei AppDated oder TechHive – bzw. ist es bereits geschehen. Da mögen die noch so anschauliche Dinge veröffentlicht haben. Aber ich habe beide in den sozialen Netzwerken beobachtet. Die waren mehr oder weniger im Gleichschritt unterwegs. Und ernsthaft, da muss einer von beiden einfach mal den Geist aufgeben.

Es gibt aber auch Blogs, bei denen hauen einfach mal Blogger ab. So geschehen bei GIGA und SamMobile. Tja, die haben vielleicht auch noch ein Leben außerhalb des WordPress Dashboards? Familie? Freunde? Sowas in der Art. Oder die Interessen haben sich geändert. Youtube soll da ja jetzt das neue Mekka sein. Man hat sich monatelang im Blog über Hersteller XYZ ausgekotzt, nun möchte man da noch ein paar laufende Bildchen dazu machen.

Leute, so wird das doch nichts. Der Mirko Müller fragt sich da gerade, ob da derzeit ein Umschwung in der Szene der Technik Blogger abläuft. Das mag sein. Wenn wir ehrlich sind, gibt es doch nur zwei wirklich maßgebliche deutschsprachige Technik Blogs: Caschys Blog und Mobilegeeks. Wer sich daneben behaupten will, der muss erstmal sehen, wie die das machen. Der Caschy und sein Gefolge zum Beispiel schreibt – soweit ich weiß – immer so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, immer subjektiv, immer wie der Junge aus dem Viertel. Der Palle bei Mobilegeeks und sein Gefolge hat einen riesigen Themenmix rund um Technik eingerührt und nimmt wie der Caschy kein Blatt vor den Mund.

Einheitsbrei wird die Szene der Technik Blogger ersticken lassen. Man muss sich abheben. Wenn schon mehrere an einem Blog schreiben, dann kann man es auch wie bei Mobilegeeks machen, dass man nach Ressorts aufteilt. Und wenn man viel bloggen will, dann muss man eben wie der Caschy einfach was daher rülpsen, was kein Einheitsbrei ist. Was ist so schlimm daran? Die Technik Blogger denken doch im Großen und Ganzen, sie hätten die Welt erfunden. Aber wenn ein paar Blogger den Schwanz einziehen, denken sie, dass die Welt einstürzt. Nein, nennen wir es „natürliche Auslese“.

Bei Mobilenote, was das große Baby vom Mirko und seinen Leuten ist, ist schon eine Diversifikation der Themen zu sehen. Das machen die schon recht gut. Aber da kann noch mehr passieren. Klar, an die Lichtgestalten Caschy und Palle werden sie schon rein vom Zeitaufwand her nicht kommen. Aber auch Mobilenote bringt nicht nur das Einheitsbrei-Tralala, wie so viele andere. Und das ist positiv. Und man kann nur sagen: Wenn andere Blogger aufgeben, dann bleibt mehr Raum im Segment für die, die weitermachen.

Man darf eben nur nicht den Fehler machen und den gleichen Dreck über die gleichen Leser kübeln, wie es andere auch schon gemacht haben. Aber das habe ich ja eben schon ausgeführt. Also ist das an sich gar nicht so schwer, oder?

Jedenfalls war mir das Alles zu anstrengend: Technik-Nachrichten lesen, bewerten, vergleichen und die Inhalte so wiedergeben, dass in entsprechender Geschwindigkeit die Artikel fliegen. Nein, ich lasse mich gern aus und rühre meine eigene Masse an. Außerdem eben die Themenvielfalt. Ich hatte es nicht ertragen, Artikel um Artikel einfach mal über Samsung drauflos zu seiern. Das wird dann ja auch irgendwie langweilig. Aber ich lasse mich trotzdem zu dem einen oder anderen technischen Gefasel überreden, auch bei Mobilenote, wo ich auch mal wieder was abkippen muss.

In der „Szene“, wie sie der Mirko nennt, passiert eine Marktbereinigung. Und wer weiterhin gute Inhalte hat, der wird das auch weiterhin überleben. Wie gesagt, es gibt einige, die es den ganzen Einheitsbrei-Tralala-Schwätzern vormachen, wie es geht. Wer sieht, dass es die, die es anders machen, zu einiger Berühmtheit schaffen, der sieht, was er anders machen muss. Kritisch würde ich das nicht sehen. Es ist eben gerade ein Frühjahrsputz, oder etwa nicht?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

6 Gedanken zu „Warum ich keinen Technik Blog betreibe

  1. Hi Henning,

    da dein Artikel in einigen Netzwerken geteilt wurde, lasse ich auch mal meinen Senf dazu ab.

    Ja, du hast Recht, die Luft bei den Technik-Blogs wird dünner und es werden auf kurz oder lang noch mehr „sterben“. Welche Gründe das hat, who knows.

    Um auf uns zu kommen: mir/uns wurde nie von irgendwelchen dubiosen Vermarktern Honig ums Maul geschmiert, wir wurden nie mit Geld gelockt, wir haben nie (glaube ich zumindest) Sponsored Posts veröffentlicht. Ja, wir sind bei einem Vermarkter, die Gründe lagen jedoch im Bereich unserer Bequemlichkeit.

    Da ich einen Hauptjob habe und Moritz mittlerweile auch im „Leben steht“, sind/waren wir nie zu 100% auf die Einnahmen des Blogs eingewiesen. Vielmehr war es ein nice-to-have. Daher hat das Argument des Geldes nie gezogen.
    Generell ist es aber dennoch so, dass man natürlich in irgendeiner Art für seine Arbeit belohnt werden möchte, sei es durch zahlreiches Teilen, durch etliche Kommentare oder eben auch durch Einnahmen. Doch all das ist in den letzten Monaten trotz Optimierungen fern geblieben. Gründe dafür gibt es viele: u.a. gleicher Scheiss auf jeder Seite.

    Dennoch kann ich 2 Wochen vor allen anderen Seiten einen Test veröffentlichen, der dann nach 2 Monaten aber für keine Sau mehr sichtbar ist. Die ganzen SEO-Buden und dazu zählen nicht nur CHIP, PC-Welt oder die BILD, belegen die ersten 4 Google-Seiten und damit ist man raus. Man wird einfach nicht mehr gesehen und dementsprechend wird auch die Arbeit nicht gewürdigt.

    ++

    Bzgl. Caschy: er ist ein Ausnahmeblogger, den es in Deutschland so nicht mehr gibt. Er könnte auch über irgendeinen Rotz schreiben, die Leute werden es lesen und das ist auch gut so. Er hat seine ganz spezielle Art, die ich an ihm schätze und die ihn einzigartig macht. Caschy ist daher mit keinem vergleichbar, es ist das Urgestein.

    Bzgl. Palle: er hat erkannt, dass die News-Scheisse nicht mehr zieht, da alle XYZ-Seiten darüber berichten und stellt sich breiter auf. Ob das alles was mit den eigentlichen Basics zu tun hat sei mal dahingestellt. Ich sehe es nicht so.
    Da gibt es grandiose Artikel in den Hubs, die 100 Shares bekommen, genauso wie scheiss Artikel von irgendeinem Smart Travel. Doch das eigentliche was dort zieht sind Palles Rants, die meist auch nichts mehr mit den Basics gemein haben. Es sind eben Artikel, die die Menschen emotional bewegen.

    ++

    Nur um dem Einheitsbrei zu entgehen, werde ich mich nicht dazu bewegen eine gleiche Linie zu fahren. Unser Themenschwerpunkt waren nun mal Smartphones, Tablets & Gadgets und damit ist auch alles gesagt. Wieso soll ich jetzt die „Super-Nische“ finden, die mir ggf Geld bringt, aber mich nicht in meiner Arbeit zufrieden stellt?

    VG
    Chris

    1. Hallo Christian,

      etwas verspätet möchte ich dir dann doch mal antworten.

      Es war vielleicht etwas unglücklich, euch direkt im gleichen Absatz zu schieben, in dem ich von Vermarktern erzählt habe. So wie bei euch sieht es wohl bei den meisten Bloggern aus. Man betreibt einen Blog nebenher zur Arbeit. Aber ich habe das – wenn ich das so in deinem Kommentar lese – wohl nicht ganz falsch beobachtet, dass ihr wie so viele Technik Blogs ähnliche Themen hattet. Da fällt die Unterscheidung schon schwer.

      Bloggen ist schon ein hartes Brot. Was du da kritisierst, was da von dn SEO-optimierten Verlagsseiten her kommt, habe ich natürlich auch beobachtet. Da muss man schon ein recht dickes Fell haben. Klar, man muss da nicht gleich wie der Caschy sein, da man ihn nicht kopieren kann. Aber der setzt sich wie der Palle wohltuend ab. Der hat seinen Stil gefunden, und das fehlt vielen Technik Bloggern.

      Ich meinte auch nicht, dass ihr nun eine Super-Nische finden solltet. Meinetwegen ausschließlich irgendwelchen Sailfish-Kram. Das hat niemand erwartet. Was ich meinte, ist irgendwas besonderes. Eine spezielle Art, Meinung, irgendwas, was andere nicht machen. Ein Blog ist das Baby des Schreiberlings. Das hegt und pflegt der oder die Blogger(in). Wie bei einem Kind, das die Eltern immer als etwas ganz besonderes ansehen, sieht ein Blogger sein Dings als etwas ganz besonderes an. Und wenn die Seite eben wirklich so wird, wie man sie sich vorstellt, dann ist man auch zufrieden. Da muss man keine Kopfstände machen, sondern nur das tun, was man will, um etwas besonderes zu machen.

      Einheitsbrei kann jeder. Alles andere ist schon schwieriger. Das wollte ich damit sagen.

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