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RB Leipzig - Symbolbild RB Leipzig - Symbolbild

El Plastico – RB Leipzig empfing die TSG 1899 Hoffenheim

Gestern war Rückrunden-Start in der Bundesliga. Wie beim Saisonstart hieß es, dass die „Plastikclubs“ aus Leipzig und Hoffenheim aufeinander treffen. Nur fand das Stelldichein der „Spielzeuge von Unternehmern“ nicht im Kraichgauer Sinsheim statt, sondern im sächsischen Leipzig. Es war vergleichsweise uninteressant, da das Spiel nicht ausverkauft war. Das muss man ja gesondert erwähnen, weil das nicht die Regel hier in Leipzig ist. Und also gab es gestern das Rückspiel zum „El Plastico“.

Die TSG 1899 Hoffenheim empfing am Sonntag RB Leipzig zum Plastikgipfel

Trainer Hasenhüttl schickte eine unveränderte Startelf ins Rennen: Gulacsi im Tor, Bernardo, Orban, Compper und Halstenberg in der Verteidigung, Demme und Ilsanker im defensiven Mittelfeld, Keita und Sabitzer im offensiven Mittelfeld, sowie Werner und Poulsen im Sturm. Forsberg ist ja noch gesperrt, und Oliver Burke hatte sich krank gemeldet. Für den Fall der Fälle saß aber der polnische Nachwuchsspieler Wojtkowski auf der Bank.

Bundesliga – Bundesliga | 18. Spieltag | RB Leipzig – TSG Hoffenheim | Spielbericht

RB Leipzig machte von Anfang an ein starkes Spiel. Mit Übersicht und Ruhe dominierte man die erste Viertelstunde und setzte sich im letzten Drittel vor Keeper Baumann fest. Naby Deco Keita gelang sogar fast die frühe Führung, nachdem ein langer Diagonal-Schläger von Marvin Compper bei Timo Werner landete und der sich gegen Hübner durchsetzte. Allerdings verschoss Keita. Kurze Zeit darauf war dann auch fast Willi Orban am Jubeln. Wäre nicht Keeper Baumann gewesen, der den Ball gerade noch in einer Weltklasse-Parade an den Pfosten lenkte.

Jetzt darf man aber nicht glauben, dass die Nagelsmann-Truppe nur mal eben auf einen Kaffee vorbei schauen wollte. Bereits in dieser Phase deutete der Gegner immer wieder an, auch etwas aus Leipzig mitnehmen zu wollen. Und so kam es in der 18. Spielminute zu einem RB-Leipzig-artigen Gegenstoß der Sinsheimer. Eingeleitet durch eine gekonnte Balleroberung vorm eigenen Strafraum, schoss eine Welle des Gegenpressings Richtung Gulacsi. Dribblings, Kombinationen, Schnelligkeit, und dann war der Ball bei Amiri, der den Ball noch über die Linie gedrückt hatte. 0:1. Nichts neues.

Nach diesem sehr sehenswerten Angriff und Abschluss war das Hasenhüttl-Team erstmal ein paar Minuten abwesend. Man hatte sie mit den eigenen Waffen geschlagen. Stürmer-Star Sandro Wagner stellte sich in den Dienst der blauen Mannschaft, und die machte die Sache eigentlich recht gut. Und es ergaben sich einige Möglichkeiten, diesen genialen Schachzug zu wiederholen. Und RB Leipzig? Nun ja, man tat das, was man immer tut: Man vergibt Chancen. Ungefähr in der Mitte der ersten Halbzeit zum Beispiel durch Yussuf Poulsen. Oder Timo Werner, der kurz darauf ungünstig geblockt wurde.

Kicker – Lehrbuchkonter der TSG reicht nicht zum Punktgewinn: Sabitzer erzwingt das Leipziger Glück

Aber dann kam Timo Werner nochmal zum Zug. Diesmal war er frei. Er tauchte auf einmal völlig frei vor Keeper Baumann auf. Dem voraus ging das altbekannte aggressive und höchst erfolgreiche Gegenpressing der Leipziger. Poulsen verhinderte ein weites Herausschlagen, und irgendwie landete der Ball über Marcel Sabitzer und Naby Deco Keita bei Timo Werner, der dann einfach hinter Baumann einnetzen konnte. 1:1, Ausgleich geschafft. Und dann war Halbzeit.

Beide Mannschaften waren irgendwie gleichwertig, es war ein gutes Spiel, und es wurde erwartbar mit offenem Visier gespielt. 1:1 war in Ordnung. Der „Dorfclub von Dietmar Hopp“ war mit einer reifen Spielanlage unterwegs, der „Brauseclub von Dietrich Mateschitz“ hatte die klareren Torchancen. Beide hatten aber nicht genug aus ihren Möglichkeiten gemacht. Bei den Kraichgauern waren die zentralen Figuren Kramaric, Wagner und Demirbay. Bei den Sachsen wiederholt Keita, Werner und Demme.

Allerdings merkte man auch, dass der Spieler aus Guinea nicht vollständig ins Spiel passte. Ab und zu gab es Abstimmungsprobleme mit ihm nach hinten und nach vorn. Und so ging es dann in die zweite Halbzeit, in der man sich erst einmal miteinander beschäftigte, ohne dass irgendwas zählbares heraus sprang. Das ging eine Viertelstunde so, wobei sich Hoffenheim mehr aufs Verwalten versteifte. Bis dann Sandro Wagner zur zentralen, vielleicht tragischen Figur des Spektakels wurde.

Beide Mannschaften kämpften verbissen, keine Frage. Alles fand irgendwie im Mittelfeld statt. Und eben jener Wagner stieg völlig unnötig hart auf Stefan Ilsanker ein und verletzte ihn am Knöchel. Dummerweise fiel er dann auch noch auf diesen Knöchel drauf, wie es aussah. Der eher schwache Schiedsrichter Wolfgang Stark zückte darauf hin glatt rot, was irgendwie eine richtige Entscheidung war. Wagner also raus, der Österreicher konnte weitermachen. Trainer Nagelsmann musste daraufhin allerdings umstellen.

Rotebrauseblogger – Bundesliga: RB Leipzig vs. TSG 1899 Hoffenheim 2:1

Vorn fehlte nun also jemand, der verhindert, dass Compper und / oder Orban einen ihrer feinen Spieleröffnungszüge machen können. Und so konnten sich beide und / oder der unermüdliche Diego Demme immer wieder offensiv einbringen. Das defensive Bermuda-Dreieck schaffte es so immer öfter, relativ unbedrängt offensivere Spieler zu bedienen. Und daher fand der Rest des Spiels relativ zentral vor dem Hoffenheimer Strafraum statt.

Etwa in der Mitte der zweiten Halbzeit kam Timo Werner wieder zu einer guten Möglichkeit, aber Baumann hielt den Punkt fest. Auch Yussuf Poulsen scheiterte am mit Abstand besten Hoffenheimer. Aber ein paar Minuten später konnte auch er nichts mehr machen. Keita-esk schnappte sich Marcel Sabitzer den Ball. Er hätte wie der feine Techniker sich durch die Reihen spielen können. Er entschied sich aber für den Demme-ähnlichen Dampfhammer, der vom Schweizer Fabian Schär für Oliver Baumann unhaltbar abgefälscht wurde.

Aber es war immernoch eine Viertelstunde zu gehen, und RB Leipzig noch immer nicht durch. Die Hoffenheimer setzten alles daran, ihre Ungeschlagen-Serie festzuhalten. Die Leipziger nutzten die Räume nicht, und die sonst perfekt sitzende Abseitsfalle funktionierte auch bloß nicht zuverlässig. Die Kraichgauer sorgten auch immer wieder für Trubel vor Gulacsi, weil sie seine Vorderleute irre machten. Bis auf eine Chance für Mark Uth sprang aber nichts zählbares dabei heraus. Auf der anderen Seite versuchte sich Timo Werner noch einmal. Aber das war es dann auch.

Leipziger Volkszeitung – RB Leipzig gewinnt „El Plastico“ – Bundestrainer Löw sieht elftes Werner-Tor

Es war das schnelle, umkämpfte, intensive Spiel, was die Experten im Vorfeld prognostiziert hatten. Für die Leipziger ging die Nummer mit dem Gegenpressing fast vollständig auf. Bis auf das Gegentor hatte das sehr gut funktioniert. Allerdings hatte man immer wieder die Ballverluste oder die verpassten Chancen gesehen. Diese Dinge werden die Leipziger wohl nie los. Das gehört irgendwie zum rotweißen Spielsystem dazu, oder? Alles in allem war es aber ein verdienter Sieg.

Man wusste von der Ballsicherheit der Hoffenheimer. Der Plan muss geheißen haben, nach Ballverlusten präsent zu sein und Chancen zu verhindern. Bis auf das Gegentor hatte das auch wunderbar funktioniert. Und so war das Gegenpressing der Schlüssel, nicht die rote Karte für Sandro Wagner. Und der Schlüssel zum Spiel war auch die Fairness der Mannschaften und Fans. Gefoulte Spieler wurden mit Applaus bedacht, wenn sie sich weiter mühten. Spieler, die Fouls begangen hatten, entschuldigten sich umfangreich. Auch Sandro Wagner.

Überhaupt ist er gestern bemerkenswert gewesen. Ich habe den gebürtigen Münchner eigentlich immer als formidable Großklappe in Erinnerung gehabt, der sich nie einer Schuld bewusst war. Zum Foul an Ilsanker sagte er, dass es wirklich schlimm aussah. Aber auf dem Platz lamentierte er nicht. Er nahm die Strafe an, entschuldigte sich bei Ilsanker und Stark und versuchte, die Sache zu erklären. Da gab es kein Murren. Und das machte die Geschichte so entspannt.

Es lag aber vielleicht auch an Joachim Löw, der gestern im Stadion war und Wagner und Werner beobachten wollte. Vom schwäbischen Leipziger dürfte er einen richtig guten Eindruck gewonnen haben, da er sich wie immer voll und ganz ins Spiel rein gehangen hatte. Aber vielleicht hatte sich der Bundestrainer auch andere Spieler angesehen, weil wirklich Bedarf im Sturm nicht besteht. Wer weiß. Jedenfalls war das gestern ein wirkliches Spitzenspiel, das unterstrich, weshalb RB Leipzig relativ komfortabel auf Platz 2 der Bundesliga steht.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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