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1. FC Nürnberg gegen den RB Leipzig

In Franken tobte gestern der Bär, das war im Fernsehen deutlich zu sehen. Denn der Glubb empfing die Roten Bullen. Es war Spitzenspiel-Zeit. Dritter gegen Erster, wenn das nichts ist. Dabei trat eine Leipziger Mannschaft den Weg ins Fränkische an, die aufgrund von Verletzungen und einer im Verein grassierenden Grippewelle empfindlich geschwächt war. Das soll aber nicht als Erklärung dafür gelten, was da gestern im Grundig-Stadion vor knapp 41000 Zuschauern stattfand.

Ralf Rangnick ließ sein Team an einigen Stellen verändert auflaufen. Der wieder genesene Fabio Coltorti wurde im Tor weiterhin von Péter Gulácsi vertreten, der Edel-Einkauf Atinc Nukan blieb draußen und wurde durch Stefan Ilsanker ersetzt, Marcel Halstenberg wurde statt Anthony Jung aufgestellt, Yussuf Poulsen kam nach seiner Gelbsperre zurück und verdrängte Massimo Bruno, Marcel Sabitzer kam für den zuletzt enorm starken Diego Demme. Und man merkte dem ganzen Spiel an, dass Dominik Kaiser dank seiner Grippe an allen Ecken und Enden fehlte und die Lücke durch Demmes Gelbsperre größer wurde.

Die Nürnberger drehten von Anfang an gewaltig auf und zeigten mächtig Selbstvertrauen. RB Leipzig setzte wenige Akzente und kam erst mit der Zeit ins Spiel. Die Doppelspitze mit Davie Selke und Yussuf Poulsen ist keine Standard-Aufstellung, weshalb das einige Zeit dauerte, bis hier die Zuordnung klappte. Forsberg und Sabitzer mussten sich als Gestalter betätigen, was ja sonst eher die Aufgabe von Kaiser oder Demme ist. Der Spielaufbau ging auch erst in die Hose, weil Ilsanker und Khedira nicht richtig zueinander fanden. Aber wenigstens die Abwehr stand – vorerst.

Dann verhedderten sich beide Teams zunehmend irgendwo im Mittelfeld. Nach den Nadelstichen von Halstenberg oder Compper schafften es mit Burgstaller und Kerk die Franken auch nicht sehr oft vor das Tor des Leipziger Ungarn. In der zweiten Halbzeit ging es dann mehr zur Sache. Burgstaller und Füllkrug nutzten aber ihre Chancen nicht, Gulácsi zu überwinden. Und der starke Klostermann musste in allerhöchster Not klären. Aber dann klingelte es im Netz von Rakovsky im Tor des Glubb.

Ein wunderbarer Heber von Emil Forsberg fand seinen Weg zu Yussuf Poulsen, der völlig frei vor dem fränkischen Keeper uneigennützig auf den mitgelaufenen Davie Selke abgab, der nur noch einschieben musste. Und das Tor zeigte den gewachsenen Teamgeist. Poulsen hätte wohl noch vorige Saison den Ball selbst Richtung Tor gedroschen und ihn irgendwo in Richtung Zuschauer flattern lassen. Das war nun anders. Aber unterm Strich war das so ziemlich die einzige richtig gute Chance von RB Leipzig.

Die Franken wiederum rannten dann gegen die sächsische Abwehr an. Und der frisch eingewechselte Petrak sorgte dann für den Ausgleich. Füllkrug erhöhte dann zum inzwischen völlig verdienten 2:1. Zwischenzeitlich waren Anthony Jung für den blassen Marcel Sabitzer (vor dem Ausgleich) und Nils Quaschner für Yussuf Poulsen (vor dem Führungstreffer) eingewechselt worden. Aber Nürnberg rannte weiter an. Deren überragender Kerk wirbelte immer und immer wieder die Leipziger durcheinander.

Ein Foul gegen Selke an der fränkischen Strafraumgrenze blieb ungeahndet, aber das änderte auch nichts an der Tatsache, dass Nürnberg einfach um einiges stärker war. Und so nahm Nürnbergs Österreicher Burgstaller mal eben die Leipziger Abwehr im Alleingang auseinander und schaffte im dritten Anlauf dann den 3:1 Endstand in der Verlängerung.

RB Leipzig war vielleicht 60 Minuten lang auf Augenhöhe zu den Hausherren, aber man ließ zu viel zu. So gab es für Nürnberg deutlich mehr Eckbälle und Standards als für die Rotweißen. Das war sicherlich eine der Erklärungen für die Niederlage. Und mit hoher Sicherheit ist die Niederlage auch durch die Ausfälle durch die Grippewelle zum Teil erklärbar, denn schließlich fehlte Spielgestalter Kaiser. Aber es gab auch eine dritte Erklärung.

Soweit ich anhand der Fernsehbilder erkennen konnte, war Stefan Ilsanker der schwächste Leipziger. Klar, Sabitzer war farblos und konnte wohl kaum Akzente setzen. Aber das defensive Mittelfeld war keine Stabilisierung, und das lag meiner Ansicht nach an Ilsanker. Aber wen wollte Rangnick hier an seiner Stelle bringen? Nukan, den ich in Teilen für überschätzt halte? Teigl, der schon lange nicht mehr die große Stärke an den Tag legt? Oder gar Youngster Idrissa Touré? Mehr stand nicht zur Verfügung.

Problematisch war an diesem Spiel für den RB Leipzig, dass das Mittelfeld viel zu wenig für den Spielaufbau tat und dass man zu viele Standard-Situationen zuließ. Eckbälle sind immer gefährlich. Wieso es so viele gab, muss sich noch herausstellen. Größter Lichtblick war aber die Angriffsformation aus Forsberg, Poulsen und Selke. Das war es dann aber auch.

Nun hat man die Spitzengruppe der Zweiten Bundesliga wieder mehr zusammenrücken lassen. Leipzig, Freiburg und Nürnberg trennen nur 3 Punkte. Und damit haben sich die Leipziger eigenhändig unter Druck gesetzt. Nun gilt es, das Krankenlager leer zu bekommen und die Konzentration und Stärke wieder zu finden. Sicherlich ist der hohe Krankenstand eine Erklärung für die vielen Schwächen im Spiel, aber eben nicht die einzige. Meine Erklärung für das Abschneiden in Nürnberg ist das schwache Mittelfeld. Aber damit muss sich Trainer Rangnick auseinandersetzen.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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