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Gitarrenspiel - (C) PublicDomainPictures CC0 via Pixabay.de Gitarrenspiel - (C) PublicDomainPictures CC0 via Pixabay.de

Längst vergessen: „That was then“ von OMD

Es gibt Lieder, die müssen keine Single sein und müssen auch von keinem Weltklasse-Album stammen, um sich für alle Zeit in die Erinnerung zu brennen. So ungefähr ist das bei „That was then“ von OMD, vielmehr von Andy McCluskey und Band. Denn die eigentliche Band gab es zu dem Zeitpunkt nicht, und auch danach gab es den Bandnamen für 14 Jahre auf keinem Tonträger. „That was then“ ist die ernüchternde Abrechnung. Das große Es-war-einmal. Und das macht es so großartig. Ich habe auch niemals sonst ein Lied von OMD gehört, das ekstatischer war als dieses hier, Track 7 von „Universal“ aus 1996.

Ich würde wach liegen und heulen in der Nacht. Aber das war einmal, nun ist das Hier und Jetzt. Ich hatte Wut, die groß genug war. Und mir wurden Dinge klar, vor denen ich jetzt davon laufe. Alles, was wir taten, war großartig. Jetzt ist es zweckmäßig, und ich weiß nicht, wie das kam. Jede Entscheidung, die wir trafen, trafen wir aus Liebe. Jetzt ist das nicht genug, es scheint so irgendwie. Und all die Gefühle, die ich kannte, würden bleiben. Nun ja, sie sind weg. Wo sind sie hin? Und du warst schön und gefährlich. Jetzt hast du eine heilige Kuh geopfert. Ich würde den Dingen zuhören, die du gesagt hast. Sie ergaben alle Sinn. Warum jetzt nicht mehr? Kein Penny damals in unseren Taschen. Das machte uns nichts aus. Aber warum jetzt? Ich stehe erhobenen Hauptes meinem Schicksal gegenüber. Ich hatte Visionen und konnte sehen. Ich wäre 1000 Meilen für dich gegangen. Aber das war einmal, wir leben aber im Hier und Jetzt. Sieh mich an, das ist die Gegenwart. Über die Jahrzehnte haben mich die Dinge verändert. Ich habe keine Energie. Wo bin ich jetzt? Zu viele Leute scheinen mich zu brauchen. Als ich jünger war, war ich frei. Kannst du die Dinge sehen, die mich kümmern? Sie sind nicht mehr wichtig, die Zeiten sind vorbei. Und nur Erinnerungen sind in mir zurück geblieben. Diese seichte Geschichte wird mein Schicksal. Ich würde wach liegen und heulen in der Nacht. Aber das war einmal, nun ist das Hier und Jetzt.

Entschuldigung, das war ein sehr langer Absatz. Eigentlich ist so etwas nicht meine Art. Aber der Text ist nun einmal durch geschrieben. Dieses Thema „Schatz, die Zeiten haben sich geändert“ ist alles bestimmend auf dem Album „Universal“. 1996 war Andy McCluskey am Ende. Es ging musikalisch nicht mehr weiter, ihm ging es mental schlecht, und dementsprechend war auch das gesamte Album vom Inhalt her eher trübsinnig. Und irgendwie ist mir so, als ob sich alles – die Situation der Band, seine mentale Verfassung, der ausbleibende Erfolg und so weiter – in „That was then“ ergießt.

Das Lied ist der unangefochtene Höhepunkt auf „Universal“ und stellt für mich so etwas wie ein „Dann macht euren Scheiß halt ohne mich“ dar. Klar, das Album endet mit dem „Victory Waltz“. Und dieses Lied klingt wie ein spätes und gallebitteres Auslachen der gesamten Musik-Industrie. Aber das Ganze eskalierte eben vorher in dem viereinhalb-Minuten-und-vier-Akkorde-Werk, wie ich selten eine größere musikalische Eskalation erlebt habe. Und das zeigt, dass OMD immer für etwas besonderes gut waren. Und sie kommen demnächst wieder. Das ist auch eine Art „That was then, this is now“.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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