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28 Jahre „The Pacific Age“ von OMD

28 Jahre ist eine lange Zeit. Es war die Zeit, in der die 4 Herren plötzlich zu sechst waren und sich anschickten, die USA endgültig zu erobern. Es war auch die Zeit, in der OMD endgültig zu Popstars wurden. Aber auch hier zeigten sich die Herren so, wie man sie kennt: Vordergründig Pop, aber mit Kritik und Eigenwilligkeit durch die Hintertür. „The Pacific Age“ ist das amerikanischste aller OMD-Alben, und das möchte ich kurz vorstellen.

Los geht’s mit „Stay (The black Rose and the universal Wheel)„. Die spröde Pop-Nummer erzählt darüber, dass sie denkt, gehen zu müssen. Er fordert sie zum Bleiben auf, obwohl sie ihm entfleucht wie eine schwarze Rose. Die recht harte Nummer war eine potentielle Single, wurde aber zugunsten eines anderen Liedes verworfen. Aber sie ist ein echter Wachmacher, oder?

Der große Hit des Albums ist das weltbekannte „(Forever) Live and die)“ (als Maxi-Version verlinkt). Vordergründig ein Lied über eine zerbrochene romantische Partnerschaft, handelt das Lied über die Enttäuschung über das Verhalten der Plattenfirma Virgin Records. Sie fühlten sich verraten und verkauft. Und die Band weiß nicht, warum man ewig so weitermachen soll.

Das Titelstück „The Pacific Age“ kommt schwer orchestral daher. Es geht um das friedliche Zeitalter, Es kommt wie Regen und wächst stark. Es ist eine Mahnung an die Welt, den Kalten Krieg doch endlich bleiben zu lassen. Denn am Ende verliert man das Ganze eh. In der Endkonsequenz würde es nur Verlierer geben. Und es ist die Hoffnung, dass die „Dämmerung“ von Ost nach West hereinbricht. Ein Antikriegslied sonders gleichen, wie ich finde.

The dead Girls“ erzählt von den Nonnen in Klöstern. Mithin wird hier die Kritik an der kritiklosen Allmacht der Kirche geäußert, wie auch schon bei „Maid of Orleans“ Jahre zuvor oder „Sister Marie says“ Jahre später. Das Lied ist sicher nicht für jeden etwas, weil es eben auch ein großes Stück experimentell ist. Die orchestrale Note wird hier fortgeführt, und es ist ein Spiel von Arie, Klangexperiment und Synthie-Musik.

Das Lied, das „Stay…“ als Single vorgezogen wurde, ist ausgerechnet „Shame„. Das leichtfüßige Lied in einer Mischung aus Chanson und Cha Cha Cha erzählt über das Ende einer Beziehung. Es ist eine Schande, wie diese geendet hat. Für mich ist das Lied ein wunderbares Stück Musik. Aber es war viel zu schade, ausgerechnet dies als Single zu bringen. Hier hatte die Plattenfirma offenbar auch wieder über die Köpfe der Band hinweg entschieden, wie sie es bereits bei „Never turn away“ tat.

„Southern“ ist dann Südstaaten-Musik, mit gewaltigen Bläser-Arrangements. Leider kann ich Ihnen dieses Stück aus Deutschland heraus nicht vorspielen, da Youtube etwas dagegen hat. Hörenswert ist, dass Auszüge aus einer Rede von Martin Luther King das Lied bestimmen. Und hier zeigt sich der Optimismus und der Amerikanismus des gesamten Albums. Schade, Youtube.

Das experimentellste Liedchen auf dem Album ist dann „Flame of Hope„. Die Flamme der Hoffnung brennt in unseren Herzen. Ein seltsames Gefühl zerreißt einen. Und er ruft ihren Namen. Ein wunderbares Liebeslied auf nicht einmal 3 Minuten, wahrscheinlich als eine Art Zwischenspiel gedacht. Eins der positivsten OMD-Lieder.

Mit „Goddess of Love“ geht es dann wieder in die Vollen. So klangen OMD ab 1985 bis Ende der 80er. Pop vom Feinsten, der über die Liebesgöttin erzählt. Ursprünglich war es für den Film „Pretty in Pink“ gedacht, aber es wurde dann doch lieber „If you leave“ hergenommen. In dem Lied geht es um die Frau, die immer volle Kanne geht, und er wird darüber wohl nicht mehr froh werden.

Im gleichen Stil folgt dann der Gassenhauer „We love you“. Ich glaube, es ist ein Lied für die Fans. Es geht um Nachrichten ans Gelobte Land. Sie lieben ihre Fans und würden für sie sterben. Prinzipiell ist das Lied auch eine Nachricht an die Leute hinter dem Eisernen Vorhang, der bis 1989 bestand. Jede Träne über den Fakt seins Bestehens sammeln sie ein für regnerische Tage. Ist das lyrisch oder nicht?

Abgeschlossen wird das Lied durch die Ballade „Watch us fall„. Sieh, wie wir fallen. Alles geht kaputt. Er kennt sie viel zu lang. Auch wenn sie letztes Jahr sagte, sie würde sich niederlassen, kann er es nicht glauben, da sie immernoch umher läuft. Man steigt auf und fällt herunter. Und bei jedem Fall stirbt man ein bisschen mehr. So ist das Leben.

„The Pacific Age“ hatte nicht so die glänzenden Kritiken bekommen. Wahrscheinlich lag es ein wenig mit daran, dass das Album überwiegend Pop-Musik enthielt und irgendwie anders klang als andere OMD-Alben der 80er Jahre. Das Album hinterlässt den Hörer gespalten. Man mag die 40 Minuten als richtig gut und erfrischend abstempeln, weil Lieder wie „(Forever) Live and die“, „Shame“ oder „Watch us fall“ darauf enthalten sind. Andererseits hauen einen die Hochglanz-Pop-Stückchen „Goddess of Love“ oder „We love you“ nicht wirklich vom Hocker.

Die Scheibe war für geschlagene 14 Jahre das letzte OMD-Studioalbum in Original-Besetzung Andy McCluskey, Paul Humphreys, Martin Cooper und Malcolm Holmes. Völlig zerstritten untereinander und zerrieben von der Plattenfirma Virgin Records ging man eigene Wege. Verabschiedet hatte man sich mit dem phänomenalen „Dreaming“ auf der dann 1988 folgenden „Best of“.

In der Folgezeit erschienen unter der Marke „OMD“ die Andy-McCluskey-Solo-Alben „Sugar Tax„, „Liberator“ und „Universal„, bevor er sich der Musikproduktion zuwandte. Die anderen drei Musiker formten in den 90ern das kurzlebige Projekt „The Listening Pool“, bevor dann Martin Cooper einen auf Malerien machte, Mal Holmes Gast-Schlagzeuger und Produzent wurde und Paul Humphreys mit seiner nun zweiten Frau Claudia Brücken das Projekt „OneTwo“ gründete.

Ein Stückweit war Maureen Humphreys, Humphreys erste Frau, auch an dem Scheitern von OMD nach „The Pacific Age“ verantwortlich, aber sie wurden eben auch durch Virgin Records aufgrund des Desasters „Dazzle Ships“ Jahre zuvor drangsaliert. Nur so konnte eine Single-Veröffentlichung „Shame“ stattfinden. Erst 2006 fand die Band wieder zusammen und kam dann 2010 mit dem grandiosen Comeback „History of Modern“ zurück.

„The Pacific Age“ wird wohl immer als Trennungsalbum in Erinnerung bleiben, obwohl man aufgrund der Herz-Attacke von Malcolm Holmes im letzten Jahr und aufgrund der Melancholie auf „English Electric“ nicht weiß, inwiefern überhaupt noch neues Material der Band erscheinen wird. Das Album mit seiner schlechten Reputation hat es schwer, im Gesamtwerk einen würdigen Platz zu finden. Und das wird der Platte nicht gerecht. Oder wie sehen Sie das?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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