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Eine Viertelstunde Spektakel – RB Leipzig gegen VfL Bochum

Meine Nerven! Am Samstag war ich mal wieder bei RB Leipzig. Sie machen es immer wieder spannend. Warum? Das weiß wohl niemand so ganz genau. Vor reichlich 32000 Zuschauern – übrigens kaum jemand von den Gästen aus Bochum darunter – lieferte RB Leipzig ein Spiel ab, das schon in der Kategorie „merkwürdig“ landen dürfte. Dass es dennoch 3:1 für die Leipziger Hausherren ausging, war einer bärenstarken Viertelstunde gedankt. Und über das Spiel möchte ich kurz erzählen.

Nachdem RB Leipzig die zurückliegende Länderspiel-Pause herbeigesehnt hatte wie der Hungrige das Brot, weil die halbe Mannschaft von einer Grippewelle geplagt war, wollte man sich für unnötige Niederlagen rehabilitieren. So hatte man sich viel vorgenommen. Man redete davon, dass man Bochum „im Schacht halten“ wollte. Und so kamen an einem sonnigen Frühlingstag um die 32000 in die Red Bull Arena.

Man trat an mit Gulacsi im Tor, Klostermann, Orban, Compper und Halstenberg in der Abwehr, Khedira und Demme im defensiven Mittelfeld, Forsberg, Kaiser und Sabitzer im offensiven Mittelfeld und Poulsen im Sturm. Nach nur reichlich einer Viertelstunde musste Rani Khedira verletzt vom Platz. Für ihn kam der belgische Juwel Massimo Bruno, der sich zum Mann des Spiels mausern sollte. Beide Teams schenkten sich nichts, machten die Räume eng, kämpften um die Chancen. Und während Bochum mit gezielten Nadelstichen voran ging, wollten die Rangnick-Jungs den Ball förmlich mit Schleifchen ins gegnerische Tor tragen.

Und das ist irgendwie immer das Problem. Yussuf Poulsen, der ein sehr gutes Spiel machte, spielt immer für die Galerie. Aber schön spielen hat noch nie einen Sieg gebracht. Von der Bochumer Seite her gab es immer wieder gefährliches Wirbeln von Terodde, Eisfeld und Terrazino. Und hier und da hätte die Verbeek-Elf schon mal in Führung gehen können, weil Orban und Compper ab und zu mal nicht aufpassten. Gulacsi hielt die Sachsen aber im Spiel.

Nach dem unfreiwilligen Aus für Khedira kam mit Bruno wesentlich mehr Spielwitz auf. Kaiser zog sich irgendwie ins defensive Mittelfeld zurück, was dafür sorgte, dass die Zentrale stabiler wurde. Und das bestärkte die Offensiv-Fraktion in ihren Aktionen. Poulsen, Bruno und Sabitzer prüften Keeper Riemann. Aber ein Tor wollte nicht fallen. Aber das Ende der ersten Halbzeit ließ den Zuschauer mit dem Gefühl zurück, dass da was gehen könnte.

Und so kam es auch. Die Leipziger kamen wie die Feuerwehr aus der Kabine. Und dann überrannten sie die sichtlich überforderten Bochumer. Mittelfeld-Regisseur Kaiser schob nach einem Ableger von Bruno zum völlig verdienten 1:0 nach 50 ein. 2 Minuten später ließ es Bruno selbst nach Forsberg-Vorbereitung klingeln. Und noch einmal 10 Minuten später zappelte der Ball wieder durch Bruno im Riemann-Netz, diesmal durch eine Sabitzer-Vorbereitung. Innerhalb von 13 Minuten hatten die Hausherren gezeigt, warum sie dort stehen, wo sie stehen.

Aber dann passierte das, was RB Leipzig eigentlich meistens tut: Wenn die Mannschaft führt, schalten sie zurück und beruhigen das Spiel. Poulsen wurde durch Davie Selke ersetzt, und das Spiel der Leipziger plätscherte so dahin. Und auch Selkes Abschluss fand nach Doppelpass-Einlage mit Bruno nicht mehr den Weg ins Netz. Nukan ersetzte dann noch in der 85. Minute den überzeugenden Halstenberg. Und drei Minuten später versuchte Gulacsi, einen Fabian-Kopfball abzuwehren, aber Losilla erzielte noch den Ehrentreffer der Bochumer.

RB Leipzig hat dank einer bärenstarken Viertelstunde nach Wiederanpfiff und vor allem dank eines überragenden Massimo Bruno die Partie im lauen Leipziger Frühling verdient gewonnen. Alles in Allem war die Rangnick-Truppe um einiges stärker als die Verbeek-Männer, was auch das Endresultat erklärt. Nur hat man das im Stadion nicht so gehört. Zwar feierte die Masse die Viertelstunde und fieberte auch bei jeder Chance mit und forderte auch zu (Un)recht Karten. Aber abseits der Fanclubs war es doch relativ leise. Hier müssen die Fans noch mehr Gas geben.

Dass es RB Leipzig am Ende noch zuließ, dass der Anschluss für die Bochumer glückte, und dass es der Mannschaft nicht immer gelang, eine konsequent überlegene Leistung abzurufen, ist ein Fakt, der immer wieder diskutiert werden muss. Ebenso die Chancenverwertung. Sie bekommen schon die wenigsten Tore, was an der starken Abwehr liegt. Sie schießen aber auch vergleichsweise wenig. So hat der ebenbürtige SC Freiburg rund 10 Treffer mehr auf seinem Konto. Und das muss sich ändern.

Witzig war dann noch die Anekdote über einen Weinzierl-Rangnick-Disput. Der Augsburger Trainer stand ja im Verdacht, an die Pleiße zu wechseln. Am Samstag kam heraus, dass daraus nichts wird. Aber dann geilte man sich darüber auf, wer wem nun abgesagt hat. Dabei ist das doch unwichtig. Einzig wichtig ist die Tatsache, dass Ralf Rangnick noch keinen Nachfolger für den Trainer Rangnick gefunden hat, der sein Team dann eine Etage höher trainieren soll.

Mit nun 13 Punkten Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz scheint der Weg nun relativ gut geebnet zu sein, dass RB Leipzig in die erste Bundesliga aufsteigt. Dort muss es aber lauter bei Heimspielen zugehen, Chancen müssen besser verwertet werden, und kleine Abwehrschwächen werden sofort ausgenutzt. Ist man sich dessen bewusst, braucht es keinen kompletten Mannschaftsumbruch. Denn diese Mannschaft kann eigentlich alles dominieren.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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