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VfB Stuttgart - by VfB Stuttgart Public domain via Wikimedia Commons VfB Stuttgart - by VfB Stuttgart Public domain via Wikimedia Commons

Nichts gutes beim VfB Stuttgart

Der VfB Stuttgart muss nach 51 Jahren in die Zweite Bundesliga absteigen. Der Baum, der in Flammen stand, ist abgebrannt. Aber der Zündler will weiter machen. Sportdirektor Robin Dutt will unbedingt weiter Feuerzeug spielen, und wahrscheinlich den ganzen Wald namens VfB Stuttgart abbrennen. Wie weltfremd, wie blind muss man sein, dass man nicht selbst die Verantwortung für die sportliche Misere am Neckar sieht? In Bad Cannstatt muss noch mehr kaputt gehen, oder?

Ich erinnere mich noch gut an ein Foto, das mein Vater mal gemacht hatte. Im alten Neckarstadion in Stuttgart stand er als früherer Handball-Torwart im Tor und hat ins gegenüber liegende Tor fotografiert. So dämlich das klingen mag, aber irgendwie zeigt das doch, was der VfB Stuttgart für meinen Vater bedeutete. Und damit wuchs ich auf. Auch wenn ich Leipziger bin und RB Leipzig anfeuere, kann ich doch meine Vergangenheit nicht ausblenden und werfe immer einen Blick an den Neckar.

Nun ist also der VfB Stuttgart abgestiegen. Das Stolzeste, was der südwestdeutsche Fußball zu bieten hat, ist weg. Es sind aber nicht nur die Profis in die Zweite Bundesliga abgestiegen. Auch der Nachwuchs ist von der Dritten Liga in die Regionalliga abgestiegen. Und schnell ist man dabei, dem letzten Trainer der Profis, Jürgen Kramny, die Schuld zu geben. Das kann man auch gern machen, da er ja erst die U23 trainiert hatte und nach dem Zorniger-Rauswurf, als niemand Stuttgart trainieren wollte, die Profis übernahm. Beide Teams stiegen ab.

Aber ich denke, das Problem sitzt viel tiefer und hat nicht nur etwas mit dem Trainer zu tun. Irgendwas muss da im gesamten Vereinsgefüge schief laufen. Wie sonst ist es zu erklären, dass der VfB seit so vielen Jahren nichts mehr in der Bundesliga reißen kann? Dass mal eine Saure-Gurken-Zeit kommt, ist überall normal. OK, nicht unbedingt bei den Bayern, aber sonst schon. Aber irgendwann muss man sich doch mal sagen, dass man so nicht weiter wursteln kann. Irgendwann muss man sich doch mal an die Nase fassen und beschließen, irgendwas anders zu machen.

Aber nicht so der VfB Stuttgart. Dort läuft es seit längerer Zeit mies. Seit ein paar Jahren spielte man eigentlich nur noch gegen den Abstieg und sprang dem Abstiegsgespenst immer nur knapp von der Schippe. Dieses Mal ging es eben schief. Und was ist – wie seit Jahren – die einzige Konsequenz auf sportlicher Seite? Man schmeißt den Trainer vom Cheftrainer-Stuhl. Der soll wieder die U23 übernehmen. Aber ist Jürgen Kramny tatsächlich der einzige Übeltäter?

Wenn ich mir so anschaue, was man über Sportdirektor Robin Dutt erzählt, dann glaube ich, dass auch er seinen Anteil hat. Gut, er kam erst Anfang Januar 2015. Für die Misere davor konnte er also nicht allzu viel. Vielleicht hat es etwas mit seinem Vorgänger Fredi Bobic zu tun? Denn dessen Vorgänger, Horst Heldt, stand für Erfolge mit dem Titel Deutscher Meister, Pokalerfolge, internationale Erfolge. Wer weiß, wer weiß. Jedenfalls werden die Rufe lauter, den in Schalke arbeitslos gewordenen Heldt nach Stuttgart „heim“ zu holen.

Und weil man eh grad keinen Profi-Trainer hat und gerade dabei ist, soll Horst Heldt gleich mal seinen Trainer André Breitenreiter mitbringen, der auf Schalke ebenso weg vom Fenster ist. Breitenreiter hatte es nicht geschafft, den Laden ohne irgendeine Playoff-Geschichte ins internationale Geschäft zu führen, weshalb der Gazprom-Club gnadenlos war. Wie auch immer, die beiden hätten die Stuttgarter Fans gern. Bliebe nur die Frage nach dem künftigen Präsidenten.

Man weint ja immernoch der Glanzzeit mit Gerhard Meyer-Vorfelder nach. Ein Vierteljahrhundert hatte er wie kein anderer den Club geprägt. Danach kamen vergleichsweise kurze Präsidentschaften. Mit niemandem war das Stuttgarter Umfeld so zufrieden wie mit „MV“. Und am letzten Präsidenten, Bernd Wahler, rieben sich schon lang die Nerven. Einen Tag nach dem Abstieg war der Manager dann auch so frei, den Stuhl zu verlassen. Aber wer soll den Laden nun führen? Stuttgart ist im Chaos.

Man hätte gern, dass den Sessel des Vereinslenkers künftig der Mister Knallgöwer wärmt. Gehandelt wird der 11 Jahre für den Bad Cannstatter Club spielende Karl Allgöwer. Der hat sich soweit ich weiß seit 20 Jahren aus dem Verein ziemlich herausgehalten. Aber wer weiß, vielleicht halten sie ihn aus Traditionsgründen für den Richtigen. Richtig ist, dass den Verein jemand führen muss, der nichts mit der derzeitigen Führung gemein hat. Und da wäre Allgöwer schon richtig. Denn wer soll es denn sonst machen?

Guido Buchwald? Nein, zu lange schon hängt er mit drin. Jürgen Klinsmann? Wozu? Der ist Nationaltrainer und noch dazu „einer aus dem Degerloch“. Da ist niemand. Nicht aus dem Fußball-Bereich. Vielleicht wird es auch irgendein hochrangiger Manager von Daimler, und man entschließt sich zur Ausgliederung der Profis in eine Kapitalgesellschaft. Ich denke, beim VfB Stuttgart ist derzeit alles möglich. Es muss aber auch ein gewaltiger Umbruch stattfinden.

Wenn ich aber sehe, dass der glücklose Sportdirektor Dutt keine Veranlassung zum Rücktritt sieht, weiß ich nicht, wie beherzt man am Neckar einen Neuanfang wagen will. Es ist schon ewig her, dass man mal abgestiegen war. Damit kann der Club vielleicht auch nichts anfangen. Nur dann kann es eben richtig eng werden für den roten Brustring. Wenn man weiter so weltfremd vorgeht wie bisher, kann da noch viel mehr passieren, als was jetzt schon passiert ist.

Nein, beim VfB hat man die Quittung dafür bekommen, dass man sich seit dem Meistertitel 2007 auf genau diesem ausgeruht hatte. Was da seit einigen Jahren passiert, hat man einfach so geschehen lassen, ohne dass man Lust auf eine wirkliche Änderung hatte. Und daran haben die Trainer Babbel, Gross, Keller, Labbadia, Schneider, Stevens, Zorniger und Kramny (die Trainer der letzten 8 Jahre) nur bedingt Schuld. Man kann noch 30 Trainer verschleißen, das Problem liegt nicht nur dort. Ich habe aber meine Zweifel, ob man das beim VfB Stuttgart überhaupt so im Blick hat.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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