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Ostseestadion - mit VIP-Eingang - By Christopher Voitus (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons Ostseestadion - mit VIP-Eingang - By Christopher Voitus (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

FC Hansa Rostock und das Typische am Ostfußball

Mit diesem Artikel mache ich mir keine Freunde. Darum gleich vorweg: Der FC Hansa hatte mir immer imponiert. Wie es derzeit läuft, missfällt. Der Stolz des Nordens, die Kicker von der Ostsee, die ganze Macht Mecklenburg-Vorpommerns: Versunken im grauen Alltag der dritten Liga mit der gnadenlose Keule der Pleite im Nacken. Damit steht der FC Hansa Rostock sinnbildlich für so viele Vereine im deutschen Osten.

Da ich eine solche Entwicklung sehr fatal finde, muss ich einfach etwas dazu schreiben. Mir ist klar, dass ich ausschließlich den Blick von der Ferne darauf werfen kann und vieles nicht vollständig sein kann. Die vielen Fans des gefallenen Engels mögen es mir nachsehen. Aber ich muss ein paar Worte dazu verlieren.

Der FC Hansa Rostock wurde zu Weihnachten 1965 aus dem SC Empor Rostock ausgegliedert, dessen Fußballer 1954 von der BSG Empor Lauter im Erzgebirge an die Küste delegiert wurden. Getragen durch die mecklenburgische Fischerei-, Schiffbau- und Marine-Wirtschaft entstand ein großer Leuchtturm des DDR-Fußballs. Hoch gelobt war immer die Jugendarbeit und die Leistungsbereitschaft der Spieler.

Man konnte schon sagen, dass trotz immer wieder auftretender Misserfolge der Laden an der Küste lief. Und dann kam die Wende, und der Club wurde gefühlt erst recht erfolgreich. Um die 20 Jahre gehörte man der ersten oder zweiten Bundesliga an, feierte immer wieder Triumphe – auch gegen die „Großen“ wie Borussia Dortmund oder die Bayern. Seit 2013 dümpelt man nun in der dritten Liga herum und läuft Gefahr, noch weiter in der Versenkung zu verschwinden.

Gestern fand ein Benefizspiel zwischen „Paule & Friends“ und „Marteria & Friends“ statt. Paule ist Stefan Beinlich, der Mr. Hansa, der Inbegriff eines Rostocker Spielers. Marteria ist der Hip Hopper, der in seiner Jugend bei Hansa gespielt hat. Man musste dringend Geld einsammeln, damit Hansa Rostock auch zukünftig noch professionellen Fußball anbieten kann. Denn der Verein steht – mal wieder – finanziell am Abgrund.

Es kam heraus, dass beim Ticket-Verkauf vieles schief lief, das Gelder irgendwo versickert waren, dass unglaubliche Management-Fehler gemacht wurden. Es hieß, dass der Verein fast vollständig gegen die Wand gefahren wurde. Und das bei einer solchen Strahlkraft. Eine solide Jugendarbeit, eine Verbundenheit in der Bevölkerung, viel soziales Engagement – all das wäre die Warnow hinunter geflossen. Die Lizenz stand auf dem Spiel.

In einer Hauruck-Aktion erklärten sich also Beinlich und Marteria zum Organisieren eines Benefiz-Spiels bereit. Kretsche Kretschmar, Campino, Ulf Kirsten, Perry Bräutigam und so weiter und so fort verteilten sich auf die beiden Mannschaften. Es fand ein richtiges Torfestival und Fußballfest vor ausverkauftem Haus statt. Vorstand Dahlmann war überwältigt von der Resonanz. Das Finanz-Genie ist ja gerade dabei, die „Kogge“ neu aufzurichten. Und mit diesem Spiel ist ihm da viel Last von den Schultern genommen worden.

Aber solche Fehler, auf deren Etiketten man schon teilweise etwas kriminelles schreiben konnte, die dürfen eben einfach nicht mehr passieren. Denn es wäre ein nicht zu bewältigender Verlust für die gesamte Region, wenn es Hansa nicht mehr geben würde. Die Situation muss sehr ernst gewesen sein. Nun müssen sich aber auch die Fans am Riemen reißen, dass bei der labilen Situation in Rostock nicht immer noch irgendwelche Strafen kommen. Wenn alle an einem Strang in Rostock ziehen, kann das Kunststück gelingen, den Verein in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

Aber der FC Hansa Rostock spiegelt eigentlich nur das wider, was über so viele Ost-Verein erzählt wird: Geldsorgen, Management-Fehler, schwarze Kassen und Fans, die auch nicht immer dem Verein weiterhelfen. Und andererseits gibt es Vereine wie den 1. FC Magdeburg, der zwar viertklassig spielt, der aber ein Verein auf hohem Niveau ist. Es müssen sich wohl alle am Riemen reißen, damit die Landkarte des professionellen Fußballs auch im Osten besetzt bleibt. Dann braucht man nämlich auch nicht auf den RB Leipzig zu schimpfen.

Das ist meine bescheidene Meinung. Ich weiß, dass das nicht allen gefällt. Aber mich hat die Situation, wie sie seit langem über den FC Hansa geschildert wird, ziemlich erschüttert. So ein Verein mit so einem Umfeld muss einfach höherklassig spielen und ein professionelles Management haben. Ich drücke dem Club da die Daumen. Ganz ehrlich.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

3 Gedanken zu „FC Hansa Rostock und das Typische am Ostfußball

  1. Henning, du sprichst mir aus der Seele. Als ewiger Anhänger des FCH belastet mich die Situation auch sehr. Es muss doch möglich sein wieder oben bestehen zu können.

    Ich hoffe inständig das sich das ganze wirklich zum positiven entwickelt. Aber auch die Fans haben zum Großteil begriffen das sie etwas für Hansa tun können und teilweise auch müssen. Sei es die Vermeidung von Strafen oder eben kleinere Spenden.

    Schön das man in Leipzig nicht allein ist mit der Meinung ;-)

    AFDFCH und Grüße!

    1. Hallo Daniel, stimmt, da muss doch was möglich sein. Diese Flickschusterei kann ja nicht so weitergehen. In Leipzig beobachtet man genau, was woanders im Osten in Sachen Fußball passiert. Und deshalb werde ich immer wieder mal hinschauen, wie die das in Rostock hinbekommen wollen.

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