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FIFA Worldcup 2014 – Ein Deutschland-Nachklapp

Es ist Spielpause in Brasilien. Am Freitag geht es wieder los mit dem munteren Kicken. Und was macht da der geneigte Journalist? Er übt sich in Nachbetrachtungen. Überall liest man derzeit Klugscheißereien, und ich bitte für den Ausdruck um Entschuldigung.

Die spannende Frage, die sich mir da stellt: Haben denn die ganzen Journalisten Recht? Haben sie Recht damit, wenn sie die DFB-Elf fast in der Luft zerreißen, nachdem das Spiel gegen Algerien alles andere als eine Glanzleistung – vor allem in der ersten Halbzeit – war? Ich habe da eine Meinung.

Da rückt automatisch in den ganzen Nachbetrachtungen ins Auge, dass man die Abwehr kritisiert. Und unrecht haben die ganzen Experten damit ja nicht. Zeitweise war eben keine Abwehr vorhanden. Wo war denn ach, so wichtige Innenverteidigung?

Klar, man hat links außen mit Höwedes eben einen Innenverteidiger, der öfter versucht hatte, sich in den Angriff mit einzuschalten. Beides war eher nur halb gelungen. Rechts außen hatte 3 Spiele lang Jerome Boateng eine recht gute Figur gemacht und musste beim Achtelfinale nach innen zu Per Mertesacker wechseln, nachdem Mats Hummels krank war. Da sich Mertesacker und Boateng nicht aufeinander einstellen konnten, war das eine ziemliche Harakiri-Übung. Tja, und rechts außen spielte Shkodran Mustafi, bis er mit Muskelbündelriss ausgewechselt werden musste, und wurde mit der Situation nicht warm. Erst als Lahm auf seiner Parade-Position spielte, kehrte da Ruhe ein.

Die Doppel-Sechs. Angeblich eine gute Lösung mit Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger. Weil sich wohl Schweinsteiger mit Sami Khedira nicht versteht? Blödsinn in meinen Augen. Joachim Löw zollt dem FC Bayern Tribut, da dort Lahm auch auf der 6 spielt. Das kann man als Bundestrainer nicht machen, oder? Ich kenne noch Spiele mit Khedira und Schweinsteiger, die Weltklasse waren. Warum sollte man das nicht weiter machen? So wichtig ist der FC Bayern dann auch wieder nicht. Oder wie es die Huffington Post schreibt: Warum keine dreifache 6 mit Lahm, Schweinsteiger und Khedira?

Im offensiven Mittelfeld, das schreibt die Huffington Post auch, zeigten sich riesige Löcher. Und mit Recht wird da die Schuld bei Mario Götze und Mesut Özil abgeladen. Götze macht mehr sein eigenes Ding während der WM. Ob Lukas Podolski besser auf der Position wäre, kann ich nicht sagen, aber Götze war fehl am Platz. Und was mit Mesut Özil los ist, möchte ich ehrlich gesagt gar nicht wissen. Der kommt mir immer so vor, als wäre er ein öffentlichkeitsfernes, sensibles Genie. Ein Genie ist er ja, aber warum muss er immerzu so leer gucken und die Schultern sacken lassen? Mensch, Junge, hab mal Hintern in der Hose. Da lobe ich mir doch den Toni Kroos, der immer irgendwie volle Kanne geht.

Tja, und der Sturm, der kein Sturm ist, wenn man so die Medien hört. Falsche 9? Bitte was? Thomas Müller macht bisher alles richtig. Ob das nun eine richtige Nummer oder falsche ist, sollte dabei völlig egal sein. Und wenn der nicht zieht, dann hat Deutschland ja noch den „alten Mann und den Ball“, Miroslav Klose. Der kann es eben auch immer noch.

Die größten Baustellen sehe ich in der Abwehr, und – nachdem Hummels wieder fit sein soll – eigentlich nur außen. Hummels und Mertesacker, das funktioniert eigentlich, auch wenn Mertesacker eher nur im Weg stehen kann, statt aktiv zu verteidigen. Aber das macht er gut. Und Höwedes? Sehr viel hat er ja nicht zugelassen, auch nach vorn nicht. Und rechts außen wird wohl wieder Boateng spielen, der die Position vernünftig absolviert hat. Und eine weitere Baustelle ist das defensive Mittelfeld. Warum ist man nicht konsequent und setzt auf Khedira und Schweinsteiger? Und im Mittelfeld darf man sich gern etwas gegen die großen Lücken einfallen lassen.

Aber bei all den Gedankenspielen darf man eben auch die „Spezialkräfte“ nicht vergessen. Was ist denn mit Kevin Großkreutz oder Erik Durm, warum bekommt André Schuerrle so wenige Gelegenheit, wo bleibt Julian Draxler? Man soll natürlich nicht das gesamte Team auseinander reißen. Aber man darf ruhig Optionen ansprechen. Natürlich ist die Mannschaft eingespielt, und natürlich hat es auch funktioniert: Voll und ganz gegen Portugal, mehr so lala gegen Ghana und die USA, und erst nach der Umstellung im Mittelfeld und in der Abwehr dann gegen Algerien.

Und das bringt mich auf die Idee, dass das „System Löw“, wie es gern genannt wird, am besten gegen spielstarke Mannschaften funktioniert. Ein Gegner wie Portugal ist nun einmal etwas völlig anderes als Algerien. Und vielleicht funktioniert die Mannschaft wieder genauso gut gegen Frankreich. Aber solche eklatanten Fehler wie gegen Algerien werden die Franzosen hart bestrafen. Aber sie sind spielstark, und vielleicht ist ja alles an Wortmeldungen dann unnützes Blätterrauschen.

Gegen Portugal waren sie in fast gleicher Konstellation sowas von souverän. Diese Konstellation funktioniert also. Aber dazu dürfen dann die angesprochenen Spieler auch gern mal wieder eine Schippe drauflegen. Denn jeder aus der Mannschaft faselt etwas vom Weltmeister-Titel. Und so wie gegen Algerien gespielt wurde, könnte das aber ins Auge gehen. Ich weiß nicht, wie Sie das sehen. Vielleicht liege ich ja auch komplett falsch und die reichlich 800 Worte sind kompletter Blödsinn.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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