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Feiernde Fans - © Brausecrew Feiernde Fans - © Brausecrew

RB Leipzig – 7 Jahre Tradition

Am 19. Mai 2009 begann eine der verrücktesten und umstrittensten Fußball-Geschichten. Im kleinen Markranstädt südwestlich von Leipzig wurde RB Leipzig gegründet. Über den Verein wird seit jeher diskutiert, debattiert und allerlei Blödsinn verbreitet. Aber 7 Jahre nach der Gründung und nach der Übertragung des Spielrechts von SSV Markranstädt steigt der Club rund um Ralf Rangnick in die Bundesliga auf. Blicken wir einmal kurz zurück.

Die Anfänge

Es geisterte in den ersten paar Jahren nach dem „Millennium“ durch die Gerüchte und durch die lokale Presse: Red Bull will in Leipzig Geld investieren, einem hiesigen Club auf die Beine helfen und dabei Marketing ohne Gnade und ohne Ende machen. Angeklopft hatten sie sowohl bei dem damaligen FC Sachsen Leipzig und beim 1. FC Lokomotive Leipzig. Beide wollten nicht, da mindestens der Vereinsname irgendwas mit Red Bull zu tun haben sollte.

Als Leipziger hat man zu der damaligen Zeit die Berichte über den Unsinn gelesen, der von Blaugelb und von Grünweiß immer wieder bekannt wurde. Mehr hat der lokale Fußball die breite Öffentlichkeit nicht interessiert. Aber als Fußball-hungrige, Sport-verrückte Stadt hat man natürlich trotzdem Fußball geschaut. Bundesliga. Euro League, Champions League, Weltmeisterschaft. Europameisterschaft. Und man hat sich gesagt, dass es doch schön wäre, wenn ein Club aus Leipzig auch irgendwann mal wieder weiter oben mitmischen könnte.

Das war die Zeit nach den x-ten Fanausschreitungen bei Lok und den x-ten Geldproblemen bei den anderen. Darauf hatte der Großteil der Fußballfans keine Lust mehr. Und so bejubelte man das „Projekt“ von Red Bull in Markranstädt. Einen Monat nach Gründung erzählte ich das erste Mal von RB Leipzig. Viel Zeit ist seit dem vergangen. Viel gutes, viel merkwürdiges, aber brachte etwas hervor, an dem sich die Leipziger Fußball-Seele anlehnt.

Die Experimente

Am Anfang war die Mannschaft gespickt mit Leuten, die eigentlich ihren Zenit überschritten hatten. Die Namen hießen unter anderem Patrick Bick, Ingo Hertzsch, Thomas Kläsener, Ronny Kujat und, und, und. Dazu kamen noch Talente aus der Region, die es mehr oder weniger gut geschafft haben, sich entweder bei RB Leipzig durchzusetzen oder woanders dann ihr Glück zu versuchen. Und einer ist von Anfang an dabei: Torwart Benjamin Bellot.

Mit der Zeit wurde immer wieder die Mannschaft mehr oder weniger umgekrempelt. Man hätte auch gar nicht spielen dürfen, wenn man keine Jugend aufweisen konnte. Daher gab es mit der Zeit immer wieder Spielgemeinschaften. Ob es die Markranstädter Jugend oder die Delitzscher Jugend war, irgendwie brachte man so die ersten Spielzeiten rum.

Der erste Trainer war der Markranstädter Coach Tino Vogel. Der ist bis heute noch im Verein, aber beim Nachwuchs. Es folgten Namen wie Tomas Oral und Peter Pacult, und die Kritik wuchs. Auch im Vorstand machte sich immer wieder ein seltsamer Umbruch bemerkbar, als ganz plötzlich Dietmar Beiersdorfer Sportdirektor spielen wollte. Das Alles klappte eher nur halb gut, weshalb man unplanmäßig 2 Ehrenrunden in der Regionalliga zubringen musste. Und dann nahm sich der ganzen Sache der damalige Sportdirektor vom FC Red Bull Salzburg, Ralf Rangnick, an.

Der Erfolg

Mit Ralf Rangnick als Leiter der Turnergruppe und dem ehemaligen Marathon-Spezialisten Oliver Mintzlaff hielt Professionalität und auch ein Stück weit Erfolg Einzug. Die Strukturen wurden fester, die Mannschaften sahen mehr nach einem Team aus, und aus der baden-württembergischen Provinz kam ein Alexander Wer? Im dritten Jahr in der Regionalliga kam also Trainer Zorniger und brachte den Erfolg. Mit Rumpel-Fußball und Überfall-Angriffen schaffte man es in die Dritte und danach gleich in die Zweite Bundesliga.

Die Spieler wurden professioneller, was an den zentralen Stützen der Profi-Mannschaft, Yussuf Poulsen, Dominik Kaiser und Fabio Coltorti liegt. Größere Namen konnten verpflichtet werden, was immer wieder Schelte und Kritik einbrachte. Aber am Ende musste man spätestens zu Beginn der nun abgelaufenen Saison feststellen, dass das Alles irgendwie Hand und Fuß hat. In der Übergangszeit nach dem Zorniger-Rücktritt übernahm Nachwuchs-Trainer Achim Beierlorzer. Und in der abgelaufenen Saison übernahm der „Professor“ Ralf Rangnick als Architekt selbst. Und das mündete nun im Erstliga-Aufstieg.

Die Fans

Was ist ein Verein ohne Fans? Was, die hat RB Leipzig gar nicht? Beobachten Sie mal Heimspiele des Clubs. Dort werden Rekorde gebrochen. Dieses ganze unsinnige Gequatsche, dass das alles seelenlose Freikarten-Besitzer sind, lässt sich eh nicht halten. In der abgelaufenen Saison kamen knapp 500000 in die Red Bull Arena. Mehr kamen nur zum 1. FC Nürnberg. Alles Leute, die von Red Bull gekauft sind? Man mache sich bitteschön nicht lächerlich.

Auch auswärts waren immer sehr viele mit dabei. Ich habe das ja die gesamte Saison mit verfolgt. Während der Karlsruher SC wegen irgendeiner Tradition-statt-Kommerz-Folklore die Heimfans zuhause gelassen hatte, fuhren mal eben 2500 Leipziger mit nach Duisburg. Und über die gesamte Zeit mussten sich die Fans gewaltigen Repressalien aussetzen, weil teilweise Menschen nur so tun, als seien sie Fußball-Fans, stattdessen aber zu verurteilende Gewalttäter sind.

Wer außer Verbrecher kippt Buttersäure in den Gästeblock zu den RB Leipzig Fans? Wer außer Verbrecher ölt Wellenbrecher, sodass sich RB Leipzig Fans das Genick brechen können? Wer außer Verbrecher bewirft den Fahre des Mannschaftsbusses mit irgendwelchem Zeug, sodass der nichts sieht, und provoziert dabei gefährliche Unfälle? Wenn das diese angebliche Tradition ist, von der immer wieder geredet wird, dann kann ich getrost darauf verzichten.

Diese Idioten – ob nun Fans des 1. FC Nürnberg, des 1. FC Kaiserslautern, des Karlsruher SCs oder des 1. FC Union Berlin – haben sicherlich gedacht, dass dadurch das, was den Fußball seit 2009 neu definiert, wieder weg macht. Sie haben nicht damit gerechnet, dass es den Zusammenhalt zwischen den Fans und der Mannschaft stärkt. Am Ende sondert jeder Fan von RB Leipzig so viel Blut, Schweiß und Tränen ab wie ein Fan vom SC Freiburg oder von der SG Eintracht Frankfurt.

Wir sind E1ns

Verein und Fans setzen sich genauso auseinander wie bei jedem anderen Verein. So wird mit Stadion-Boykott gedroht, wenn die Eintrittspreise zu hoch sind, bis in Zusammenarbeit mit dem Fanverband ein Kompromiss erarbeitet werden konnte. Fans nörgeln genauso über Entscheidungen der sportlichen Leitung wie es beim VfB Stuttgart der Fall ist. Nur haben andere Vereine ein paar Jahre mehr Tradition. Bei RB Leipzig sind es eben nur 7. Na und? Deshalb identifiziert man sich trotzdem mit dem Club. Und so gibt es eben auch Animositäten mit anderen Clubs.

In den Reihen der Fans von RB Leipzig darf man zum Beispiel nicht zu laut den Vereinsnamen SV Darmstadt 98 sagen. Ebenso wenig wie der Hallesche FC zu laut gelobt werden sollte. Insofern alles ganz normal. Auf die „Lilien“ wird man dann ja im Spätsommer wieder treffen. Und wir sind alle gespannt, wie sich das Wiedersehen gestalten wird. Nickligkeiten gibt es zwischen etlichen Vereinen, warum soll das bei RB Leipzig also anders sein?

Nun gibt es auch endlich mal eine Vereinshymne. Sebastian Krumbiegel hat sich viel Mühe gegeben. Zu hören war die bei der Aufstiegsfeier. Den Fans gefällt dieser an sich gute Versuch nur so halb. Wie das eben immer so ist. Geschmäcker sind halt verschieden. Am Ende ist es dann so, dass sich der Verein, der im Moment freilich nichts ohne Red Bull wäre, und die unerschütterlichen und kritischen Fans auch als Helden sehen können. Und deshalb sehen die Fans etwas anderes als wahre Hymne an.

Die Einheit zwischen Verein, Mannschaften und Fans ist über die Jahre gewachsen. Das kann man genauso als Tradition bezeichnen wie das Abwehren von Angriffen. Am Ende bleibt aber die Erkenntnis, dass es mir tausendmal sympathischer ist, dass sich Fans nicht ganz so ernst nehmen, aber ernst genug für hitzige Debatten. Wieso wohl lästern die Fans über sich selbst:

Wir sind Schweine,
Rote-Bullen-Schweine,
wir zahlen keinen Eintritt
und trinken Champagner statt Bier.

Leute, ihr könnte noch so sehr auf dem Verein herumhacken und allen möglichen Quatsch unterstellen. Damit bekommt ihr den Club nicht weg. Im Gegenteil, man wächst immer weiter zusammen. Und das ist die eigentliche Gefahr für euch. Und das mit einer Tradition von 7 Jahren.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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