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Die Ukraine in Europa - (C) nemo via Pixabay Die Ukraine in Europa - (C) nemo via Pixabay

Ich werde den Eurovision Song Contest 2017 nicht sehen

Jamala hatte im letzten Jahr mit dem bedrückenden „1944“ den Eurovision Song Contest für die Ukraine gewonnen. Dieses Mal findet er also in Kiew statt. Eigentlich finde ich diese Veranstaltung interessant und wichtig. Nicht umsonst habe ich immer wieder über diese Veranstaltung geschrieben. In diesem Jahr werde ich aber den Eurovision Song Contest nicht verfolgen. Ich wünsche Levina viel Glück in Kiew, aber das war’s dann wohl. Und das hat seine Gründe.

Viele halten die alljährlich im Frühling stattfindende Veranstaltung für überflüssig. Das kann man gern so sehen. Allerdings gilt Europa seit jeher als zerrissen, und Veranstaltungen wie der Eurovision Song Contest helfen bei der Verständigung und sollen auch dazu dienen, eine Art europäisches Wir-Gefühl zu produzieren. Ja, das klingt seltsam. Aber ich glaube, in diese Richtung geht es. Also neben den ganzen Millionen, die da verbrannt werden.

Man kann der European Broadcasting Union, dem europaweiten Zusammenschluss von Rundfunkanstalten viel vorwerfen, was den Träller-Wettbewerb betrifft. Aber eins war der Contest noch nie so sehr wie heute: Politisch. Das änderte sich aber immer mehr. Man dachte, mit „1944“ von Jamala war im vergangenen Jahr der Gipfel erreicht. Aber die Ukraine kann das spielend toppen. Denn das Austragungsland hat kurzerhand die Einreise der russischen Teilnehmerin verboten. Die behinderte Sängerin Julija Samoilowa darf nicht einreisen.

Hintergrund ist, dass die Sängerin auf der Krim aufgetreten war. In Kertsch fand 2015 eine Gala statt. Und die Sängerin hatte es sich erlaubt, auf direktem Weg auf die Krim zu reisen und nicht über die ukrainische Grenze. Das wurde ihr zum Verhängnis, weshalb sie mit einem dreijährigen Einreiseverbot belegt wurde. Es ist laut ukrainischem Recht illegal, anders als über das Festland auf die Krim zu reisen. Und das Einreiseverbot wurde der Sängerin am 22. März 2017 ausgesprochen. Eine spannende Dramaturgie, oder?

Bei so etwas schwillt mir der Kamm. Ich schrieb oben etwas davon, dass der Eurovision Song Contest unpolitisch ist. Daran halte ich auch fest. Auch trotz „Ein bisschen Frieden“ mitten im kalten Krieg. Politik hat bei dem Wettbewerb an sich nichts verloren. Oder etwa doch, wenn man sich mit dem ukrainischen BEitrag auseinandersetzt? Und bei dem Einreiseverbot für die russische Teilnehmerin ist davon auszugehen, dass dieses politisch motiviert ist. Wir erinnern uns an die Krim-Annexion durch Russland und an den immernoch aktiven kriegerischen Konflikt zwischen beiden Staaten.

Wer weiß, vielleicht ist diese ganze Nummer aber auch irgendeine Story, mit der Russland der Ukraine eins auswischen will. Vielleicht stimmt es ja, dass Russland in dem Moment gar keine Lust mehr auf die diesjährige Veranstaltung hatte, als Jamala im letzten Jahr als Siegerin feststand. Vielleicht wurde Samoilowa ja deshalb mit Kalkül ausgewählt, um genau diesen Streit herauf zu beschwören. Man kann sich da ja so einiges vorstellen.

Dass es sich einzelne Länder nun herausnehmen, den Eurovision Song Contest politisch zu instrumentalisieren, ist eine kulturelle Tragödie. „1944“ hätte nie beim Wettbewerb starten dürfen, weil es eben so hoch politisch ist. Nachdem die Ukraine letztes Jahr gewonnen hatte, dachte man vermutlich, dass man sich nun alles herausnehmen kann. Dann soll das eben so sein. Dann aber ohne mich als Zuschauer. Und ich hoffe, dass auch viele weitere aus diesem Grund den Wettbewerb einfach nicht verfolgen.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

3 Gedanken zu „Ich werde den Eurovision Song Contest 2017 nicht sehen

  1. Nur gut dass dir der schwedische Beitrag von Loreen erspart bleibt….
    Die Schweden können es nicht beweisen, aber sie sind überzeugt dass das diesjährige Melodiefestivalen manipuliert wurde.
    Es gab 2-3 Favoriten keiner gewann…
    Und der Beitrag von Loreen – Statements hätte dem diesjährigen ESC politisch die Krone aufgesstzt. Ausgerechnet vom neutralen Schweden.

    1. Und ausgerechnet durch Loreen, klar natürlich durch sie…

      Statements ist ein Aufschrei der Migranten in Europa, und Loreen ist eine von ihnen.
      Wer hätte sonst soviel Aufmerksamkeit auf sich ziehen können?
      (Okay mir fallen da noch Aminata und Laleh ein, aber Loreen ist bereits eine ESC Gewinnerin)

      Was wäre wenn? ….

      Vielleicht ist es ja richtig, dass so Schweden weiter seine Neutralität waren kann.

  2. Henning eines musst du noch bedenken…
    Der ESC ist ein Art Olympia für Musiker…und somit ein nationaler Ersatz für richtigen Krieg.

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