Skip to main content
Smartphone - (C) Geralt Altmann CC0 via Pixabay.de Smartphone - (C) Geralt Altmann CC0 via Pixabay.de

Smartphone-Datenvolumen: Deutschland ist Entwicklungsland

Da brüsten sich die Anbieter in Deutschland, welche tollen Angebote sie beim Smartphone haben. Verschwiegen wird, wie schlecht sie doch sind. Im EU-Vergleich hinkt da Deutschland – wie auf so vielen anderen Gebieten – hinterher. Und trotzdem erzählen uns die Telekom, Vodafone, E-Plus und O2 (ja, beide gehören zusammen) einen, dass sie die Größten sind und ganz obertolle Leistungen anbieten. Einen Dreck machen sie.

Von Finnland lernen, heißt Siegen lernen. Ob es die Gesundheit ist, wo die Nordeuropäer die beste Versorgung haben, oder die Leistung der Laufzeitverträge im Mobilfunk – die Finnen sind bei so vielem Weltklasse. Und dagegen stellt sich Deutschland hin und verkündet immer wieder, dass man hier einen Hightech-Standort habe. Aber bei der Nutzungsmöglichkeit des Hightech-Standorts sind wir irgendwie ganz übel dran, wie man an folgender Tabelle sieht:

LandDatenvolumen in GB
für 35 €/Monat
Finnland50
Frankreich20
Großbritannien20
Dänemark20
Schweden20
Österreich13
Polen10
Italien7
Tschechische Republik4
Spanien3
Deutschland1
Ungarn0,1
EU-Durchschnitt5
Quelle: Die Welt

Ernsthaft: Deutsche Mobilfunk-Nutzer haben eine lächerliche Internet-Flatrate von 1 Gigabyte pro Monat, wenn sie im Schnitt 35 Euro im Monat bezahlen. Da lachen uns doch die Tschechen, Polen, Dänen und erst Recht die Finnen aus. Und das beim gleichen Preis. Auch EU-Neulinge wie Estland haben da bessere Verträge als die Deutschen. Nur Ungarn ist mit 500 MB pro Monat noch schlechter dran. Und wie gesagt: Das Alles zum gleichen Preis. Womit rechtfertigen die Anbieter in Deutschland den schamlosen Griff ins Portemonnaie der Nutzer eigentlich?

Es sollen historische Gründe sein, die das mobile Internet in Deutschland so teuer machen, erzählt eine Frau Blöcher vom Vergleichsportal Verivox der WELT. Die deutschen Anbieter lieferten sich 2000 bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen auf dem Höhepunkt des Booms um das Internet eine Milliardenschlacht. Und die Kosten dafür brummen sie immernoch ihren Kunden auf. In anderen Ländern wurden keine so astronomischen Fantasie-Summen für UMTS-Lizenzen bezahlt. Und damit erklärt sich auch der hohe Preis. Zudem würden in anderen Ländern Subventionen greifen.

Aber ehrlich: Warum sind da die Anbieter und die nationalen Behörden in anderen EU-Ländern um so vieles schlauer als in Deutschland, wenn sich doch die Deutschen immer als so superschlau hinstellen? Hier zeigt sich doch, dass der Blick von oben herab, den die Deutschen gern an den Tag legen, heillos überholt ist. Wenn auf dem Portemonnaie des deutschen Nutzers herumgeritten wird, weil sich die Anbieter durch diese wahnwitzige Bieterei fast selbst liquidiert hatten, ist das Konzept doch irgendwie nicht schlüssig.

Wenn ich mir überlege, was da alles im Kommen ist. Der Sascha Pallenberg nennt die Dinge beim Namen. Und wenn ich mir das so recht überlege, dann sehe ich Deutschland über kurz oder lang auf dem Abstellgleis:

Smart Homes, Smart Cars, Smart Cities, IoT und Industrie 4.0… ohne grenzenloses Datenvolumen wird hier in Zukunft nicht viel vorwaerts gehen und genau deshalb muessen wir hier mal Fakten schaffen.

Da wollte sich Kanzlerin Merkel um den Breitbandausbau und damit um den Ausbau des Mobilfunks und so etwas kümmern, wie ich mich erinnere. Ganz groß sollte das Alles werden. Aber wenn für sie und die ganze Bundesregierung das Internet nach wie vor Neuland ist, braucht man sowas auch nicht. Wozu soll man dann die Infrastruktur dafür bauen? Und so wird Deutschland über kurz oder lang technologisch verkümmern und uninteressant werden. Aber vielleicht liegt der Fall ja auch ganz anders.

Vielleicht ist es ja so, dass auch hier das Etikett „Made in Germany“ drauf steht. Ich habe so die vage Vermutung, dass da die Datenautobahn des Bundesdatenautobahnministers Alexander Dobrindt eine Rolle spielt. Und Daten sind in Deutschland dann im mobilen Internet nur so teuer, weil die Maut dabei gleich entrichtet werden muss. Ehrlich, wem will man denn hier erklären, dass die Preise immernoch derart hochgehalten werden wegen einer UMTS-Versteigerung vor 15 Jahren, die die Anbieter selbst verschuldet haben?

Ich denke eigentlich, dass die Anbieter da selbst für gerade stehen müssen. Nicht die Kundschaft. Der Sascha Pallenberg zahlt zum Beispiel in Taiwan auch so etwas um die 35 Euro im Monat und kann surfen, bis der Arzt kommt. Da gibt es keine Limitierung, kein gar nichts. Warum zum Geier ist das in einem Hochtechnologie-Land wie Deutschland nicht möglich?

Verteilen Sie diese Erkenntnis doch einfach wie 0 andere auch

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

4 Gedanken zu „Smartphone-Datenvolumen: Deutschland ist Entwicklungsland

  1. Deutschland ist im technologischen Sinne gut besiedelt. Leider jedoch nicht im innovativen Sinne. Da hinkt Deutschland Meilenweit hinterher. Die Mentalität vieler Entscheider (besonders im IT Sektor) ist ehr zurückhaltend bis ängstlich neuem Gegenüber. Sätze wie „Das ist doch noch gut, wozu brauchen wir denn da was neues?“ oder „Das ist doch erst 5-7 Jahre alt. Das muss schon noch ne Weile halten“ gehören zu den Sätzen die ich oft vorgetragen bekomme. Dabei müssen wir gar nicht bis über den großen Teich schauen was da in den USA so abgeht (und das geht besonders in meinem technischen Bereichen extrem was ab), sondern nur mal zu unseren holländischen Nachbarn. Ich hoffe das wir hier in Deutschland diese Entwicklungen nicht komplett verschlafen.

    1. Ja, die Gefahr ist absolut gegeben. Und es wird nicht mehr lang dauern, bis unsere direkten Nachbarn auslachen. Aber solche Dinge wie „Das geht doch noch“ erlebe ich in meinem Umfeld auch täglich. Da werden Serversysteme eingesetzt, die seit Jahren das Prädikat „End of Life“ haben, weil das ja bisher funktioniert hat. IT darf eben nichts kosten. Und so kommt es dann eben auch zu solchen Entwicklungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.