Ubuntu4Phone, FirefoxOS, Tizen – Es wird eng für Android

Im Moment ist Google noch die unangefochtene Nummer 1 im Segment der mobilen Betriebssysteme. Android ist derzeit der Klassenprimus, gefolgt von Apples iOS. Aber die Zeiten könnten sich demnächst ändern, wenn die volle Linux-Breitseite auf den Markt kommt. Nehmen wir einmal kurz den Bestand auf.

Derzeit ist die Verteilung der mobilen Betriebssysteme relativ deutlich. Diese stellt sich in etwa so dar:

  1. Android
  2. iOS
  3. Windows Phone
  4. Blackberry OS
  5. Andere (bada, Symbian, MeeGo etc.)

Dabei stellt wohl allein Android einen Anteil von über 40%. Aber in diesem Jahr drängen einige weitere mobile Betriebssysteme auf den Markt. Diese fußen – genau wie Android und das beerdigte Bada – auf einem Linux. Diese Systeme sind:

  • Tizen
  • Ubuntu4Phone
  • FirefoxOS

Schauen wir einmal kurz nach den Aspekten der einzelnen Neulinge.

Tizen – Klassenprimus der alternativen Betriebssysteme

Tizen existiert ja schon eine ganze Weile. Wie ich schon des öfteren berichtete, handelt es sich bei der Tizen-Verbindung um einen Zusammenschluss namhafter Hersteller und Anbieter. Das System kann aus dem Vollen schöpfen. Einerseits die volle technologische Erfahrung von Samsung, Intel und Co. Andererseits die vertrieblichen und infrastrukturellen Ambitionen der Telecom-Riesen NTT Docomo, Vodafone und Sprint.

Tizen wird auch den enormen Vorteil haben, dass die Benutzer von Samsungs erstem Alleingang Bada recht positiv auf Tizen blicken und dem System zumindest eine Chance geben werden. Eine gewachsene Community mit den Bada-Hinterlassenschaften runden das Ganze dann ab.

Der größte Knackpunkt wird sein, ob populäre Apps wie WhatsApp, Dropbox und Co. den Weg zu Tizen finden werden. Sollte dies gelingen, wird dieses System ein sehr scharfer Konkurrent für Android.

Ubuntu4Phone – Vom Desktop zum Smartphone

Gestern platzte die Nachricht in die IT-Szene: Ubuntu kommt aufs Handy. Es basiert auf Treibern und Kernel von Android und setzt sonst auf eine bewährte Funktionalität des beliebten Linux-Systems.

Der unwahrscheinliche Vorteil des Systems ist, dass Apps nativ auf dem PC programmiert werden können und ebenso nativ zum Smartphone-Betriebssystem portiert werden können und dass sie genauso gut als WebApp via HTML5 genutzt werden können.

Knackpunkt dieses Systems wird sein, ob Canonical, der Hersteller von Ubuntu, Hardware-Hersteller für sich gewinnen kann. Denn ohne Smartphone wird sich das System nur in einer kleinen Gemeinde verbreiten.

FirefoxOS – Webtechnik auf dem Smartphone

Interessant ist auch, was derzeit Mozilla baut. Das FirefoxOS soll ein System sein, dass voll und ganz auf Webtechnologien wie HTML5, CSS oder JavaScript aufbaut. Darunter arbeitet ein verschlankter Linux-Kernel. Zwischen Webtechnologie und Kernel arbeitet die HTML-Render-Engine Gecko, die vielen ein Begriff sein sollte.

FirefoxOS wird wahrscheinlich den ungemeinen Vorteil haben, auf ausgereifte Webtechnologien und gewachsenes Know-How zugreifen zu können. Zudem hat Mozilla mit den Telecom-Konzernen Telefónica und der Deutschen Telekom sowie den Herstellern Alcatel und ZTE feste Partner für Bau, Konzeption, Infrastruktur und Vertrieb.

Problematisch wird wohl sein, dass der Name FirefoxOS noch nicht sehr weit verbreitet ist und durch den Vorgänger-Namen Gecko2Boot den Charme eines Nerd-OS haben könnte. Außerdem könnte das überproportionale Setzen auf Webtechnologien dem Ganzen eine gewisse Instabilität verleihen.

Die alternativen Systeme in der Übersicht

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Fazit

Aufgrund der gewachsenen Benutzer-Community und der großen Erfahrung von Samsung und Huawei im Markt der Smartphones rechne ich Tizen die größten Chancen aus, sich durchzusetzen. Es mag sein, dass sich nicht sofort ein Erfolg einstellt. Ich gehe sogar stark davon aus. Aber sobald das erste Tizen-Handy auf dem Markt ist und einen guten Eindruck hinterlässt, ist der Weg frei für den Bada-Nachfolger.

So lang Ubuntu4Phone ohne feste und engagierte Hardware-Partner dasteht, wird es Canonical schwer haben, so gut der erste Eindruck vom System vielleicht sein mag. Und FirefoxOS wird wohl etwas für Fans bleiben.

Wie dem auch sei, für Android könnte die Luft dünner werden. Ich sehe die Marktanteile von BlackberryOS, Windows Phone und iOS weniger in Gefahr, da die Zielgruppe relativ fest steht. Aber im Android-Markt könnten die drei Neuen durchaus wildern gehen.

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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Veröffentlicht unter Mobil
2 Kommentare auf “Ubuntu4Phone, FirefoxOS, Tizen – Es wird eng für Android
  1. Martin Roscher sagt:

    Gesundes neues Jahr wünsche ich noch und wollte mich bedanken für diesen Artikel und die vielen guten Artikel im letzten Jahr, bitte weiter so!

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