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Karlsruher SC gegen RB Leipzig

Die Sachsen gingen heute mal nach Baden auf Tournee. Aber sie gingen nicht baden, obwohl sie oft ins Schwimmen gerieten. Aber alles gut. Was vorher wie ein sinnloses Unterfangen aussah, die Festung Wildpark-Stadion zu erobern aussah, war am Ende gar nicht so sehr brotlose Kunst. Zwar gab es keine Tore, aber ein paar interessante Aspekte.

Eigentlich ist es ein Armutszeugnis für den gefallenen Engel aus Baden. Da tut der KSC so, als sei der Wildpark uneinnehmbar. Und die Fans belagern und stürmen das Hotel, in dem der RB Leipzig untergebracht war. Und im Vorfeld gab es wilde Drohungen von „besorgten <irgendwas einsetzen>“. Aber am Ende kommt für die Hausherren nichts weiter als ein Unentschieden rum? Gegen einen Aufsteiger, der über 50 Minuten in Unterzahl spielte?

Klar, der KSC hatte – vor allem in der ersten Halbzeit und kurz vor Schluss – schon gute Chancen. Aber wirklich zählbares kam nicht zustande. Das lag einerseits am grob fahrlässigen Umgang mit Chancen, man kann sogar fast von Unvermögen reden. Aber andererseits lag es auch an einem überragenden Fabio Coltorti, der fast fehlerfrei heute den Kasten sauber hielt. Und der bescheidene Schweizer sagte auch noch, dass er phasenweise „nicht so gut gehalten“ hätte.

Naja, so sind die Schweizer eben. Nur eine Szene war heute kritikwürdig. Ein Missverständnis zwischen den später des Platzes verwiesenen Marvin Compper und Fabio Coltorti, die fast Slapstick-artig zu einer KSC-Chance führte. Aber sonst war der stille, leise Riese im Tor der Leipziger fehlerfrei. Man mochte fast von „Weltklasse“ reden, als er kurz vor Schluss aufopferungsvoll eine Dreierchance der Badenser vereitelte. Und das – wie gesagt – in Unterzahl.

Marvin Compper nämlich hatte heute einen rabenschwarzen Tag erwischt. Der Deutsch-Franzose aus Guadeloupe vollführte erst einige seltsame Dinge im Strafraum, wie eben genanntes Missgeschick mit Coltorti. Und in Minute 37 foulte er den Karlsruher Yamada in vollem Lauf und war dabei letzter Mann. Und das bedeutet nun einmal Rot. Das kann man drehen und wenden, wie man will. Compper war heute irgendwie fehl am Platz. Wie auch Ante Rebic.

Der Kroate wirkt in meinen Augen sowieso wie ein Fremdkörper im Mannschaftsgefüge. Der wurde noch vor der Halbzeit-Pause durch Yussuf Poulsen ersetzt. Ich war ehrlich gesagt überrascht, da ich irgendwen defensiveres erwartet hätte. Aber Rebic als Fremdkörper wäre wohl nicht zum Gegenhalten in Unterzahl geeignet gewesen, während Poulsen immens wichtig im Verteidigen und im Spielaufbau ist. Und so ging eine seltsame erste Halbzeit zu Ende.

Mittlerweile ist man es als Beobachter ja gewöhnt, dass RB Leipzig eine Abwehr-Formation namens Hühnerhaufen hat. Nach dem Ausfall von Tim Sebastian im Pokal-Fight gegen Wolfsburg sind die Unzulänglichkeiten noch größer geworden. Und nun waren beide etatmäßige Innenverteidiger nicht mehr dabei. Die Karlsruher kamen Mal und Mal vor Coltortis Tor zum Zug. Und niemand auf Seiten des RB Leipzig hätte sich beschweren können, wenn mindestens ein Tor gefallen wäre.

Nach dem Wechsel brachte der ruhige Achim Beierlorzer den Mittelfeldspieler Stefan Hierländer für den israelischen Nationalstürmer Omer Damari, der keinesfalls blass wirkte. Er hatte gute Akzente. Aber Beierlorzer musste das Spiel breit machen, um Karlsruhe so wenig möglich Angriffsfläche vor dem Tor zu bieten. Und mit der Zeit beruhigte sich das Spiel von RB Leipzig. Zwar kam es hüben wie drüben zu zahlreichen Fouls und Nicklichkeiten. Und niemand hätte laut auf Schiedsrichter Brand schimpfen brauchen, wenn noch jemand vom Platz geflogen wäre, mutmaßlich noch ein RB-Spieler.

Nach einer völlig irren ersten Halbzeit war die zweite Halbzeit von Fouls und Mittelfeld-Kleinklein geprägt. Aber der RB Leipzig bekam das Spiel irgendwie besser in den Griff. Und der KSC fand bis kurz vor Schluss kein echtes Mittel gegen zwei Viererketten und einem defensiven Stürmer. Und Coltortis Finale kam.

Micanski vom KSC köpfte vom Elfmeter-Punkt, was Coltorti blitzschnell abwehrte. Es folgte ein 10-Meter-Knaller von eben jenem Micanski, den der Schweizer parierte und reagierte dann sofort auf einen Abstauber von Hennings. Drei Chancen innerhalb von Sekunden. Das macht nicht jeder. Der Sieger des Verfolger-Duells heute Abend heißt also Fabio Coltorti aus Locarno, Schweiz.

Und nachdem im Vorfeld die Sache mit dem Drohbrief bekannt wurde, gibt es noch einen Nachschlag zu erzählen. RB Leipzig Sportdirektor Ralf Rangnick sprach davon, dass drei Stunden vor Spielanpfiff vermummte Leute im Hotel eingefallen sind, in welchem die Mannschaft untergebracht war. Die müssen wohl üble Lieder von sich gegeben haben und mit obszönen Gesten gewedelt haben. Dass sind keine Fans. Das sind Leute ohne Sinn und Verstand. Aber dann ist der angeblich so ruhmreiche Wildpark mit 17829 bei weitem nicht ausverkauft. Das nenne ich Fans!

Alles in allem ein durchaus vertretbares Remis. Die Karlsruher hatten durchaus mehr Chancen. Aber der eine Punkt für RB Leipzig geht auf Grund der höheren Moral wegen der Unterzahl auf jeden Fall in Ordnung. Aber als Karlsruher SC darf man sich durchaus Gedanken um seine Fans machen. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

4 thoughts to “Karlsruher SC gegen RB Leipzig”

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