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Eine Dose Red Bull - (C) sterntaler62 / pixelio.de Eine Dose Red Bull - (C) sterntaler62 / pixelio.de

FC Ingolstadt 04 gegen RB Leipzig

Warum steigt der FC Ingolstadt auf und RB Leipzig nicht? Die Antwort gab das gestrige Spiel in Oberbayern wie so viele Spiele dieser Saison. Wenn ein Team konsequent 90 Minuten plus Nachspielzeit seinen Stiefel durchzieht und damit sowohl erfolgreich als auch attraktiv unterwegs ist, ist ein Sieg nachvollziehbar. Wenn das gegnerische Team nur eine halbe Halbzeit lang sinnvoll mitspielt und sonst weder Lust noch Ideen hat, darf sich dieses Team nicht wundern, wenn es verliert. In 90 Minuten zeigte sich, was sich in den vorherigen 32 Spielen beider Mannschaften abzeichnete. Und deshalb steigt der von der Audi AG unterstützte FC Ingolstadt 04 auf und der von Red Bull unterstützte RB Leipzig nicht.

Artikel beendet, Thema durch? Mitnichten. Denn ich will mal ein wenig darüber philosophieren, wie das gekommen ist und was es jetzt an Konsequenzen geben sollte. Und ich meine nicht die kurzfristigen, sondern eher langfristige. Ich habe dabei keine Ahnung, ob das irgendwie sinnvoll realisierbar ist. Aber ich kann es ja mal aufschreiben.

Kurz nach Beginn spielte sich RB Leipzig das 0:1 in der Fremde heraus. Mitwirkende waren Omer Damari, Emil Forsberg und Yussuf Poulsen. Und auch in den Minuten danach war der sächsische Prestige-Club durchaus in der Lage, in Ingolstadt eine Überraschung zu fabrizieren. Aber nach etwa der Hälfte war der FC Ingolstadt mindestens gleichwertig. Und kurz vor dem Pausenpfiff gab es erst einmal einen Elfmeterpfiff nach einem Zweikampf zwischen Anthony Jung und Stefan Lex um die Lufthoheit im Strafraum. Das folgerichtige 1:1 fiel. Und muss wohl den RB Leipzig völlig aus der Bahn geworfen haben.

In der zweiten Halbzeit brachten die Rotweißen aus Sachsen praktisch nichts mehr zustande. Nichts, nada, niente. Als ob sie in der Kabine jeder einen mit dem Holzhammer über den Schädel bekommen hätten. Es bot sich das oft bekannte Bild: Man rannte sich im Mittelfeld fest oder drosch die Bälle ohne Sinn und Verstand nach vorn. Ralph Hasenhüttl brauchte an sich seine Ingolstädter nur zu stabilisieren. Und dann patzte auch noch Leipzigs Torwart Benjamin Bellot. Und alles passte wunderbar zusammen. Die zweite Halbzeit fand praktisch völlig ohne RB Leipzig statt.

So gab es einen verdienten und souveränen Aufsteiger aus Oberbayern, der in der nächsten Saison gegen Wolfsburg, Hoffenheim, Frankfurt, die Bayern oder Dortmund spielen wird. Und es gab einen bedröppelten Ligaverbleiber, der verdient die zweite Bundesliga weiter bereichern darf. Sie nehmen daran auch nächste Saison teil. Aber ob sie „die beste zweite Liga der Welt“ nächste Saison bereichern können, muss sich erst zeigen. Zu oft zeigte sich in der nahezu beendeten Saison, dass man lieber auf Alibi spielte als auf Sieg. Und deshalb landet man in dem Korridor, den ich zu Saisonbeginn ausgegeben habe. Es wird sogar das obere Ende des Korridors. Also was soll’s.

Es geht um die Art und Weise, wie man in Ingolstadt gespielt hat. Wieso nur schafft es die Truppe nicht wie der vor 11 Jahren gegründete Verein aus der Audistadt, konsequent ein Spiel durchzuspielen und die Qualität hoch zu halten? Wieso kommt es, dass der Gegner das Spiel gar nicht abnehmen muss, sondern es RB Leipzig immer wieder herschenkt? Was gestern in Oberbayern stattfand, war das Synonym für so viele Dinge der Saison. Und daran hat der Trainerwechsel von Alexander Zorniger hin zu Achim Beierlorzer nur zeitweise etwas geändert. Und damit bleibt, dass die Truppe noch viel mehr lernen muss, um auch nur halbwegs als das Spitzenteam durchzugehen, als das man durchgehen will.

Ich habe das Gefühl, als ob die fehlende Verbindung der Profis zu den U-Mannschaften ein Manko ist. Ich habe es schon hier und da mal aufgeschrieben: Wieso baut man nicht mehr auf den Nachwuchs, wie man es tut? Der Einzige, der aus den nachfolgenden Truppenteilen immer mal wieder seine Chance erhielt, war John-Patrick Strauß. Aber sonst kommt da zu wenig nach. Und das trotz der Tatsache, dass die U23 souveräner Sieger der NOFV-Oberliga Nordost Staffel Süd geworden ist und die U19 um die deutsche Jugendmeisterschaft mitspielt. Ich meine, man hat fast die gesamte Rückrunde einen Nachwuchstrainer bei den Profis gehabt, der auch nicht weiter auf den Nachwuchs gebaut hat.

Damit zeigt sich doch aber, dass das Gerede vom versuchten erkauften Erfolg eben nicht von der Hand zu weisen ist. Und das wird sich in der kommenden Saison so fortsetzen. Meiner Meinung nach wird gefühlt ein Drittel der Profis in die Wüste geschickt. Und es wird ein neuer Coach kommen. Man wird mit dem Stahlbesen vorangehen, Ralf Rangnick an vorderster Front. Das löst aber das Problem nicht, dass der ganze Profihaufen zu wenig einen Masterplan hatte. Und wer keinen Masterplan hat, der wird wieder scheitern. Und der Plan sollte nicht überschrieben sein mit „Wir erzwingen den Aufstieg“. Das war die Überschrift in dieser Saison. Und das hatte ja wunderbar funktioniert, oder?

Nein, wer erfolgreich die zweite Bundesliga nach oben verlassen will, bei dem muss der Masterplan vorhanden sein, der da heißt „Wir zwingen dem Gegner unser Spiel auf“. Was meinen Sie, warum Ingolstadt so souverän Zweitliga-Meister wurde? Mit Glück, dass andere mehr Fehler gemacht haben als sie selbst, hatte das wenig zu tun. Man hat ganz einfach gezeigt, dass man sich die Butter nicht vom Brot klauen lässt. Und so ergeben sich dann eben auch Chancen und Siege. Dinge, die man bei den Ansprüchen von RB Leipzig, vermisst hat. Und ich denke, hier sollte man ansetzen. Aber noch vorher hätte man dem Team um Poulsen, Kaiser, Sebastian und Coltorti nicht den Durchmarsch-Dampfhammer um die Ohren hauen sollen.

Alle haben sie Fehler gemacht. Rangnick hat den Druck des Sponsors ungefiltert an Mannschaft und Trainer weiter getreten. Der Trainer hat nicht genügend den Druck abgefedert. Und die Mannschaft hat zu wenig Ehrgeiz gezeigt. Aber trotzdem: RB Leipzig war dieses Jahr „nur“ ein Aufsteiger. Erstes Ziel für Aufsteiger ist es, die Klasse zu halten. Und das zumindest hat funktioniert. Ingolstadt hat durch das konsequente Verfolgen des Hasenhüttl’schen Masterplans den Weg von den Niederungen des schnöden Klassenerhalts hin zum souveränen Zweitliga-Dominator eindrucksvoll geschafft. Und so muss man das machen, wenn man solche Ziele wie RB Leipzig hat. Und deshalb ist der FC Ingolstadt verdient zu beglückwünschender Meister geworden.

Nun geht es darum, dass die Leipziger nun nicht im Chaos versinken. Es war nicht alles schlecht, weder in Ingolstadt noch in der gesamten Saison. Aber es war zu wenig gut, um die selbst gesteckten Ziele zu verfolgen. Es war zu wenig Konsequenz. Wieder der Hinweis: Das hat Ingolstadt wesentlich besser gemacht. Und will man es in der kommenden Saison besser machen, muss man in Leipzig irgendwie halbwegs so etwas wie Ingolstadt machen. Nur darf man eben nicht noch weiter das Team-Gefüge zerstören, indem man einfach zu viele Leuchttürme aus dem Haus jagt und irgendwen holt, nur weil irgendwer irgendwas gutes über den erzählt. So wird es dann wieder nichts werden.

Schade, dass Achim Beierlorzer zu wenig aus dem Team machen konnte. Und dass er deshalb wieder zurück ins Glied der Jugendarbeit muss. Aber ob nun die proklamierten Herren Sascha Lewandowski (Jugendtrainer in Leverkusen) oder Thorsten Fink (bei Apoel Nikosia entlassen) oder wer auch immer die Sache besser machen, darf man sich gar nicht denken. Denn die große Krux ist das Gewicht des Sponsors und dessen Sportdirektors. Wer weiß, wer damit überhaupt umgehen kann. Wie es auch immer laufen mag, wer erfolgreich die zweite Bundesliga nach oben verlassen will, muss sich ein Beispiel an Teams wie FC Ingolstadt nehmen.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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