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„2017: What the fuck is going on?“ – The KLF kommen zurück

26 Jahre ist es her, dass das oben abgebildete legendäre Album „The White Room“ erschien. Seit 23 Jahren sind The KLF weg von der Bühne als Projekt. Jimmy Cauty und Bill Drummond zogen sich mit lautem Getöse von der Musikwelt zurück. Und es hieß, dass sie nie wieder Musik machen würden, so lange auf der Welt Krieg herrschen würde. So ganz haben sie sich dann nicht daran gehalten. Aber als Musikprojekt The KLF waren sie weg. Nun kommen sie zurück.

Die Musik von The KLF wurde im Genre Elektronika einsortiert. Das kann alles und nicht sein. Sie gelten als Erfinder gleich mehrerer Genres, die alle irgendwie elektronisch sind. So sind sie die Erfinder von Chill Out, jener Ambient-Musik, die ihren Reiz aus dem Einfangen und Verweben von Klängen, Eindrücken und Umgebungsgeräuschen bezieht. Sie tüftelten mit dem Geräusch des Zugfahrens, mit Kuhlauten und so weiter und so fort. Das Album nannte sich „Chill Out“. Und der Stil war geboren.

Das Alles war 1990. Aber die Geschichte fing ja viel eher an. Als „The Justified Ancients of Mumu“ warfen sie ein musikalisches Desaster auf den Markt, dass da „1987 (What the fuck is going on?)“ hieß. Darin wurde das legendäre „Mind the Gap“ der Londoner U-Bahn eingefangen, es wurden Samples der Sendung „Top of the Pops“ verwurstet, und man bediente sich an den Beatles mit „All you need is Love“. In den Independent Charts ging diese Platte damals bis auf Platz 5.

Es folgte ein Jahr später „Who killed the JAMs?“ als Mixtur aus Acid House und Hip Hop, wie sie nicht so häufig zu hören war. Auf dem halbstündigen Album befindet sich als letztes das Stück „Burn the Bastards“. Kopien des Debüt-Albums „1987 (What the fuck is going on?)“ wurden in einem großen Feuer auf einer Wiese in Schweden verbrannt, weil man sich in einem Urheberrechtsstreit mit ABBA befand. Diese Kopien wurden Bastards genannt. Der Grund war dann später.

1989 kam dann „Shag Times“ von „The Justified Ancients of Mumu“. Das war eine Art Remix-Album. Es befinden sich darauf solche Sachen wie „Whitney joins the JAMs“, was ein „I wanna dance with somebody“ im Remix ist. „Down Town“ von Petula Clark wurde durch den Kakao gezogen, und es gab noch so einige Spielereien. Legendär wurde dann allerdings die Interpretation „Doctorin‘ the TARDIS“: Die Filmmusik von „Doctor Who“ – „Rock’n’Roll Part II“ von Gary Glitter – wurde mit „Blockbuster“ von The Sweet und „Let’s get together tonite“ von Steve Walsh verquirlt.

„The „What Time Is Love?“ Story“ folgte im gleichen Jahr. Das war mehr oder weniger eine Maxi-Single zu „What time is love“ im Original. Ein paar Monate drauf wiederum folgte das oben angesprochene „Chill Out“ und die Geburtsstunde der gleichnamigen Musikrichtung.

Das Album ist quasi ein einziges, langes Stück. Knapp 45 Minuten lang haben wir eine phänomenale, sphärische Mischung aller möglicher Klänge. Da hört man irgendwo in der Ferne Elvis sein „In the Ghetto“ singen. Man wird mit den weltbekannten Steel Guitars durch die Landschaft begleitet. Schafe blöken, Züge fahren vorbei, das für Fans legendäre „Madrugada Eterna“ kommt zu Gehör, die „Kirche“ des Mumu Lands wird besucht. Das Album ist als Reise zu begreifen. Und so hatte es sich auch angehört.

Und dann kam „The White Room“. Ich habe darüber bereits vor langem geschrieben. Und es musste eine neue Musikrichtung erfunden werden. Das gesamte Album ist gefüllt mit der so genannten „Crowd Noise“. Das ist der Lärm, den Zuschauer im Stadion machen. Aus diesem Grund war dann die neue Musikrichtung eben „Stadium House“. Professionelle Rapper und Sänger wurden gefunden, und das Album wurde ein riesiger Hit. Es war vor allem das „What time is love“ mit den „Children of the Revolution“:

Und der Hype nahm ungeahnte Ausmaße an. Tammy Wynette sang vom Eiscreme-Wagen in „Justified and Ancient“. Mit „3 A.M Eternal“ ließen sie den südafrikanischen Piratensender „Radio Freedom“ sprechen und schießen. Und es war laut und legendär. The KLF waren nicht mehr wegzudenken. Und ein Nachfolger-Album namens „The Black Room“ wurde dann nie veröffentlicht. Und es war dann Schluss. Denn sie übertrieben es.

1992 sollten sie für „The White Room“ den BRIT Award erhalten. Sie traten zu diesem Anlass mit der Grindcore-Band „Extreme Noise Terror“ in Erscheinung, schossen mit Platzpatronen ins Publikum und warfen auf der After Show Party ein totes Schaf ins Publikum. Danach hörte man „The KLF haben das Musik-Business verlassen“. Was blieb, ist eine legendäre Musik. Aber The KLF waren ja nicht weg vom Musik-Geschäft. Sie traten dann immer wieder in Erscheinung.

Sie kamen als alte Männer unter dem Namen „2K“ um die Ecke und zelebrierten „K Cera Cera (The War is over if you want it)“ und ließen den alten Namen „The Justified Ancient of Mumu“ neu aufleben, als auf einmal „It’s grim up north“ zu hören war. Und sie verbrannten eine Million britische Pfund. Und sie vernichteten zur Show ihre Instrumente und gaben an, dass sie erst wieder zurückkommen würden, wenn Frieden herrschen würde.

Aber es gab nebenher einen ganzen Sack voller musikalischer Projekte, bei denen sie die Finger im Spiel hatten. „The Orb“ war eines davon. „Transit Kings“ ein anderes. Sie gründeten einen Verein namens „The K Foundation“. Und in all der Zeit hatten sie immer wieder junge, musikalische Projekte. Und sie hatten unsagbaren Einfluss auf alles, was elektronische Musik betraf. So sollen sie Vorbild für The Chemical Brothers gewesen sein. Aber das sind Gerüchte. Der gesamte Musikkatalog der „K Foundation“ bleibt verschollen und gelöscht.

Und im Januar 2017 wurde letztlich bekannt, dass sich Jimmy Cauty und Bill Drummond wieder als The KLF in die Öffentlichkeit wagen. Und sie fragen wie vor 30 Jahren: „What the fuck is going on?“ – also: Was zum Teufel geht hier vor sich? Es heißt aber auch, dass sie wieder „The Justified Ancients of Mumu“ sein werden. Es gibt auch ein Label dazu namens „K2 Plant Hire Ltd.“. Und dann hoffe ich mal wieder auf so etwas wie 1991 / 1992, als die Welt wegen The KLF wackelte:

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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