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Kinderkarussell - (C) derRenner CC0 via Pixabay.de Kinderkarussell - (C) derRenner CC0 via Pixabay.de

Das Karussell von RB Leipzig – Leuchttürme und Lemminge

Das Karussell bei RB Leipzig dreht sich immer schneller. Immer klarer wird, dass es ums große Ganze geht. Leuchttürme gehen, Lemminge auch. Andere werden kommen. Und im gesamten Gefüge der Profis wird nach der baldigen Sommerpause nicht mehr viel so sein, wie es mal war. Ob es der an sich gute Achim Beierlorzer ist, der als Hauptproblem nur seine Parteisoldat-Mentalität hat. Ob es altgediente Leuchttürme in der Mannschaft sind. Ob es das Gesamtbild des Kaders ist. Die beiden abschließenden Spiele in der ersten Zweitliga-Saison von RB Leipzig werden noch mit Anstand zu Ende gespielt, und dann kommt der große Schaufelradbagger und pflügt durch die Reihen.

RB Leipzig hat ein Problem. Man hat es versäumt, die Leuchttürme zu lassen und die Mannschaft daran auszurichten. Zu oft kamen leitende Leute auf die Idee und meinten, dass eine Truppe aus gleichwertigen Spielern mit teilweise großen Namen die gesteckten Ziele erreichen muss. Man vergisst bei solchen Dingen eigentlich immer, dass ein Rodnei zum Beispiel zwar beim 1. FC Kaiserslautern oder FC Red Bull Salzburg funktionieren kann, aber längst nicht diese Rolle in Leipzig spielen muss. Es ist nun einmal so, dass nicht in jedem Fall eine Blaupause anzusetzen ist.

Was nützen technisch gute Spieler, wenn das Alles mehr oder weniger Individualisten sind? Was nützt nominell eine gut aufgestellte Mannschaft, wenn ihr die Hierarchie fehlt? Einfach nur Lemminge aufzustellen, hilft niemandem weiter. Eine fußballerische Stärke ist das Eine, aber es bedarf auch charakterliche Typen, um dauerhaft bestehen zu können. Das zeigte sich nicht zuletzt beim Spiel gegen den SV Sandhausen, als das ganze Gerüst von RB Leipzig wie ein Kartenhaus in sich zusammen fiel. Aber man kann ja durchaus immer wieder mit dem Stahlbesen durchkehren.

So kommt es dann zu Grotesken, dass Führungsspieler wie Daniel Frahn gar nicht mehr am Spielgeschehen teilnehmen. So kommt es eben auch, dass die Leuchttürme der Mannschaft, wie eben Stefan Kutschke, Timo Röttger oder auch Tobias Willers weggelobt wurden. Und die Truppe wurde immer weiter homogenisiert. Das Gesicht der Mannschaft ging verloren. Ab und zu hätte es auch mal einen Typen wie Michael Ballack oder Stefan Effenberg in neu bedurft. Am ehesten diesem Anspruch gerecht werden da Tim Sebastian oder Terrence Boyd. Aber das kann es doch nicht sein.

Man hat bei RB Leipzig immer den Anspruch, sich an den Bayern zu orientieren. Aber auch dort gibt es mit Bastian Schweinsteiger oder Philipp Lahm Typen. Oder wenn man in der gleichen Liga umher schaut, stößt man auf den SV Darmstadt 98, bei dem Dominik Stroh-Engel der Typ ist. Lemminge gut und schön, aber ein paar Leuchttürme kann jede Mannschaft gut vertragen.

Da hilft dann auch ein tiefenentspannter Trainer, wie es Achim Beierlorzer ist, nicht weiter. Trotz guter Trainerleistungen rund um einige Spiele der Profis gibt er trotzdem das Bild, dass er keiner ist, der auch mal auf den Tisch haut und sich seine Profis zur Brust nimmt. Es wirkt ein wenig so, als wäre er der Puffer zwischen dem erfolgsgeilen und bestimmt auch cholerischen Sportdirektor Rangnick und der homogenisierten Mannschaft. Unter Zorniger waren da noch Typen, und Zorniger selbst unterstelle ich, ein Typ zu sein. Beides hat man nun nicht mehr.

Und das wird so nicht gut gehen. So wird man auch in der kommenden Saison in der Endkonsequenz nichts mit Aufstiegen zu tun haben, so sehr man das auch fokussieren möchte. Da gerade ein Trainer die Mannschaft anleiten und führen muss und in der Mannschaft auch Großtäter vorhanden sein müssen, bedarf es beim RB Leipzig sicherlich a) eines Charakterkopfes, wie Jürgen Klopp einer ist, und b) Leuchttürme innerhalb der Mannschaft.

Jedenfalls ging der Kern der Mannschaft, der so wichtig ist, um auch bei grauen Tagen etwas zum Aufrichten zu haben, in dieser Saison die Pleiße hinunter. Das konnte auch der Neu-Kapitän Kaiser oder sein Vertreter Sebastian nicht aufhalten. Und irgendwie bin ich da bei dem Gedanken, dass diese Homogenisierung etwas damit zu tun haben könnte, dass möglichst niemand aufmuckt beim Umsetzen von ehrgeizigen Zielen. Die unbequemen Leuchttürme ist man ja losgeworden, mit Daniel Frahn wird einer der Hauptgesichter der Profis im Sommer definitiv weg sein. Ob das das Ziel von Ralf Rangnick ist? So kann man aber keine Erfolge herbeizaubern.

Wie gesagt, Daniel Frahn wird abhauen. Das Ausbooten wie in dieser Saison lässt sich kein Spieler dauerhaft gefallen. Aber er ist nicht der Einzige. Sebastian Heidinger, Niklas Hoheneder und Henrik Ernst stehen dann auch den Profis nicht mehr zur Verfügung. Rebic geht zurück nach Florenz, Rodnei und Reyna wahrscheinlich zurück nach Salzburg, Sumusalo kommt sicher nicht zurück, ebenso wenig Morys, Thomalla und Prevljak. Und Sabitzer wird wohl nicht kommen. Zudem haben die Königseinkäufe Damari und Forsberg zwar mannschaftsdienlich gearbeitet, aber nicht voll eingeschlagen. Und nun steht wieder eine gigantische Änderung des Kaders an. Konstanz sieht anders aus.

Wer soll das denn dann trainieren, wenn der Zusammenhalt fehlt? Es scheint, als ob das Beierlorzer nicht zugetraut wird. Aber wem dann? Sascha Lewandowski (Nachwuchstrainer bei Bayer Leverkusen), Thorsten Fink (bis gestern bei Apoel Nikosia), sogar Bernd Schuster (früher mal FC Barcelona) oder Armin Veh (zuletzt beim VfB Stuttgart) werden da herumgereicht. Wenn da nicht noch Lothar Matthäus noch um die Ecke schielt.

Und dann bleibt ja immernoch das große Thema, was man mit dem Nachwuchs macht. Die U23 steigt in die Regionalliga auf, die U19 spielt um die deutsche Junioren-Meisterschaft mit. Aber außer Patrick Strauß kommt da nichts nach. Man könnte viel Druck nehmen, wenn man den Nachwuchs besser an die Profis heranführen würde. So aber bleibt der Geschmack, dass man den Erfolg käuflich erzwingen will. Und das ist es nicht, was man dann mit Teamgeist verbindet.

Die Lemminge werden bleiben. Aber was macht man mit den Leuchttürmchen, die es beim RB Leipzig noch gibt? Tim Sebastian traue ich zu, dass er mehr ein Charakterkopf wird. Dazu muss das aber auch von der Vereinsführung her gewollt sein. Sonst landet der auch dauerhaft auf einer Tribüne in der Red Bull Arena. Und das kann es nicht sein.

Ich weiß nicht so recht, wohin die Reise mit RB Leipzig gehen soll. Klar: Zweite Bundesliga. Aber unter welchen Bedingungen? Mit Leuchttürmen im Nebel? Oder mit Lemmingen, die durch diesen waten? Und wer führt sie? Ein Typ oder ein netter Kerl?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

One thought to “Das Karussell von RB Leipzig – Leuchttürme und Lemminge”

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