Skip to main content

„Speed of Light“ von OMD – einmal pure Melancholie bitte

Ja, ich muss noch einmal auf dem phänomenalen OMD-Album „Sugar Tax“ herumreiten, das ich Anfang Mai hier ausführlich besprochen habe. Mich beschäftigt, seit dem ich das Album das erste Mal gehört habe, ein Lied immer wieder. Es ist „Speed of Light“. In dem Artikel habe ich zu dem Lied geschrieben: „Es ist ein tieftrauriges Lied über verpasste Chancen und über den Schmerz darüber, der nie vorbeigeht.“ – Aber das reicht irgendwie nicht, um die ganze Tragweite des Liedes zu erfassen. Darum gehe ich mal ausführlicher auf dieses Lied ein.

Die Geschwindigkeit des Lichtes wird langsamer, wenn die Feder auf dem Boden aufschlägt. Und so lang nichts anderes bewiesen wurde, ist sie immer schneller, als sie klingt. Ein Stern, der so hell scheint, wird heute Nacht verdunkelt, wenn du den Satelliten küsst, weil da immer du warst.

So beginnt dieser Text. Man kann hier nach den einzelnen Bedeutungen der Worte suchen. Es fällt mir auch sehr schwer festzustellen, was Andy McCluskey damit gemeint haben könnte. Ich denke aber, es geht um das Vakuum. Ich habe irgendwo das Bild her, dass man sagt, dass alles zu spät ist, wenn die Feder den Boden berührt hat. Denn eine Feder schwebt ja abwärts, sie fällt ja nicht. Aber ich komme nicht wirklich dahinter, woher ich dieses Bild im Kopf habe. Im Text geht es dann weiter mit:

Und du allein glaubtest, dass sich das Licht auf diese Weise beugen könnte. Es scheint nicht richtig zu sein, dass man eine Nacht so verbringt, wie ich es heute getan habe.

Meine Güte, Andy! Was zum Geier will der Autor uns damit erzählen? Nein, man kann das Licht nicht beeinflussen. Nachts ist es nun einmal dunkel. Man kann im Dunkeln hocken bleiben, aber man kann sich auch Licht machen. Das ändert aber nicht die Situation, dass es dunkel in der Seele bleibt, wenn man nicht die Chance wahrgenommen hat, etwas glatt zu bügeln, als noch die Zeit dazu war. Andy McCluskey singt dann weiter:

Da gibt es nichts, was du tun kannst, um all das ganz neu zu erschaffen. Und es gibt nichts, was du sagen kannst, damit das weggeht. Du hast nie so falsch gelegen. Wie kannst du also stark wirken, wenn ein Sündenfall, der so hart war, niemals so lang dauern sollte? Und du sagtest „Leb wohl“, wie du es heute getan hast.

Kann es sein, dass man hier jemanden loslässt? Wenn eh alles zu spät ist, sollte man das Geschehene akzeptieren. Und irgendwie ist es auch mal gut, man kann nicht immer an etwas herumdoktern, was eh nicht mehr zu retten ist. Das ist die Erkenntnis, dass eine romantische Verbindung endgültig beendet ist. Und im kurzen Abschluss-Vers heißt es dann:

Also bleibt die Lichtgeschwindigkeit immer konstant die gleiche. Wieder heute Nacht wie sie es heute getan hat.

Es bleibt also alles beim Alten. Man ist nun kein anderer Mensch, auch nach dem Abschluss eines Lebensabschnitts nicht. Und man ist immernoch stark. Und somit schafft man es auch durch die Nacht. Der zentrale Refrain lautet dann nach jeder Strophe:

Wenn ich gewusst hätte, dass du anrufen würdest; wenn ich hätte träumen können, dass du fällst; wenn ich nur das Falsche zum Richtigen hätte ändern können; wäre ich heute Abend zuhause geblieben.

Es ist die verpasste Gelegenheit, mit sich und dem, was war, ins Reine zu kommen. Diesem wird man sich mitten in der Nacht bewusst. Eine solche verpatzte Gelegenheit muss man erst einmal realisieren. Erst dann hat man die Vergangenheit abgewaschen. Aber es sind eben auch Dinge, die man nicht ändern kann, wie eben die Lichtgeschwindigkeit.

Das Lied rund um die Lichtgeschwindigkeit lässt sich nur schwer fassen. Es ist aber in meinen Augen die Realisierung, dass etwas zu Ende ist. Und die Verarbeitung ist in vollem Gange. Und der Protagonist ist optimistisch, dass er positiv aus der Sache herauskommt. Die Feder ist zu Boden gefallen, im Vakuum genauso schnell wie der Hammer, und das Leben kann wieder von vorn beginnen.

Ich hoffe, ich habe das Lied etwas aufgedröselt. An manchen Stellen war ich mir nicht sicher. Aber im Großen und Ganzen könnte das schon stimmen. Und das Lied können Sie sich tatsächlich bei Youtube anhören. Sie sollten es tun. Es befreit ungemein, wenn bei Ihnen gerade etwas zu Ende gegangen ist.

Bildquelle: Lichtspuren – free picture by hotblack via morguefile.com

Verteilen Sie diese Erkenntnis doch einfach wie 0 andere auch

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.