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Der Ericsson Globe in Stockholm als Austragungsort des Eurovision Song Contest 2016 - Johan Fredriksson [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons Der Ericsson Globe in Stockholm als Austragungsort des Eurovision Song Contest 2016 - Johan Fredriksson [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Eurovision Song Contest 2016 ohne Xavier Naidoo

Ein singender Spitzendiplomat wird gesucht. Beste Chancen darauf hatte Xavier Naidoo. Aber der macht es nun nicht. Er darf einfach nicht. Jemand, der sagt, dass Deutschland über keinen Friedensvertrag verfügt und deshalb immernoch ein besetztes Land ist und nicht frei und souverän, soll eben dieses Land nun doch nicht vertreten. Nun ja, eigentlich war das nicht wirklich einen Artikel wert. Aber wenn ich schon über die Nominierung schrieb, muss ich auch über den Rückzieher schreiben.

Ich erzähle es gern noch einmal: Xavier Naidoo ist ein begnadeter Sänger. Das ist keine Frage. Hören Sie sich einfach mal „Sie sieht mich nicht“ aus „Asterix“ an. Er ist auch ein Autor kolossaler Hits, wie „Dieser Weg“ beweist. Aber dann gibt es eben auch solche Äußerungen von ihm. Sagen Sie es mir, was man von so etwas dann halten soll. Es ist doch dann alles andere als ein Wunder, dass die Nominierung des Mannheimer Sängers große Diskussionen anheizt. Und deshalb wurde die Nominierung Naidoos zurückgezogen.

Ich stimme hier zu, wenn gesagt wird, dass es stil- und taktlos ist, Xavier Naidoo in Zeiten von PEGIDA und Islamischem Staat überhaupt nominiert wurde und nach den Protesten wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen wurde. Mich überrascht es, dass die ARD mit der Nominierung überhaupt diesen Weg gehen wollte. War denen nicht bekannt, wie kritisch die Aussagen Naidoos gesehen werden? Wie weltfremd sind dann solche Leute wie der Unterhaltungskoordinator?

Und die ARD macht es nicht besser, indem sie das veröffentlicht, was sie veröffentlicht hat. Da lässt sie Stars Spalier laufen, die persönliche Freunde von Xavier Naidoo sind. Rea Garvey, Hartmut Engler, Michael Mittermeier und Co. stärken dem Sänger den Rücken. Naidoo bleibt immernoch ein sensationeller Sänger, das ist meine persönliche Meinung. Aber das reicht beim Eurovision Song Contest eben nicht, da dort auch immer eine politische Botschaft eine Rolle spielt. Man schaue doch einfach mal in die Historie der letzten 25 Jahre des Träller-Wettbewerbs.

Ohne seine krude Haltung, die er nun einmal auch ohne Konspiration und völlig unverhohlen vertritt, wäre Naidoo sicherlich ein guter Vertreter gewesen. So hat er aber die Haltung und unterstützt die Reichsbürger, die das heutige Deutschland nicht als souveränes Land akzeptieren, dafür aber das Deutsche Reich. Und deshalb ist Naidoo als singender Spitzendiplomat im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland nicht tragbar gewesen. Das hätte die ARD aber ohne große Schwierigkeiten selbst herausfinden können. Und DAS ist es, was man kritisieren muss.

Es mag alles richtig sein, dass Xavier Naidoo einfach ein paar unbequeme Thesen aufgestellt hat und damit aufgrund seiner Popularität das Land „wachrütteln“ wollte. Ich nehme nicht an, dass er nun – den rechten Arm hochreißend und „Heil Hitler“ brüllend – durch Mannheim rennt. Und ich glaube auch nicht, dass er ein Ausländer-raus-Brüller ist. Vielleicht ist er einfach nur jemand, der sich den Mund nicht verbieten lassen will. Alles richtig, das ist alles akzeptabel. Die Ziele von ihm mögen tatsächlich sein, das deutsche Volk zum Nachdenken anzuregen.

Aber mit den Thesen, Deutschland sei ein besetztes Land und Co., mit seiner physischen und ausgesagten Nähe zur Reichsbürgerbewegung kann er eben nicht der singende Spitzendiplomat sein, der er beim Eurovision Song Contest sein muss. Der Träller-Wettbewerb mag unwichtig sein, weshalb man nicht auf die politische Haltung achten mag. Aber in Zeiten von Flüchtlingsströmen und brennenden Flüchtlingsunterkünften und Terroranschlägen mitten in Europa wäre jemand mit einer solchen Haltung wie Naidoo das falsche Zeichen.

Wie gesagt, das wäre für die ARD alles vor der Nominierung klar gewesen, wenn denn der Unterhaltungskoordinator 5 Minuten recherchiert hätte. Naidoo aber erst zu nominieren und dann fallen zu lassen, macht A)  die Teilnahme Deutschlands am größten europäischen Musikwettbewerb zur Farce und kommt B) dem Können des Sängers nicht entgegen. Es gibt nur Verlierer in diesem Kasperletheater. Und so können wir festhalten:

Germany 0 Points, l’Allemagne 0 point

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

3 Gedanken zu „Eurovision Song Contest 2016 ohne Xavier Naidoo

  1. Ein Rückzug haftet immer an, auch der letzte Rückzug von Kümmert hat Deutschland nicht gerade geholfen.

    Aber es ist nun mal nicht das erste mal das man mit Personen zusammen arbeitet, und es anschließend beräut.
    Siehe die Zusammenarbeit mit dem Bushido Clan.

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