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33 Jahre „Speak & Spell“ von Depeche Mode

Vor 33 Jahren veröffentlichten 4 Rotzlöffel aus Großbritannien ihr erstes Album. In Deutschland kam „Speak & Spell“ bis auf Platz 49. Depeche Mode hatten damit also den ersten Achtungserfolg. Ein „Speak & Spell“ ist ein Kinderspielzeug von Texas Instruments, das so etwas wie ein Sprachcomputer ist. Und das Album wurde zu großen Teilen von Vince Clarke geschrieben, der danach aber ausgestiegen ist. Viele kennen die Lieder, zumindest die Singles. Das Album enthält auch eine der erfolgreichsten Veröffentlichungen.

Los geht’s mit dem Party-Stück „New Life„. Die schnelle New Wave Nummer, die Anleihen aus dem Punk hernimmt, erzählt über grundlegende Änderungen. Es geht um Straßen ins Nirgendwo, um fremd gewordene Leute und um verklärte Erinnerungen an vergangene Filme. Also ein Lied über das Erwachsenwerden.

Dann haben wir es poppig mit „I sometimes wish I was dead„. Sie macht ihn heiß und soll nicht aufhören. Aber das Radio erzählte, dass sie gehen müsse. In der nächsten Nacht ist sie wieder bei ihm. So geht das hin und her mit dem On-Off. Und er meint, das sei moderne Liebe.

Es folgt das Stück „Puppets„. Er erzählt, dass er ihre Fäden in der Hand hält. Man könnte der Nummer auch entnehmen, dass jeder Mensch ferngelenkt ist. Er beobachtet ihre Handlungen und Reaktionen. Ihre Gespräche sind sein Werk. Irgendwie bin ich an George Orwell erinnert. Sie auch?

Mit „Boys say go!“ sind wir endgültig im HiNRG-Stil angekommen. Die reine Disconummer geht eigentlich ziemlich ab. Aber es erinnert sehr an das Schaffen von Vince Clarke bei seinem späteren Projekt Yazoo. Es geht auch eigentlich nur um die Aufforderung, endlich anzufangen.

Ein ähnliches Kaliber ist dann „No disco„. Unterm Strich ist der Sinn, dass das Leben kein Ponyhof ist. Das Leben ist eben keine Disco, auch wenn jemand weiß, wie man zu tanzen hat. Und man kann noch so viele 100 Watt in sich haben, aber man treibt es dann eben auch immer viel zu weit.

Das fröhlichste Lied des Albums ist „What’s your name?„, bei dem man glauben könnte, Vince Clarke hätte sich bei den Beach Boys bedient. Es geht um einen überaus gut aussehenden Kerl, von dem jeder den Namen erfahren möchte. Und den möchte man gern dabei haben, um loslegen zu können.

Nahezu Kultstatus erfuhr die New Wave Nummer „Photographic„. Es geht um verschiedene Plätze. Aber eigentlich handelt das Lied von einem, der jemanden verfolgt. Er macht Bilder. Und er entwickelt die Fotos in der Dunkelkammer. Und er erinnert sich an Zeiten mit ihr. Das Lied ist lange Zeit ein absoluter Kultklassiker in Fankreisen der Band gewesen.

Es folgt dann „Tora! Tora! Tora!„. Das war der Funkbefehl der japanischen Truppen beim Angriff auf Pearl Harbor. Und genau das Thema wird kryptisch im Lied behandelt. Er spielte in einem Traum einen Amerikaner und sah, wie sie vom Himmel regneten. Sie spielte ein Skelett und starb am gleichen Tag.

Es wird dann wieder New Wave-lastig, allerdings mit typischen Anfangsachtziger-Disco-Einflüssen. „Big Muff“ ist neben „Tora! Tora! Tora!“ das einzige Stück, das Martin Gore auf dem Album schrieb. Es muss irgendwie eine Laune gewesen sein. Gore hatte ja immer schon ein Faible für solche Instrumental-Stücke. Und „Big Muff“ ist sozusagen der Anfang.

Balladesk konnten sie es da auch schon vor 33 Jahren. Als vorletztes Stück hören wir „Any Second now (Voices)„, gesungen von Martin Gore. Das ist ein perfektes Beispiel, wie Vince Clarke Balladen schrieb. Das Lied strotzt in seinen 2,5 Minuten vor Melancholie. Ein wunderbares Stück, um einfach mal vor dem letzten Lied noch einmal Luft zu holen.

Tja, und dann haben wir einen der absolut größten Hits der Band. „Just can’t get enough“ kommt mit Einfachheit daher. Es geht um das schöne Leben mit der großen Liebe. Man spatziert umher und genießt die gemeinsame Zeit. Und das ist doch irgendwie das, was jeder an einer romantischen Beziehung schätzt, oder? Und dieses locker, leichte Gefühl wird mit diesem Lied zum Ausdruck gebracht.

„Speak & Spell“ ist sicherlich keine kompositorische Meisterleistung. Aber die Platte beinhaltet einige Kultlieder der Band. Die besten Stücke sind für mich „New Life“, „Puppets“, „Photographic“, Just can’t get enough“ und „Dreaming of me“. Bitte was? Das letzte haben wir ja noch gar nicht gehabt. Ja, „Dreaming of me“ ist auf dem ursprünglichen Album auch gar nicht enthalten. Erst später bei Wiederveröffentlichungen war es dabei. Es geht um Träume, was man mit fernen Kumpels auf Parties alles so machen kann. Und aus diesen Träumen macht man einen Film. So einfach war das damals, 1981.

Ich denke, das Album kann man noch nicht in die Reihe der anderen Depeche Mode Alben stecken. Dazu war es zu poppig und zu sehr von Vince Clarke geprägt, der kurz darauf ausstieg und Yazoo gründete. Trotzdem sind die 40 Minuten ein wichtiges Dokument, wie sich die Band entwickelt hat. Aus dieser Ecke kamen also Depeche Mode damals. Ein paar Soundtüftler und ein stadtbekannter Punk-Sänger taten sich unter dem Namen einer französischen Modezeitschrift zusammen und starteten mit einem New Wave-HiNRG-Synthie-Album eine beispiellose Weltkarriere. Das war aber am 05. Oktober 1981 noch nicht abzusehen.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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