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Nachts im Wald - (C) maraisea CC0 via Pixabay.de Nachts im Wald - (C) maraisea CC0 via Pixabay.de

35 Jahre „One hundred Years“ von The Cure

Es geht abwärts bis hin zu immer dunklen Schatten. Die Frage ist: Wie vertont man Depression? Die Antwort ist: Hör dir „One hundred Years“ genau an. Das Lied stammt vom allerersten von insgesamt drei echten Gothic-Alben von The Cure, nämlich „Pornography“ von 1982. Robert Smith setzte sich mit seiner Depression und dem fortschreitenden Drogenkonsum auseinander. Das gesamte Album ist ein einziger Sumpf aus Tod, Glauben, Hoffnungslosigkeit. Und mit „One hundred Years“, dem ersten Stück auf dem Album, gipfelt das Ganze schon am Anfang.

Es spielt keine Rolle, ob wir alle sterben. Ein Wunschtraum im hinteren Teil eines schwarzen Autos. In einem hohen Gebäude gibt es so viel zu tun. Zeit, heim zu gehen, aber da ist eine Geschichte im Radio. Etwas kleines fällt aus deinem Mund. Und wir lachen. Ein Gebet für etwas besseres. Bitte lieb mich, triff meine Mutter. Aber die Angst macht sich breit. Sie schleicht sich an, die Treppen im Dunkeln hinauf. Ich warte auf den Todesstoß. Ich streichle dein Haar, während die Patrioten erschossen werden. Sie kämpfen im Fernsehen für die Freiheit. Sie teilen die Welt mit geschlachteten Schweinen. Haben wir alles? Sie kämpft, um weg zu kommen. Der Schmerz und das schleichende Gefühl. Ein kleines, schwarzhaariges Mädchen wartet auf Samstag. Der Tod ihres Vaters erdrückt sie und drückt ihr weißes Gesicht in den Spiegel. Es tut in mir weh und treibt mich um wie in den alten Tagen. Einen alten Mann streicheln und ein lebloses Gesicht anmalen. Nur ein Stück neues Fleisch in einem sauberen Raum. Die Soldaten kommen näher unter einem gelben Mond. All die Schatten und Auslieferung unter einer schwarzen Flagge. Hundert Jahre voller Blut. Das Band strafft sich um meine Kehle. Ich öffne meinen Mund. Mein Kopf platzt auf. Ein Klang wie ein Tiger, der ins Wasser drischt. Wieder und wieder. Wir sterben einer nach dem anderen. Es fühlt sich wie einhundert Jahre an.

Robert Smith war zu dem Zeitpunkt krank. Depressionen plagten ihn, dazu kamen noch Drogen und Alkohol. Das Alles ergoss sich in die fragile und dunkle Seele des Briten. Seine Stimme wird auf einem Teppich aus grollenden Elektronik-Drums, donnernden Bässen, dröhnenden Keyboards und weinenden Gitarren zerbrochen. Man merkt jedem Ton speziell dieses Liedes den Kampf gegen die Dämonen der Drogen an. Es gibt keinen Ausweg, kein Morgen, keine Hoffnung. „One hundred Years“ ist der Untergang der Menschheit. Man spürt, wie schlecht es Robert Smith 1982 gegangen sein muss.

Mit diesem purpurnen Fluss des Elends wird „Pornography“ eröffnet. Zusammen mit dem weltweiten Meilenstein an Zerstörung „Disintegration“ von 1989 und dem traurigen, Hoffnung spendenden „Bloodflowers“ aus dem Jahr 2000 ist das Album Teil von „Trilogy“, einer losen Trilogie, die nach Ansicht von Robert Smith am besten The Cure beschreiben würde. Die Alben wurden auf einer Tour zusammen gespielt, und es heißt, dass dies die Fans irre gemacht haben soll. Und alles nahm mit dem tief depressiven „One hundred Years“ seinen Anfang, einem Lied, was düsterer nicht sein könnte. Deshalb ist es so ein Meilenstein, deshalb ist es so besonders. Deshalb erinnert sich die Musikwelt an dieses Werk.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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