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Wir netzwerken uns zu Tode

Es gibt die VZ-Netzwerke, die Business-Netzwerke Xing und LinkedIn, es gibt Twitter und Facebook sowie seit neuestem Google+. Man fragt sich ernsthaft, wozu man das alles braucht, ist aber wahrscheinlich überall angemeldet und schreibt dort fleißig herum. Was soll das alles?

Immer wieder liest man darüber, dass es ein Muss sei, sich „zu vernetzen“. Dabei werden wunderbare Wortkreationen geschaffen. Da liest man die Werbung „Heute schon gexingt?“, man „twittert“ und retweetet“, Artikel werden „geliked“ usw. Ach ja, ich vergas das fast antiquierte „Googlen“. Googlet man dann eigentlich auch bei Google+?

Werbestrategen und Internetexperten propagieren das inflationäre Anmelden in allerlei Netzwerken, da der geneigte Benutzer eventuell wichtige Informationen verpassen könnte. Bei Heise Developers hat der Benutzer „das vorletzte Einhorn“ folgende sehr klugen Fragen gestellt: „Haben wir denn nicht jetzt schon mehr Information als wir brauchen? Und sehr viel mehr Information, als wir sinnvoll verarbeiten können? Und sind die meisten nicht jetzt schon hoffnungslos überfordert mit der ganzen Netzwerkerei? Und wenn irgendwann alle nur noch damit beschäftigt sind, ihre Netzwerke zu pflegen, wer macht dann die ganze Arbeit?“

Und derlei Fragen sollten uns zum Innehalten auffordern. OK, es ist unheimlich angesagt, der Welt mitzuteilen, dass das Kind die erste Nacht ohne Windel geschlafen hat. Es ist auch sehr sinnvoll, bei Facebook über seinen derzeitigen Chef herzuziehen und dann bei einem ebenfalls „facebookenden“ neuen Arbeitgeber dadurch negativ aufzufallen. Information schön und gut, aber wie schön war die Zeit, in der man nicht alles wusste. Wie schön waren da Besuche, da man dann auch noch Gesprächsstoff hatte.

Bernd Oestereich schreibt in seinem Beitrag bei Heise vom „gesellschaftlichen Betriebssystem“. Und irgendwie kommt sich der geneigte Leser mehr und mehr wie ein Teil der „Matrix“ vor. Man erwartet jeden Augenblick ein Programm dieser Matrix, also einen „Agent Smith“, der unvermittelt um die Ecke geschnellt kommt und einen jeden Ausreißer in die Schranken weist.

Klar, das sind sicher alles Hirngespinste. Ich sehe aber bei den sozialen Netzwerken auch die Gefahr, dass sie damit anfangen könnten, ihre Macht auszuspielen. Können Sie sich z.B. daran erinnern, wann Sie einer Facebook „App“ gegenüber den Zugriff auf Ihre persönlichen Daten verwehrt haben? Macht besteht zu einem großen Teil aus Information, also aus Daten. Und wenn die Rede von einem gesellschaftlichen Betriebssystem ist, wird dieses die Daten, mit dem man es füttert, gnadenlos auswerten.

Und diese Gefahr sehe ich kommen. Daher sollte mehr darauf geachtet werden, dass man nicht überall wahllos mit allem, was den Einzelnen ausmacht, registriert ist. Manchmal ist weniger mehr.

Ja, auch ich arbeite mit Twitter, Facebook, LinkedIn, Xing und MeinVZ. Über Twitter verbreite ich die hier veröffentlichten Beiträge. Bei MeinVZ sind viele meiner wiklichen Bekannten, viele davon sind zu Facebook gewechselt. Xing half mir dabei, neue Informationen (da sind sie schon wieder) zu erhalten. Mit LinkedIn gehe ich so gut wie gar nicht um. Wenn ich mir diese Liste anschaue, wird mir schlagartig bewusst, dass ich selbst auf bestem Wege bin, mich zu Tode zu netzwerken. Daher werde ich mich wohl von dem einen oder anderen Netzwerk trennen. Und das sollte der eine oder andere „Hochleistungsnetzwerker“ auch tun. Man verliert ja noch den Überblick. Ist das denn ein guter Weg?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 Gedanken zu „Wir netzwerken uns zu Tode

  1. Hallo,

    dieser Artikel spricht mir aus der Seele. Ich nutzte soziale Dienste, ausschließlich für geschäftliche Zwecke. Mit den Daten gehe ich sehr sparsam um ;)

    Ich glaube auch, dass wir alle gehörig auf den Kopf fallen werden, wenn wir wüssten, wie gut das Internet uns kennt.

    beste Grüße

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