Skip to main content

Windows 10 – Kritische Datenschutz-Einstellungen

Microsoft, warum macht ihr so etwas? Ihr tut so, als ob ihr nur gutes wollt, und dann führt ihr die Nutzer von Windows 10 hinter die Fichte. Das habt ihr doch nicht nötig. Ehrlich, so etwas macht man nicht. Mir wurde eine längere Sammlung von Screenshots der Datenschutz-Einstellungen zugespielt, die ich so nicht akzeptieren kann. Oder vielleicht doch? Ist das Alles wirklich so schlimm? Ich bin hin und her gerissen. Also schauen wir mal.

Datenschutz-Einstellungen eines englischen Windows 10 - möglicherweise verbreitet über FaceSpybook
Datenschutz-Einstellungen eines englischen Windows 10 – möglicherweise verbreitet über FaceSpybook (zum Vergrößern bitte klicken)

Die Datenschutz-Einstellungen in Windows 10 sind so, dass verschiedene Dinge einfach mal Kopfschütteln verursachen. So finden wir folgende Einstellungen (mit einer kurzen Erklärung):

  • Feedback: Microsoft hat Windows 10 so eingestellt, dass es regelmäßig Feedback an den Konzern liefert. Wie soll denn bitte Windows besser werden, wenn die Nutzererfahrungen nicht eingesammelt werden?
  • Sprache und Eingabe: Hier schreibt Microsoft, dass Informationen wie Kontakte, aktuelle Kalendereinträge, Sprache, das Handschriftmuster und die Historie der Eingaben gesammelt werden. Schaltet man dies aus, ist kein Diktat mehr möglich (also Spracheingabe). Microsoft schreibt hier von „We“, also „wir“, aber eigentlich sammelt hier nur Windows selbst. Denn es soll sich so verhalten, wie sich das der Nutzer vorstellt. Es geht auch um Suchvorschläge und Reaktionen auf Sprachbefehle und um die Personalisierung von Windows.
  • Windows Defender: Microsoft legt sehr viel Wert auf Sicherheit. Und das funktioniert nun mal mithilfe des Windows Defenders. Es ist schlichtweg nicht vorgesehen, diesen auszuschalten. Macht man es dennoch, wird der Windows Defender automatisch nach einer Weile wieder angeschaltet. Ist das schlimm? Wenn ja, dann sollte man vielleicht ein anderes Antiviren-Programm nutzen. Ende im Gelände.
  • Automatische Updates: Ja, die werden automatisch drauf geprügelt, und der Windows-Nutzer kann sich nicht dagegen wehren. Aber im Smartphone-Bereich beschweren sich doch alle, dass zu wenige Updates kommen. Nun ja, was soll da jetzt schlimm sein? Auch hier wieder das „We“, dass „wir“ den Computer neustarten. Aber der Windows Update Service macht das. Was ist da jetzt schlimm? Updates sind wichtig. Alle Welt rät dazu, einen Computer aktuell zu halten. Jetzt hat Microsoft das so fest eingebaut, da passt es auch wieder niemandem.
  • Startmenü: Gelegentlich werden Empfehlungen an Apps – also Programmen – und Inhalten angezeigt. Das kann man auch abschalten. Ich halte das nun wirklich nicht für schlimm. Aber ich kann mich täuschen.
  • Account: Wer mit einem lokalen Konto an Windows 10 angemeldet ist und nicht mit einer Live-ID, der wird darauf hingewiesen, dass Windows besser ist, wenn Einstellungen und Dateien automatisch synchronisiert werden. Deshalb soll man sich mit einem Microsoft-Konto anmelden. Hinweis: Das ist von Vorteil, wenn zum Beispiel auf einen anderen Computer umgezogen werden muss, wenn Dateien mit OneDrive synchronisiert werden sollen und so weiter. Etwas kritisches sehe ich hier nicht.
  • Keylogger: Das ist das wirklich bedenkenswerte. Tastatureingaben und die Browser History werden zu Microsoft übermittelt. Irgendwo muss das ja gespeichert werden. Und wo denn, wenn nicht bei Microsoft? Was im Browser eingetragen wird, kann auch auf das Windows Smartphone synchronisiert werden. Das funktioniert beim Google Chrome seit langem. Und da beschweren sich auch nicht allzu viele Leute.

Ja, die Privatsphäre steht auf dem Spiel. Und vielleicht werden wir alle sterben. Aber wenn wir das Alles mal nüchtern betrachten, dann ist das gar nicht so schlimm, was da Microsoft gemacht hat. Der Echtzeitschutz des Windows Defender kann logischerweise nur arbeiten, wenn er denn aktiv ist. Das ist bei jedem Antivirenprodukt so. Und wie soll denn Windows immer weiter personalisiert werden, wenn es keine Daten sammelt?

Wem das Alles nicht passt, der kann sich ja mal durchlesen, was DoNotSpy10 da bereinigt. Wem die Einstellungen, die da Microsoft eingerichtet hat, nicht passen, der sollte sich dieses kostenfreie Tool einmal anschauen. Und es ist einfach mal so, dass man sich auch belesen muss, wenn man etwas kritisiert. Ich kann die Kritik durchaus nachvollziehen. Ich hatte auch erstmal wegen des Bildes einen Schreck bekommen. Und jeder hat da seine eigene Schmerzgrenze. Jemanden dann zu beschimpfen, weil die Datenschutz-Einstellungen so anders sind als früher, ist nicht der richtige Weg.

Wie dem auch sei – Microsoft bietet eine lange Webseite an, auf der man die Datenschutzbestimmungen des Konzerns nachlesen kann. Es ist nun einmal so, dass Microsoft zwar Daten sammelt, aber bestimmt nicht mehr als Google oder Apple. Wer Google-Dienste (Android, GMail, Google Suche oder derartiges) oder Apple-Dienste (iPhone, iTunes, was auch immer) nutzt, der muss auch akzeptieren, dass die Daten gesammelt werden. Gab es da einen großen Aufschrei? Nein. Warum aber jetzt bei Microsoft?

Lesen Sie einfach mal die drei Links hier im Artikel. Am besten vollständig. Microsoft bietet unfassbar viel. Um es richtig nutzen zu können, müssen auch diverse Daten übermittelt werden. Und wenn ich wie beim Google Chrome eben meine Lesezeichen, Kennwörter und die Browser History vom Computer zum Android Smartphone synchronisieren will, muss ich das Datensammeln akzeptieren. Da man sich mit seiner Live-ID, dem Microsoft-Konto also, an einem Windows 10 Rechner anmelden kann und seine Einstellungen synchronisieren lassen kann, müssen nun einmal auch Daten gesammelt werden.

Die Frage, die sich da abschließend stellt, ist: Führt Microsoft wirklich die Nutzer hinter die Fichte? Ist es wirklich den Aufschrei wert, der da fabriziert wird? Und am Ende des Tages muss man seinem Dienstleister – im Falle von Windows 10 ist das nun einmal Microsoft – vertrauen können. Ohne Vertrauen keine Beziehung, auch keine Geschäftsbeziehung.

Verteilen Sie diese Erkenntnis doch einfach wie 5 andere auch

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 Gedanken zu „Windows 10 – Kritische Datenschutz-Einstellungen

  1. Interessanter Bericht und gute Übersicht der diversen Datenschutzeinstellungen.
    Da hat wohl jeder eine andere Meinung dazu. Für mich sind zum Beispiel einige Punkt unnötig.

    Als Beispiel Keylogger: Ich muss mein Smartphone nicht synchronisieren. Arbeite sowieso nur am PC/Notebook.

    Da ich aber so lange wie möglich nicht auf Windowas 10 umsteigen werde, betrifft mich diese Thematik zum Glück eh nicht.

    (Wobei diese Themen sowieso bei jedem neuen Windows aufkommen. :D )

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.