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Die TSG Hoffenheim und der Untergang der 50+1-Regel

Der Dorfclub TSG 1899 Hoffenheim gehört nun zu den Ausnahmevereinen im deutschen Profi-Fußball, denn die 50+1-Regel gilt hier nicht mehr. Das wurde nun beschlossen. Damit wird es sicherlich wüste Aufschrei-Eskapaden geben, die schon wieder vom Traditionsfußball-Meuchelmord und vom Untergang der 50+1-Regel erzählen. Aber ist denn wirklich etwas schlimmes passiert? Auch speziell, was dann im Weiteren Vereine wie RB Leipzig betreffen dürfte?

Der Gesamtverein TSG 1899 Hoffenheim hat gestern bei der Mitgliederversammlung in der Stadthalle Sinsheim beschlossen, die Satzung auf Wunsch von Mäzen Dietmar Hopp zu ändern. Dem voraus ging eine Entscheidung der Deutschen Fußball-Liga, dass für die Fußball-Spielbetriebs-GmbH die Ausnahmeregel gilt, nicht die 50+1-Regel anzuwenden. Die würde ja besagen, dass der Mutterverein – also hier die TSG – mindestens über 50% +1 Stimme verfügen muss. Dietmar Hopp könnte also maximal 50% -1 Stimme ausüben. Da er aber mit 96% an der Spielbetriebs-GmbH beteiligt ist, musste es hier eine Ausnahmeregel geben.

Und gestern haben nun die Mitglieder des Muttervereins einstimmig beschlossen, Dietmar Hopp nahezu 100% der Stimmrechte zu geben. Möglich wurde dies, weil Hopp eben schon seit Kindestagen im Verein engagiert ist und außerdem seit vielen Jahren in den Verein investiert. Die Deutsche Fußball-Liga erteilt in dem Fall eine Ausnahmeregel in den Fällen, „in denen ein Rechtsträger seit mehr als 20 Jahren den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert hat„. Und das stimmt im Fall der TSG und Dietmar Hopp.

Damit reiht sich die TSG 1899 in die Riege der Ausnahmevereine ein. Obwohl: Wirklich Vereine sind es dann ja nicht mehr. Einer davon ist die Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH, ein anderer die VfL Wolfsburg-Fußball GmbH. Nun also auch die TSG Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH. Was soll’s! Was ist denn damit wichtiges passiert?

Es wurde lediglich das umgesetzt, was die Deutsche Fußball-Liga seit längerem beschlossen hatte. Die Herrschaften hätte natürlich an der eigentlichen 50+1-Regel festhalten können. Aber dann hätten sie es konsequent machen müssen. Dann wäre nicht VfL Wolfsburg der bisher Zweitplatzierte hinter den Bayern in der Bundesliga. Aber das haben sie bei dem Gremium ja wohl sowieso nicht gewollt. Was sie aber wollen, ist eine dauerhafte Eigentümerschaft.

Das bedeutet, dass der Investor (Privatperson oder Unternehmen) auch zukünftig den Amateur-Fußball fördert. Außerdem dürfen die Anteile nicht weiter verkauft werden. Der Investor darf sie nur an den Mutterverein zurückgeben. Werden die Anteile weiterverkauft, verliert die Profi-Fußball-Kapitalgesellschaft die Lizenz. Insofern ist es fast schon egal, denn die Fußball-Clubs werden dann eben keine Spielbälle der Finanzmacht, wie ich es irgendwo las. Schnelle Besitzerwechsel sind ja unter solchen Bedingungen ziemlich ausgeschlossen, denke ich.

Das würde ja dann bedeuten, dass Sponsoren / Investoren und Club näher zusammenrücken. Michael A. Roth hätte mit seiner Firma ARO Heimtextilien sicherlich gern den 1. FC Nürnberg bzw. dessen Profi-Kicker übernommen. Der war 19 Jahre lang der große Macher des Vereins. Das mal als Beispiel. Ebenso ist es vorstellbar, dass Martin Kind die Profi-Kicker von Hannover 96 übernehmen will. Etwas in der Art hat er ja immer wieder verkündet. Und er findet überhaupt die 50+1-Regel eher doof.

Ich finde es ja ziemlich interessant, dass die Deutsche Fußball-Liga nun für die TSG Hoffenheim die Ausnahmeregel geschaffen hat und kurz vorher noch am RB Leipzig herumgeschimpft hat, weil dieser die 50+1-Regel verletzen würde. Zu der Zeit, als das Gremium dem Verein die Lizenz für die 2. Bundesliga verweigern wollte, gab es keine Kapitalgesellschaft, die den Spielbetrieb organisierte. Man hackte auf dem Verein und dem Engagement von Red Bull herum. Und das, obwohl es völlig unerheblich für die 50+1-Regel ist, wer in einem Verein das Sagen hat und wie viele Mitglieder der Verein umfasst. Zur Zeit der Debatte um die 50+1-Regel im Falle von RB Leipzig stand diese eigentlich gar nicht zur Debatte, weil der Verein als e.V. gar nicht Gegenstand der Regel sein konnte.

Wird denn Red Bull irgendwann den Einfluss auf RB Leipzig erhöhen und die Profi-Spielbetriebs-GmbH dann 2029 (also 20 Jahre nach Beginn des Engagements) vollständig übernehmen? Selbst das ist egal. Ich glaube nicht, dass die 50+1-Regel, die an allen Ecken aufgeweicht wurde, dann noch steht. Es wäre eher denkbar, dass Red Bull einer von drei, vier Partnern ist, die dauerhaft mit RB Leipzig zusammenarbeiten. Das schrieb ich irgendwann mal hier im Blog. Die Begründung dafür lieferte der Rotebrauseblogger bereits 3,5 Jahren:

Eigentlich verbieten die UEFA-Statuten die Teilnahme zweier Mannschaften, die maßgeblich vom selben Geldgeber abhängen. Da könnte es sich eventuell gut machen, in Leipzig gar nicht erst als Anteilseigner aufzutauchen. Dass dann immer noch der beachtenswerte Kapitalfluss von Red Bull gen Leipzig bliebe, steht dabei auf einem anderen, zukünftigen, eventuell auch relevanten Blatt.

Jedenfalls wurden in Sinsheim nur Anpassungen der 50+1-Regel umgesetzt, die eh schon Gültigkeit haben. Wir können also aufhören davon zu faseln, dass der „Fußball, wie wir ihn kennen“ ermordet wurde. Diesen Fußball gibt es – wenn überhaupt – doch eh nur noch auf Kreisebene. Alles andere hat etwas mit Geldverdienen und finanzieller Unterstützung zu tun.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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