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Opossum - (C) royguisinger CC0 via Pixabay.de Opossum - (C) royguisinger CC0 via Pixabay.de

Wenn Opossums Internetnutzer werden

DIE haben es nicht anders verdient – Das ist das Hauptargument derer, die denken, dass alles im Internet kostenlos ist. Sollen andere zahlen, sollen andere sich die Werbung angucken. Das sind die Internetnutzer, die sich im Recht fühlen, über Torrent-Netzwerke sich die Pornos, Kino-Blockbuster und die neueste Musik kostenlos „zu besorgen“. Und das sind die Internetnutzer, die Spotify und andere derartige Dienste so nutzen, dass sie von Kostenlos-Account zu Kostenlos-Account vagabundieren. Und früher sah man sie mit Einkaufstüten voller Kostenlos-Einwahl-CDs.

Kennen Sie die Aussage vielleicht von sich selbst oder aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis: Was geht es mich an, wie sich das Alles finanziert. Ich sehe nicht ein, dafür auch nur einen müden Heller zu bezahlen. Dafür gibt es ja schließlich Werbeblocker, Torrent-Dingens, Test-Accounts und so etwas. Wer da bezahlt, ist selber schuld. – Ich kenne selbst genügend Leute, die so denken. Die fühlen sich allen Ernstes im Recht, all das, was man im Internet nutzen kann, kostenlos zu schnorren. Aber wehe, die Anbieter lassen sich etwas einfallen, um solche Schnorrer auszusperren. Dann ist der Teufel los.

Aber im Prinzip läuft es doch so: Sperrst du die Werbung aus, sperre ich dich aus. Willst du nicht bezahlen, darfst du von draußen zugucken. Man darf sich als Schnorrer wieder mal gar nicht wundern, wenn dann die Anbieter so reagieren. Und beim illegalen Download von Musik, von Software oder von Filmen würde ich sogar soweit gehen, dass ich sage: Die Schnorrer haben es nicht anders verdient. Dazu passt auch 60. Neuland-Podcast von Sascha Pallenberg und Carsten Knobloch – also Palle und Caschy:

Wie ist denn das überhaupt mit den Kostenlos-Accounts bei Spotify, Apple Music und sowas? Die Anbieter werben ja damit, dass man die ersten drei Monate kostenlos (oder ähnlich) die Dienste nutzen kann. Heißer Scheiß, oder? Was machen dann typische Beutelratten, also Opossums? Die kommen mit ihrem großen Plastebeutel und sacken alles ein, was sie bekommen können. Ist der Zeitraum der kostenlosen Nutzung abgelaufen, löschen sie erbost den Account, nehmen sich die nächste Kostenlos-Email-Adresse und legen sich den nächsten Kostenlos-Account dort an.

Was passiert mit denen, die über die Musikdienste ihre Musik anbieten? Die bekommen eh nicht wirklich viel für die kostenpflichtigen Downloads. Und pro Einheit bekommen sie gar nichts. Das ist unterschiedlich. Entweder pro neues Lied, pro neues Album oder für die ersten drei Monate, die sie dort sind. Selbst schuld, dass sie dort sind? Naja, wenn sie nicht dort wären, hätten sie einen Vertriebskanal weniger. Es ist irgendwie für die Musiker ein Tanz mit dem Teufel.

Tja, und wenn den Schnorrern die ständige Neuanmeldung bei den Diensten zu umständlich ist, dann machen sie es ja noch ganz anders. Die nutzen dann Torrent-Netzwerke oder irgendwelche kruden Download-Portale. Ja, das macht ja jeder so. Und dann schimpfen sie darüber, dass sie sich irgendwelche Schadsoftware auf ihre Rechner holen. Dazu sage ich dann: Selbst schuld. Denn man bezahlt immer. Entweder mit Geld oder mit Daten.

Ich kann das Alles ja verstehen. Wer hat nicht schon auf fragwürdige Art und Weise Musik, Filme und Software heruntergeladen? Wer hat sich nicht schon gesagt, dass es bestimmt genügend andere gibt, die eine Webseite ohne Werbeblocker besuchen? Und wer begründet die Nutzung von Werbeblockern nicht gern damit, dass die Besucher nachverfolgt – getrackt – werden? Und die widersprechen dann auch allesamt den Cookies, die eine Webseite bei Ihnen setzen wollen. Denn die pöse, pöse Gedankenpolizei spioniert ihnen hinterher und will ihnen die gerade gekaufte Kreissäge beim kostenlosen Facebook als Werbung andrehen.

Briefkasten mit "Keine Werbung" - (C) condesign CC0 via Pixabay.de
Briefkasten mit „Keine Werbung“ – (C) condesign CC0 via Pixabay.de

In Bezug auf Werbeblocker hatte ich mal den Hinweis bekommen, dass es Router gibt, die gleich von vornherein die Werbung filtern. Das ist quasi der Butler an der Tür, der die Zeitungsjungs aufhält und denen nur die Tageszeitung abnimmt. Aber das, was den Zeitungsjungs ein Zubrot bringt, nämlich die Flyer für den örtlichen Pizza-Service, lehnen sie ab. Und am Wochenende können die Zeitungsjungs dann nicht ins Kino gehen. Das ist dem Butler und den Hausherren egal. Ihre Tonne ist leer. Sollen sie eben was richtiges arbeiten.

Und Werbeblocker auf dem Computer oder auf mobilen Geräten – im Browser zum Beispiel – sind nichts anderes als diese „Keine Werbung“-Schilder. Ich kann das im mobilen Internet sogar verstehen, da dort ja dummerweise das Datenvolumen endlich ist. Und bei Webseiten, bei denen man die Inhalte vor lauter Werbung mit der Lupe suchen muss, ist es einfach nur störend.

Aber diejenigen, die alle Webseiten kostenfrei mit Werbeblockern konsumieren, sind auch diejenigen, die mit dem Plastebeutel die kostenlosen Einwahl-CDs in den Neunzigern bergeweise heim geschleppt haben. Und das sind auch diejenigen, die sich darüber aufregen, wenn in ihrem Lieblingsclub an der Tür steht „Nur mit Eintrittskarte“. Bei Webseiten ist das die Paywall, also eine Bezahlschranke.

Die sind dann meistens auch beratungsresistent. Die kommen dann stets und ständig mit der Selbst-Schuld-Argumentationskeule. Und wenn sie nur mit Bezahlschranke noch Inhalte konsumieren können, sind sie auch nicht erfreut. Werden sie dann erkennen, dass Werbung im Internet richtig und wichtig ist, um Inhalte kostenlos für alle zur Verfügung zu stellen und so zur freien Meinungsbildung beizutragen? Ich glaube nicht. Denn dann kommen sie mit der Ihr-wollt-euch-an-mir-bereichern-Argumentationskeule. Und dann legen sie den nächsten kostenlosen Spotify-Account mit der nächsten Wegwerf-Email-Adresse an.

Mir ist klar, dass viele jetzt über den Artikel den Kopf schütteln werden und mir mit wohlklingenden Argumenten kommen werden. Denn die Werbebanner spionieren ja den Nutzer aus und stellen fest, dass er vor dem Rechner popelt. Aber wenn irgendwann alle Nachrichten und Webseiten kostenpflichtig sind und sie nichts mehr erfahren, weil die Nummer mit dem Vagabundieren von Kostenlos-Account zu Kostenlos-Account auch nicht mehr funktioniert, werden sie dann sagen, dass Werbebanner doch nicht die blödeste Idee ist? Und werden sie dann denken, dass sie besser für Musik bezahlt hätten, wenn nur noch einfallsloses Geplärre fabriziert wird? Man weiß es nicht. Aber vielleicht wissen es die Opossums?

Aber wissen Sie was? Ich lasse mich künftig – wenn alles klappt – über die Kopierer-Abgabe und dergleichen bezahlen. Also jedes Buch, das sich die Beutelratten ausleihen, um es dann über Scanner und Kopierer zu vervielfältigen, dient der Finanzierung dieser Webseite. Insofern wird doch noch alles gut.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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