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Warum twittert man jetzt in Klammern?

In den letzten Tagen hat sich ein Phänomen bei Twitter breit gemacht: Nutzer schreiben um ihre Namen Klammern. Und alle Welt wundert sich darüber. Ich ebenfalls. Nachdem ich mich belesen habe, wächst bei mir die Erkenntnis, dass ich den Quatsch nicht mitmache. Man kennt mich bei Twitter als „Herr U. aus L.“. Das ist seit Jahren so. Ich halte nichts davon, nun ganz plötzlich da Klammern darum zu schreiben. Egal, was da für ein Statement dahinter steht.

Großes Theater bei Twitter. Auf einmal wurde aus „EinNutzername“ ein nichtssagendes „(( Nutzer ))“. Das Blöde ist, dass viele ihren Anzeigenamen verkürzen müssen, wollen sie, dass beide Doppel-Klammern angezeigt werden. Nun ja, dann erkennt man den einen oder anderen Nutzer nur noch am Profilbild, wenn eins vorhanden ist. Also alles ein bisschen unübersichtlich. Aber man will eine bestimmte Aussage damit machen.

Amerikanische Twitter-Nutzer aus dem rechtsradikalen Umfeld machen genauso wie die Rechtsradikalen hierzulande ihre Hetze. Und hüben wie drüben nutzt man dafür soziale Netzwerke. Nur macht man bei den amerikanischen etwas anders. Aus „Jonathan Weisman“ wird dann eben „((( Jonathan Weisman )))“. Und sie diskutieren über eine jüdische Weltverschwörung und wollen mit den Klammern „die Juden“ identifizieren. Ziemlich krudes Zeug.

Die nennen das „Echoes“, wie ich erfahren habe. Mit den Klammern wird das Alles verstärkt. Dem oben genannten jüdischen Journalisten Weisman hat man also eine Kuhglocke umgehängt. Wie das bei einer Kuhglocke eben so ist, die bimmelt immer vor sich hin, wenn sich das Tier bewegt. Und so ist das eben auch bei Weisman gewesen. Die Süddeutsche Zeitung beschreibt das mit einer Hundepfeife. Viele Menschen nehmen das Pfeifen nicht wahr, und so können die Nazis ihre kruden Theorien recht ungestört verbreiten.

Die Klammern werden von Suchmaschinen ignoriert. Irgendwann hatte Google nach komplettem Ausschluss die Tweets wieder in die Suche aufgenommen. Aber die Klammern machen die Tweets praktisch stumm. Und so können die rechten Spinner ihren Kram verbreiten, ohne dass sie dabei gestört werden.

Und viele Twitter-Nutzer schreiben nun also ihren Namen um. Damit wollen sie Position gegen die rechte Hetze beziehen. Nun ja, wenn sie meinen. Aber muss man das so machen? Hat denn das irgendeine Signal-Wirkung? Ich bezweifle das. Ich sehe das so wie mit den Profilbildern bei Facebook, die mit der französischen Flagge unterlegt waren, als die entsetzlichen Anschläge dort stattfanden. Außer ein Je-suis-hilfsbereit wurde da ja nichts bewirkt. Ich kann mich täuschen, aber man erreicht ja überhaupt nichts damit.

Nein, man muss doch der rechten Hetze anders beikommen als mit einem Ausklammern. Die meisten rechtsradikalen Aussagen kann man mit richtigen Argumenten entkräften. Da muss man ja nicht mit Klammern herum hantieren. Ich kann mich täuschen, aber die Klammern halte ich für unnütz. Aber was weiß ich denn schon?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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