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Ein Dresdner Club gegen RB Leipzig: Ultras gegen Ultras

Im DFB-Pokal findet bald der Kampf der Kulturen statt. Dynamo Dresden empfängt RB Leipzig. Und es gibt witzige Aktionen im Vorfeld des Risiko-Spiels. Alles ist unterm Strich irgendwie Folklore. Man muss aber irgendwie auch im Vorfeld des Sachsen-Gipfels darauf aufpassen, dass dann am Spieltag die beiden Mannschaften nicht in einer komplett leerer DDV-Arena spielen, weil alle boykottieren. Ein Aufschrei geht um, dreht euch nicht um.

Folklore im Fußball gibt es vielerorts. So ist das Derby Schalke 04 gegen Borussia Dortmund seit eh und je das Derby Herne-West gegen Lüdenscheid-Nord. Diverse Animositäten gibt es auch zwischen dem HSV und Werder Bremen oder zwischen Erzgebirge Aue und dem Chemnitzer FC. Da ist es selbstverständlich, dass vor dem Derby der nur um die 150 km auseinander liegenden Städte Dresden und Leipzig auch Animositäten verteilt werden.

Jetzt kennen wir die Fans des Clubs in Dresden. Die stellen sich hin und tun einen auf traditionsbewusst. Obwohl es damit gar nicht so weit her ist. Aber sei’s drum, denn ich möchte nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen. Jedenfalls ist RB Leipzig der komplette Gegenentwurf zu dem, was sie in Dresden als „Fußball, den wir lieben“ bezeichnen. Aber auch das ist alles nur Folklore. Denn ohne die vielen Unternehmen – auch von Leipzig aus – wäre der „Polizei-Club Großer Garten“ schon lange mausetot.

Jedenfalls stellt sich der FC Radebeul-Ost (wollen wir das so nennen?) hin und „vergisst“ auf der Spielankündigung das Logo von RB Leipzig. Nein, Leute, das war kein Versehen. Das ist dieses Traditionsheucheln, das eigentlich keinen Platz hat im modernen Fußball. Und die Fans machen mit. Denn die wollen das Spiel boykottieren. Witzig ist dabei, dass es nicht nur die Fans aus der sächsischen Landeshauptstadt sind, sondern auch die Fans aus der größten Stadt Mitteldeutschlands. Aber es ist nur witzige Folklore.

Die einen plädieren dafür, zwar eine Karte für das Spiel zu kaufen, sich dafür aber außerhalb des Stadions zu betrinken. Sie wollen das Stadion leer machen. Die „ruhmreiche“ SG gegen „das Konstrukt“. Nun ja, ist doch völlig klar, dass man das boykottieren muss. Schließlich haben sie östlich von Radebeul schon mal mit ihrem Polizei-Club irgendwas gewonnen. Und außerhalb der nicht-kommerzialisierten DDV-Arena sich zu betrinken, ist dann natürlich billiger. Man muss ja auch den wirtschaftlichen Aspekt sehen.

Die anderen werden nur wild zitiert. Ohne verlinkte Quelle, versteht sich. Angeblich hätten „Ultra-Gruppierungen“ aus Leipzig zum Boykott aufgerufen, weil zu wenig für sie getan wird. Man kann das schon verstehen, denn der „Horda Goldesel“ oder der „Brausecrew“ oder so wurde ja schließlich Champions League versprochen. Man will sich nicht mehr mit irgendeinem „zweitklassigen Gegner aus der Traditionsprovinz“ herumärgern. Bämm! Das hat schon Stil, denke ich mir. Und ich lache noch Stunden später.

Wer braucht da noch „Herne-West gegen Lüdenscheid-Nord“, wenn er „Polizei-Club gegen Dosen-Kicker“ bekommen kann. Man darf eben nur bei all dem Geplänkel nicht vergessen, dass das Stadion im Großen Garten auch von irgendwem besucht sein muss, damit irgendeine Pokal-Atmosphäre aufkommt. Wenn die einen sich vor einem Supermarkt betrinken und die anderen beim Drachenboot-Rennen am See herum lungern, ist das nicht unbedingt gegeben. Und so könnte das ein ziemlich armseliger Pokal-Kracher werden.

Ich befürchte ja schon, dass die DDV-Arena, die nicht etwa dem Club sondern der Stadt gehört, nach dem Spiel noch steht. Was mache ich denn dann mit diesem Artikel? Am Ende wird das ein ganz friedliches Spiel. Derby hin, Derby her. Am Ende vertragen sie sich doch alle. Und es gilt nach wie vor die alte Fußball-Weisheit: Entscheidend ist auf’m Platz. Da kann man noch so sehr Animositäten umher werfen. Ein Spiel bleibt dann immernoch ein Spiel, finden Sie nicht auch?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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